Aktien Wien Schluss: Iran-Hoffnung hebt ATX auf Rekordhoch
Die Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und
dem Iran hat dem ATX am Freitag zu einem neuen
Rekordhoch verholfen. Aus dem Handel ging der österreichische
Leitindex um 3,06 Prozent fester auf 6.258,71 Punkten. Im Tageshoch
war das Börsenbarometer bis auf gut 6.276 Einheiten gestiegen. Auf
Wochensicht verzeichnete es einen Gewinn von 2,9 Prozent.
Für den ATX Prime ging es vor dem Wochenende um 2,99 Prozent auf
3.085,80 Zähler hinauf. Damit entwickelte sich der vergleichsweise
konjunktursensible heimische Aktienmarkt auch noch einmal besser als
das durchaus starke europäische Börsenumfeld. Der Brent-Ölpreis fiel
inzwischen deutlich und markierte zeitweise den tiefsten Stand seit
Mitte März.
Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch iranische Vertreter
stellten ein baldiges Rahmenabkommen zur Beilegung des Krieges in
Aussicht. Das Abkommen sei "so nah wie noch nie", sagte
Medienberichten zufolge Irans Außenminister Abbas Araqchi. Westliche
Insider stellten eine Unterzeichnung noch an diesem Sonntag in
Aussicht.
"Trump hat schon viele Male zuvor erklärt, dass ein Abkommen kurz
bevorstehe, woraufhin die Feindseligkeiten dennoch wieder
aufflammten", hatte Warren Patterson, Rohstoffexperte bei der ING,
am Morgen geschrieben. Neu sei, dass es auch von anderen Seiten
positivere Signale für eine Einigung gebe. Selbst wenn eine
Verlängerung der Waffenruhe zustande komme, könnte diese fragil
sein, warnt Patterson: "Und klar ist: Wenn die Atomverhandlungen
nicht vorankommen, könnte sie sehr leicht auseinanderfallen."
In Wien waren die für den Leitindex wichtigen Bankaktien stark
gesucht. Erste Group , Bawag und RBI
zogen jeweils zwischen 2,4 und 4,8 Prozent an. Sie
hatten mit Beginn des Iran-Kriegs noch unter Stagflationssorgen
gelitten, die nun weiter abnahmen. Marktbeobachter verwiesen zudem
auf eine Versteilerung der Zinskurven, was den Geldhäusern, die sich
kurzfristig refinanzieren, um längerfristig zu verleihen, in die
Karten spielt.
Klare Aufschläge gab es auch bei den konjunktursensiblen und
energieintensiven Industriewerten. Besonders deutlich kletterten
Wienerberger um 5,6 Prozent hoch. Voestalpine
steigerten sich um 2,7 Prozent. Die allgemein
gestiegene Risikofreude gab zudem der KI-Rally neue Nahrung - AT&S
stiegen um 7,8 Prozent auf ein neues Allzeithoch. Verbund und OMV
wurden dagegen von fallenden Energiepreisen belastet,
die Kursverluste blieben mit 0,5 respektive 0,1 Prozent aber
überschaubar.
Do&Co zogen um weitere 5,4 Prozent auf 203,50 Euro an
und näherten sich so wieder dem Niveau vor Beginn des Iran-Krieges
an. Neben der Hoffnung auf eine Belebung des Flugverkehrs im Nahen
Osten hatten die Titel zuletzt auch von Quartalszahlen profitiert.
In Reaktion auf Letztere hoben nun die Berenberg-Analysten ihr
Kursziel von 260 auf 265 Euro an und bekräftigten ihre
Kaufempfehlung. Der Caterer sei trotz Nahost-Unsicherheit gut
aufgestellt, um robustes Wachstum zu erzielen und die Rentabilität
zu steigern, begründete Berenberg-Experte Christoph Greulich.
EVN stachen im verhaltenen Sektorumfeld mit einem
Zuwachs von vier Prozent auf 29,55 Euro positiv hervor. Die Erste
Group hob ihr Kursziel für die Aktien von 35,50 auf 36,00 an und
bestätigte die Kaufempfehlung. Der zuständige Experte Christoph
Schultes erwartet fürs Gesamtjahr Ergebnisse am oberen Ende der vom
Unternehmen prognostizierten Spanne./APA/zb