Aktien Frankfurt: Dax legt kräftig zu - Hoffnung auf Ende des Iran-Kriegs
Hoffnungen auf ein baldiges Rahmenabkommen der
USA mit dem Iran haben am Freitag zu fallenden Ölpreisen geführt und
dem deutschen Aktienmarkt einen Schub nach oben gegeben.
Der Dax stieg zeitweise um mehr als zwei Prozent und
kletterte kurzzeitig über die 21-Tage-Linie, die als kurzfristiger
Trendindikator gilt. Zuletzt notierte das Börsenbarometer noch 1,3
Prozent im Plus bei 24.518 Punkten. Damit setzte sich der Leitindex
weiter von der 200-Tage-Linie für den längerfristigen Trend nach
oben ab und läuft auf einen Wochenverlust von rund einem Prozent zu.
Der MDax gewann am Freitagnachmittag 1,8 Prozent auf
32.033 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um 1,5 Prozent aufwärts.
US-Präsident Donald Trump hatte seine für Donnerstagabend
angekündigten Angriffe auf den Iran abgesagt und einmal mehr ein
baldiges Rahmenabkommen in Aussicht gestellt. "Wir haben gerade eine
großartige Einigung im Krieg mit dem Iran erzielt", behauptete
Trump. Die Dokumente sollten in Kürze fertiggestellt und vielleicht
schon an diesem Wochenende in Europa unterzeichnet werden. Auch die
Islamische Republik sprach von einem möglichen bevorstehenden
Verhandlungsabschluss. Ein entsprechender Text sei überwiegend
finalisiert, sagte der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai
nach Angaben der staatlichen Agentur Irna.
Im Tagesverlauf rückt mit SpaceX der größte
Börsengang aller Zeiten in den Fokus, auf den bald noch die
KI-Plattformen Anthropic und OpenAI folgen sollen. Mit einer
Bewertung von knapp 1,8 Billionen US-Dollar ist Elon Musks
Weltraumfirma aus dem Stand mehr wert als etwa der Facebook-Konzern
Meta , obwohl die reinen Geschäftszahlen in krassem
Kontrast dazu stehen. Laut Eckhard Schulte von MainSky Asset
Management ist der Erfolg der Börsengänge wichtig, um die Vitalität
der KI-Investmentstory zu bestätigen.
In der Hoffnung auf ein Kriegsende im Iran legte der Reisesektor
merklich zu, vor allem der Reiseveranstalter Tui , die
Fluggesellschaft Lufthansa und der Flughafenbetreiber
Fraport , der zudem gute Verkehrszahlen für Mai
vorgelegt hatte. Die entsprechenden Aktien verbuchten Kursgewinne
zwischen 5,2 und 8,5 Prozent. Die Anteilsscheine des Flugzeugbauers
Airbus und des Triebwerkzulieferers MTU
gewannen bis zu 2,5 Prozent an Wert.
Auch Werte aus der Finanzbranche waren stark gefragt. Papiere der
Deutschen Bank standen mit einem Kurssprung von 5,1
Prozent an der Dax-Spitze, jene der Commerzbank
stiegen um 3,3 Prozent. Im erweiterten Finanzbereich schnellten die
Aktien des Finanzdienstleisters Hypoport um 6,0
Prozent hoch. Die Rally begründeten Marktteilnehmer mit neuem
Konjunkturoptimismus im Zusammenhang mit der Hoffnung im Iran-Krieg.
Eine nachhaltige Einigung könnte die Inflationsgefahren dämpfen,
hieß es.
Dagegen reagierten Verbio mit einem deutlichen
Abschlag auf die gesunkenen Ölpreise. Die Titel des
Biokraftstoffherstellers fielen auf den tiefsten Stand seit drei
Monaten und notierten als Schlusslicht im Kleinwerte-Index SDax
zuletzt 4,8 Prozent im Minus. Verbio profitiert von
hohen Ölpreisen, da die Verbraucher an Tankstellen dann eher zu E10
statt zu dem teureren Superbenzin greifen. Das Unternehmen
produziert unter anderem Bioethanol, das dem herkömmlichen Benzin
beigemischt wird, um E10 zu erzeugen.
Die Anteilsscheine von Friedrich Vorwerk blieben mit
plus 4,3 Prozent auf Erholungskurs. Unterstützung brachte eine
Mitteilung über einen bedeutenden Auftrag. Demnach wird eine
Tochtergesellschaft des Pipeline- und Anlagenbauers am Bau einer
zweiten Linie einer Gasfernleitung in der Republik Kasachstan
beteiligt.
Die Aktien von Flatexdegiro verteuerten sich um 6,2
Prozent. Die britische Investmentbank Barclays nahm die Bewertung
des Online-Brokers bei einem Kursziel von 41 Euro mit "Overweight"
auf. Flatex biete unter den europäischen Handelsplattformen das
stärkste Ergebniswachstum, schrieb Grace Dargan./edh/jha/