Aktien Europa: Freundliche Tendenz vor EZB-Entscheidung
Am europäischen Aktienmarkt haben
sich die Indizes am Donnerstag vor der Zinsentscheidung der
Europäischen Zentralbank (EZB) freundlich präsentiert. Weitere
Gefechte zwischen den USA und Iran im Nahost-Krieg blendeten Anleger
zunächst eher aus, zumal die Ölpreise kaum anzogen. Berichte über
ein Ende der jüngsten US-Luftangriffe ließen sie dann im Verlauf
sogar sinken.
Der EuroStoxx 50 , der sich schon am Vortag von seinen
Tagestiefs bis zum Handelsende etwas erholen konnte, legte gegen
Mittag um 0,79 Prozent auf 6.058 Punkte zu. Damit notiert der
Leitindex der Eurozone über der 21-Tage-Linie für den kurzfristigen
Trend.
Die EZB wird am Nachmittag wegen der Auswirkungen des Iran-Kriegs
ihren Leitzins wohl anheben. Volkswirte gehen fast einhellig von
einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus. Höhere Energiepreise
infolge des Konflikts sorgten für steigende Inflationserwartungen,
was die Notenbank unter Handlungsdruck setzt. Im Blick stehen wie
immer die Signale für die weitere Richtung der Geldpolitik, die
Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz nach der
Zinsentscheidung geben dürfte.
Außerhalb des Euroraums kletterte am Donnerstag der Schweizer SMI
um weitere 0,50 Prozent auf 13.531 Punkte hinauf. Der
britische FTSE 100 baute sein moderates Vortagesplus
um 0,71 Prozent auf 10.328 Zähler aus.
Rohstoff- und Technologiewerte
befanden sich auf Erholungskurs. Im Techsektor zeigte sich einmal
mehr die Divergenz zwischen Software- und Chip-Aktien. Am Donnerstag
litt Software deutlich unter den jüngsten Geschäftszahlen und dem
Investitionsbedarf von Oracle in Rechenzentren,
während die vom KI-Boom getriebenen Halbleiter-Papiere genau davon
profitierten.
Im EuroStoxx spiegelte sich dieses Bild wider, indem die Aktien von
SAP als Schlusslicht 4,4 Prozent verloren und ASML
als bester Wert 3,7 Prozent gewannen. In Amsterdam
legten zudem ASM International um 3,8 Prozent zu. Für
den Branchenausrüster hob Barclays das Kursziel deutlich an.
Wizz Air verteuerten sich um 5,4 Prozent. Die Airline
wies für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Überschuss aus, dabei
hatte man am Markt mit einem Verlust gerechnet. Auf einen Ausblick
verzichtete Wizz Air zunächst angesichts der vom Iran-Krieg
ausgehenden Unsicherheit, versprach jedoch, die Marktverwerfungen zu
nutzen, um das Wachstum voranzubringen./ajx/stk