ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: EuroStoxx nach US-Jobbericht im Minus
Die wichtigsten Aktienmärkte in der
Eurozone sind am Freitag mit den US-Börsen unter Druck geraten. Der
amerikanische Arbeitsmarktbericht befeuerte Spekulationen über eine
baldige Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. Außerdem gingen in New
York die Gewinnmitnahmen bei den heißgelaufenen Technologiewerten
weiter. Aus Nahost blieben bahnbrechende Nachrichten weiterhin aus.
Vor dem Jobbericht auf Vortagsniveau liegend, konnte sich der
EuroStoxx 50 dem Gegenwind aus New York am Nachmittag
nicht entziehen. Der Leitindex der Eurozone schloss 0,68 Prozent
tiefer bei 6.062,07 Punkten. Auf Wochensicht hat er um 0,2 Prozent
zugelegt.
Außerhalb der Eurozone schlugen sich die wichtigsten Börsen am
Freitag wegen anderer Zusammensetzung besser. Der schweizerische SMI
legte um 0,35 Prozent auf 13.388,23 Punkte zu. Der
britische FTSE 100 stieg um 0,07 Prozent auf
10.368,05 Zähler.
Die Beschäftigtenzahl in den USA war im Mai mit 172.000 Stellen viel
stärker gestiegen als erwartet. "Erneut schüren stärker als erwartet
ausgefallene Arbeitsmarktdaten vor dem Hintergrund der steigenden
Inflation die Erwartung einer Zinserhöhung durch die Fed", schrieb
der Chefökonom James Knightley von der ING Bank. Er
erwartet diese noch vor Jahresende.
Zum Schlusslicht in der europäischen Branchentabelle wurde letztlich
der Rohstoffsektor , der mit minus 3,4 Prozent noch
etwas mehr verlor als der Sektorindex der Technologiewerte
, der den Gewinnmitnahmen an der New Yorker Nasdaq mit
einem Abschlag von 2,9 Prozent folgte. In den USA werden zuletzt vor
allem die heiß gelaufenen Chipwerte verkauft. Dies wirkte sich in
Europa auch sehr belastend auf Werte wie Infineon
oder STMicroelectronics aus.
Im EuroStoxx stand aber auch Adyen als Tech-Wert ganz
weit unten. Am Markt wurde der Kursrutsch um fast neun Prozent mit
einem kritischen Bericht des Research-Dienstes Cleveland Research zu
dem Zahlungsabwickler begründet. Darin soll es Händlern zufolge um
Aspekte wie Marktanteile und die Preisgestaltung gehen. Adyen wollte
den Bericht gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht
kommentieren.
Gewinne konnten Anleger unter anderem im Gesundheitssektor
einfahren, aus dem mit Argenx und Sanofi
im EuroStoxx zwei Top-Werte stammten. Auch Versorger,
Einzelhändler und Konsumgüterunternehmen waren in dem schlechten
Marktumfeld recht begehrt. Sie alle gelten als defensive
Anlagemöglichkeit in unruhigen Börsenzeiten. Als Händler profitierte
Inditex mit 1,7 Prozent Plus von einer
JPMorgan-Hochstufung.
In der Schweiz wurde die Börse im guten Sektorumfeld von
Kursgewinnen der Pharma-Schwergewichte gestützt, vor allem Novartis
war dort mit einem Anstieg um 1,9 Prozent gefragt. Im
Chemiebereich stiegen die Titel von Givaudan in
Zürich um 1,1 Prozent. Der Aromen- und Duftstoffhersteller übernimmt
eine Mehrheitsbeteiligung Eurofragance aus Spanien. Die Analysten
von JPMorgan lobten die Transaktion.
In London sorgten zwei Werte mit hohen Schwankungen für
Aufmerksamkeit: Der Kurs von Bodycote stürzte um 13
Prozent ab, nachdem der Finanzinvestor Apollo ein Übernahmeangebot
zurückzog. Die Aktien von Raspberry Pi dagegen
schossen um fast 28 Prozent hoch. Der Hersteller von Kleincomputern
überraschte die Anleger mit seinen Geschätszielen positiv./tih/stk