ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax erhält Auftrieb von KI-Fantasie in den USA
Mit Rückenwind von den US-Börsen hat sich der
deutsche Aktienmarkt am Dienstag etwas von den Verlusten zum
Wochenauftakt erholt. In New York sorgte das Thema Künstliche
Intelligenz (KI) weiter für Kauflaune. Der hiesige Leitindex Dax
schloss 0,48 Prozent im Plus bei 25.124,17 Punkten.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen
gewann 0,15 Prozent auf 32.947,80 Zähler.
"Viel bewegt sich nicht in diesen Tagen im Dax", schrieb Andreas
Lipkow, Chef-Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets. Ein Teil der
Anleger habe weiter gen USA geschaut sich von den beinahe täglichen
Indexrekorden anstecken lassen. Im Vergleich zu den US-Aktien sähen
deutsche Standardwerte relativ günstig aus. Der andere Teil hat sich
dem Experten zufolge in Anbetracht des drohenden Sommerlochs
zunehmend aus dem breiten Aktienmarkt zurückgezogen und sich
lediglich auf die Dauerbrenner der vergangenen Wochen aus den
Bereichen Künstliche Intelligenz und Halbleiter fokussiert.
Derweil "zerren das Tauziehen zwischen den USA und dem Iran in den
Friedensverhandlungen und das Hin und Her in der Nachrichtenlage
zunehmend an den Nerven der Anleger, die deshalb das Risiko etwas
herausnehmen", fuhr Lipkow fort. Nach Wochen stagnierender
Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA berichten iranische
Medien von einem Ende der Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien.
Seit mehreren Tagen fänden keine Gespräche mehr zwischen Teheran und
Washington statt, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars,
die den mächtigen Revolutionsgarden nahesteht. US-Präsident Donald
Trump hingegen hatte auf Truth Social betont, die Gespräche mit
Teheran würden in "schnellem Tempo" fortgeführt.
Die Aktien von Infineon setzten ihre KI-getriebene
Kursrally fort und erreichten den höchsten Stand seit 2000. Sie
kletterten an der Dax-Spitze um 9,5 Prozent nach oben. Der
niederländische Chipkonzern STMicro hatte sein
Umsatzziel für das Geschäft mit Rechenzentren verdoppelt. Bereits am
Vorabend hatte der Server- und Speicherlösungs-Spezialist Hewlett
Packard Enterprise wegen der starken Nachfrage nach
KI-Infrastruktur seine Umsatzziele deutlich angehoben, was den
Anteilscheinen im US-Handel einen Kurssprung bescherte.
Die Papiere von Bayer sackten auf das tiefste Niveau
seit Anfang Dezember ab und verloren knapp drei Prozent. Am Markt
nahmen die Sorgen um den Glyphosat-Vergleich in den USA laut
Börsianern zu, nachdem die Zuständigkeit für den Widerstand dagegen
vom Bundesgericht in Missouri zu einem anderen Bundesgericht im
Staat Kalifornien gewandert sei. Dort liege der Fall beim
Bundesrichter Vince Chhabria, einem ausgesprochenen Kritiker der
Vergleichsstrategie der Leverkusener, wie es von mehreren Brokern
hieß.
Die italienische Großbank Unicredit hat mit ihrer
Übernahmeofferte für die Commerzbank die wichtige
Marke von 30 Prozent der Anteile klar überschritten. Die
Commerzbank-Aktien gingen mit einem Plus von 0,5 Prozent aus dem
Handel. Indem Unicredit mit ihrem freiwilligen Übernahmeangebot die
30-Prozent-Schwelle überschreitet, vermeidet sie, ein deutlich
teureres Pflichtangebot für alle Commerzbank-Aktien abgeben zu
müssen.
Die Aktien von Salzgitter notierten als
MDax-Spitzenreiter gut sechs Prozent im Plus. Die Jahresziele des
Stahlkonzerns seien nach wie vor konservativ und die Gewinndynamik
nehme mit Blick auf 2027 noch Fahrt auf, schrieb Analyst Alain
Gabriel von der US-Investmentbank Morgan Stanley.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 1,21
Prozent auf 6.107,85 Punkte. In London hielten sich
die Gewinne in Grenzen, und der Züricher SMI
stagnierte. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial
legte zum europäischen Börsenschluss moderat zu./la/he