Aktien Frankfurt: Dax schüttelt Vortagesverlust ab - KI-Fantasie in USA stützt
Mit Rückenwind von weiteren Rekorden an den
US-Börsen hat sich der deutsche Aktienmarkt am Dienstag von den
Verlusten zum Wochenauftakt erholt. Der Dax notierte
gegen Mittag 0,9 Prozent im Plus bei 25.229 Punkten. Tags zuvor
hatte der Leitindex mit einer Tagesspanne von 400 Punkten erheblich
um die runde Marke von 25.000 Punkten geschwankt.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen
gewann am Dienstag 0,6 Prozent auf 33.095 Zähler. Für den
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,9
Prozent nach oben.
Die seit Wochen erhoffte nachhaltige Friedensvereinbarung zwischen
den USA und dem Iran lässt immer noch auf sich warten. Immerhin wird
aber weiter verhandelt, US-Präsident Trump sprach sogar von einem
"schnellen Tempo". Die Ölpreise gaben am Dienstag im frühen Handel
wieder etwas nach.
"Die Anleger hierzulande scheinen derzeit jede geopolitische
Nachricht vorsorglich auf die Goldwaage zu legen", bemerkte
Marktanalyst Timo Emden. Im Gegensatz zur Wall Street fehle dem
deutschen Aktienmarkt ein durchschlagendes Zukunftsthema. Während
jenseits des Atlantik die KI-Fantasie viele Anleger beinahe
elektrisiere und die Kurse vieler Technologiewerte antreibe,
überwiege diesseits die Skepsis, konstatierte der Experte.
Die Aktien von Infineon setzten ihre KI-getriebene
Kursrally fort und erreichten einen weiteren Höchststand seit dem
Jahr 2000. Sie kletterten an der Dax-Spitze um weitere 6,5 Prozent,
womit sich der Kursgewinn im laufenden Jahr bereits auf rund 127
Prozent summiert. Der niederländische Chipkonzern STMicro
hatte sein Umsatzziel für das Geschäft mit
Rechenzentren nach oben geschraubt.
Die Papiere von Bayer sackten auf das tiefste Niveau
seit Anfang Dezember ab und verloren als Dax-Schlusslicht 5,5
Prozent. Am Markt nehmen die Sorgen um den Glyphosat-Vergleich in
den USA laut Börsianern zu, nachdem die Zuständigkeit für den
Widerstand dagegen vom Bundesgericht in Missouri zu einem anderen
Bundesgericht im Staat Kalifornien gewandert sei. Dort liege der
Fall beim Bundesrichter Vince Chhabria, einem ausgesprochenen
Kritiker der Vergleichsstrategie der Leverkusener, wie es von
mehreren Brokern hieß.
Ansonsten sorgten zunächst vor allem Analystenkommentare für
Bewegung. So erklommen die Aktien von Salzgitter den
höchsten Stand seit mehr als 16 Jahren und notierten als
MDax-Spitzenreiter 4,1 Prozent im Plus. Zuvor hatte die
US-Investmentbank Morgan Stanley die Papiere des
Stahlkonzerns von "Equal-weight" auf "Overweight" hochgestuft. Die
Jahresziele von Salzgitter seinen nach wie vor konservativ und die
Gewinndynamik nehme mit Blick auf 2027 noch Fahrt auf, schrieb
Analyst Alain Gabriel.
Zudem gaben die Analysten von Kepler Cheuvreux eine Kaufempfehlung
für die Anteilsscheine der DHL Group ab. Die Papiere
der Bonner stiegen um 3,0 Prozent auf ein Hoch seit vier Jahren. Die
Anleger unterschätzten das Gewinnpotenzial im Expressgeschäft, hieß
es.
Zu den schwächeren Werten im Dax gehörten die Titel von Siemens
Energy mit minus 0,3 Prozent. Der
Energietechnikkonzern gab die Übernahme der nordirischen Camlin
Group bekannt. Das Technologieunternehmen, das auf die Überwachung,
Digitalisierung und Optimierung von kritischer Energie- und
Bahninfrastruktur spezialisiert ist, erwirtschaftete zuletzt einen
Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.
Die Aktien von Alzchem setzten sich mit plus 5,2
Prozent an die Spitze des SDax und auf den höchsten
Stand seit 2017. Im laufenden Jahr gewannen die Papiere des
Spezialchemie- und Sprengstoffherstellers damit 27 Prozent an Wert.
Der tschechische Rüstungskonzern CSG (Czechoslokav Group)
hat seinen Anteil an Alzchem direkt und indirekt auf
insgesamt 20,1 Prozent ausgebaut./edh/stk