Aktien Europa: Verluste überwiegen - Easyjet profitiert von Übernahmeinteresse
Europas Aktienmärkten fehlt es zu
Wochenbeginn weiter an Schwung. Aus den mit Spannung verfolgten
Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung des
Iran-Kriegs gab es keine Neuigkeiten. Auch die nach den jüngsten
Rekorden freundlich erwarteten US-Indizes gaben keinen positiven
Impuls.
Gegen Mittag stand der EuroStoxx 50 0,04 Prozent
höher bei 6.053 Punkten. Am Freitag hatte der Leitindex der Eurozone
knapp im Minus geschlossen. Für den Mai, der nicht gerade als guter
Börsenmonat gilt, verbuchte er aber einen Anstieg um 2,9 Prozent.
Der Londoner FTSE 100 sank am Montag um 0,22 Prozent
auf 10.387 Punkte. Für den Züricher SMI ging es um
0,79 Prozent auf 13.435 Punkte bergab. Er hatte im Gegensatz zu den
anderen beiden Indizes vor dem Wochenende zugelegt.
Im marktbreiten Stoxx Europe 600 schnitten die Aktien
von Öl- und Gaskonzernen dank wieder anziehender
Ölpreise am besten ab. Gefragt waren auch die Anteilsscheine von
Technologie- , Telekom- und
Rohstofffirmen .
Dagegen zählten neben Medientiteln die als defensiv
geltenden Gesundheits- sowie Lebensmittel- und
Getränkehersteller zu den Verlierern.
Aus dem schwächelnden Reise- und Freizeitsektor ragte
Easyjet mit einem Kurssprung von gut 9 Prozent
heraus. Die US-Investmentgesellschaft Castlelake hatte am
Freitagabend bestätigt, dass sie sich in einem frühen Stadium von
Überlegungen zur Abgabe eines Kaufgebots für die Billigfluglinie
befindet. Zuvor hatte die britische Webseite "Betaville" darüber
berichtet, was den Aktien aber nur kurz Auftrieb gegeben hatte. Nach
Aussage beider Seiten haben bisher noch keine Gespräche
stattgefunden.
Castlelake sei angesichts seiner Historie im europäischen
Airline-Sektor ein glaubwürdiger Interessent, kommentierte Analyst
Harry Gowers von der US-Bank JPMorgan. Die seit Jahren schwächere
Kursentwicklung im Vergleich zu Konkurrentin Ryanair
werfe Fragen über die Unternehmensstrategie auf. Ähnlich wie
RBC-Experte Ruairi Cullinane macht Gowers aber in der
Eigentümerstruktur und der Frage europäischer Betriebsrechte von
Easyjet Stolpersteine für Castlelake als US-Unternehmen aus. In der
Branche sieht Cullinane Konkurrentin Jet2 wegen ihrer
im Vergleich günstigsten Bewertung als mögliches weiteres
Übernahmeziel. Deren Aktien verteuerten sich um 3 Prozent.
Die Anteile von Schneider Electric knackten mit einem
Kursplus von 3,1 Prozent auf 278,40 Euro ihren Korrekturtrend seit
dem Rekord vor fast einem Monat. Damals hatten die Papiere des
Technologiekonzerns 287,90 Euro gekostet. Goldman-Analystin Daniela
Costa verwies auf die bis zu 75 Milliarden Euro schwere Kooperation
mit der japanischen Softbank Group beim Aufbau von
KI-Rechenzentren in Frankreich. Bei erster grober Rechnung
entspreche der Deal 3 bis 4 Prozent des Konzerngewinns der
Franzosen, die 2025 rund 30 Prozent ihrer Umsätze mit Rechenzentren
erzielt hätten.
Dagegen mussten die Aktionäre von Universal Music am
Montag einen Kursrückgang von 2,8 Prozent auf knapp 19 Euro
verkraften. Der Musikkonzern lehnt die Kaufofferte der vom
US-Investor Bill Ackman geführten Pershing Square Capital
als zu niedrig ab. Dieser hatte 56 Milliarden Euro
geboten, was insgesamt 30,40 Euro je Universal-Aktie entspricht. Die
Aktien waren daraufhin bis auf 21,25 Euro gestiegen und notieren
trotz des seitherigen Rückgangs noch über ihrem Niveau von vor der
Offerte.
Für die Titel von Novartis ging es im schwachen
Branchenumfeld um 1,5 Prozent bergab. Dass der Schweizer
Pharmakonzern auf dem Krebskongress ASCO positive Daten zu seinem
Prostatakrebs-Medikament Pluvicto vorstellte, half dem Aktienkurs
nicht./gl/jha/Ž