ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax gibt nach - Hoffnungsschimmer aus Nahost
Der deutsche Aktienmarkt hat sich am
Donnerstag uneinheitlich entwickelt. Während die Standardwerte im
Dax nachgaben, ging es für die Papiere aus der
zweiten und dritten Reihe nach oben. Im späten Handel kam es bei
sämtlichen Indizes zu einer moderaten Aufwärtsbewegung, nachdem die
US-Nachrichtenwebsite "Axios" gemeldet hatte, dass sich
US-amerikanische und iranische Unterhändler auf eine 60-tägige
Absichtserklärung zur Verlängerung des Waffenstillstands im Nahen
Osten geeinigt haben. Auch die Verhandlungen über das iranische
Atomprogramm sollten beginnen, so Axios, wobei hinzugefügt wurde,
dass Präsident Trump noch seine endgültige Zustimmung geben müsse.
Der deutsche Leitindex, der vor der Nachricht rund 0,7 Prozent im
Minus gelegen hatte, drehte kurzzeitig ins Plus, bröckelte aber
wieder ab und schloss 0,34 Prozent tiefer bei 25.092,25 Punkten. Der
MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen verließ
nach der Axios-Meldung die Minuszone und endete mit einem Gewinn von
0,70 Prozent bei 33.239,89 Zählern. Der Nebenwerte-Index SDax
setzte seinen Rekordkurs fort und legte letztlich um
0,85 Prozent zu.
Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst CMC Markets, sprach von einem
kleinen Freudensprung des Dax, gab aber zu bedenken, wie oft schon
ein Kompromiss in Aussicht gestellt worden sei und bislang stets in
Enttäuschungen geendet habe. "...erst wenn die Unterschrift trocken
ist, kann man über eine Neupositionierung am Aktienmarkt
nachdenken", so Lipkow.
Über weite Strecken des Handels hatte die sich wieder verschärfende
Auseinandersetzung im Nahen Osten die Kurse belastet. Das US-Militär
hatte in der Nacht zu Donnerstag einen Bereich des Flughafens in der
Hafenstadt Bandar Abbas im Süden des Landes attackiert, wie
iranische Medien berichteten. Zudem wurden bei israelischen
Angriffen im Libanon nach staatlichen Angaben erneut mehrere
Menschen getötet.
Gefragt waren vor diesem Hintergrund die Aktien von Unternehmen aus
dem Rüstungsbereich. Im Dax gehörten die Papiere von Rheinmetall
mit einem Plus von 4,2 Prozent zu den Top-Werten.
Damit setzten sie ihre Erholung vom Mitte Mai erreichten tiefsten
Stand seit April vergangenen Jahres fort. Der Konzern vermeldete
einen Auftrag für mehr als 2.000 militärische Transportfahrzeuge im
Wert von rund einer Milliarde Euro. Für 2026 steht beim einstigen
Überflieger aber immer noch ein Kursrückgang von fast 18 Prozent zu
Buche.
Die Titel der Rüstungsunternehmen TKMS , Renk
und Hensoldt verzeichneten
Kursaufschläge zwischen 5,4 und 6,9 Prozent. Die Titel des
Spezialchemiekonzerns und Sprengstoffherstellers Alzchem
gewannen 6,8 Prozent.
Die Anteilscheine des Halbleiterkonzerns Infineon
standen mit einem Kursplus von 4,4 Prozent an der Dax-Spitze. Die
seit Wochen starken Aktien erreichten damit den höchsten Stand seit
dem Jahr 2000. Die Analysten von Deutsche Bank Research und Morgan
Stanley schraubten ihre Kursziele deutlich nach oben.
Dagegen ging es für Bayer um 0,7 Prozent bergab. Hier
belastete ein Bericht über eine Klage des US-Saatgutunternehmens
Latham. Es wirft dem Agrarchemie- und Pharmariesen demnach vor,
wettbewerbswidrige Praktiken angewendet zu haben, um den US-Markt
für gentechnisch verändertes Maissaatgut zu monopolisieren.
Zu den Verlierern im MDax zählten Delivery Hero . Die
Aktien des Essenlieferdienstes büßten 0,9 Prozent ein, obwohl der
US-Fahrdienstvermittler Uber seine Beteiligung
deutlich aufgestockt hat. Der direkte Anteil ist demnach von 19,5
auf 24,99 Prozent gestiegen. Weitere fast 12 Prozent hält Uber
indirekt über Finanzinstrumente. Vor diesem Hintergrund sei es
unklar, ob und wann Uber durch die Erhöhung der Stimmrechte zu einem
offiziellen Übernahmeangebot verpflichtet werde, schrieb
Citigroup-Analystin Monique Pollard. Nach deutschem Recht wäre dies
eigentlich beim Erreichen der 30-Prozent-Schwelle der Fall./edh/he