Aktien Frankfurt: Dax weitet Verlust etwas aus - Waffenruhe im Iran-Krieg fragil
Die sich wieder verschärfende
Auseinandersetzung im Nahen Osten hat den Dax am
Donnerstag nicht übermäßig beeindruckt. "Die Anleger in Frankfurt
bleiben mit Blick auf Nahost in Lauerstellung und bauen trotz der
wieder aufflackernden Angriffe auf ein konstruktives
Verhandlungsergebnis", kommentierte Andreas Lipkow,
Chef-Marktanalyst CMC Markets.
Allerdings weitete der deutsche Leitindex im Zuge deutlich
steigender Ölpreise sein Minus mit 25.030 Punkten am frühen
Nachmittag auf 0,59 Prozent aus. Damit steuert er auf den dritten
Verlusttag in Folge zu. Das Rekordhoch bei 25.507 Punkten, zu dem
ihm am Montag zeitweise nur noch rund 70 Punkte gefehlt hatten,
rückte so noch etwas weiter in die Ferne.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen
verlor zuletzt 0,15 Prozent auf 32.961 Punkte, während der 0,4
Prozent festere Nebenwerte-Index SDax seine
Rekordjagd fortsetzte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um 0,5 Prozent nach unten. An den gut
gelaufenen New Yorker Börsen zeichne sich nach dem durchwachsenen
Mittwoch ebenfalls Verluste ab.
Das US-Militär hatte in der Nacht zu Donnerstag einen Bereich des
Flughafens in der Hafenstadt Bandar Abbas im Landessüden attackiert,
wie iranische Medien berichteten. Sechs Drohnen wurden nach
US-Angaben abgeschossen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim
zitierte eine Militärquelle, wonach mehrere Schiffe die Meerenge mit
abgeschaltetem Radarsystem passieren wollten. Warnschüsse der
Revolutionsgarden hätten zwei Schiffe zum Umkehren gezwungen und die
US-Angriffe ausgelöst. In Reaktion auf diese habe man die
US-Luftwaffenbasis attackiert, von der die Schläge ausgegangen
seien. Zudem wurden bei israelischen Angriffen im Libanon nach
staatlichen Angaben erneut mehrere Menschen getötet.
Gefragt waren vor diesem Hintergrund die Aktien von Unternehmen aus
dem Rüstungsbereich. Im Dax führte Rheinmetall mit
einem Plus von 3,5 Prozent die Gewinnerliste an. Damit setzten die
Aktien ihre Erholung vom Mitte Mai markierten Tief seit April
vergangenen Jahres fort. Der Konzern vermeldete einen Auftrag für
mehr als 2.000 militärische Transportfahrzeuge im Wert von rund
einer Milliarde Euro. Für 2026 steht beim einstigen Überflieger
indes immer noch ein Kursrückgang von gut 17 Prozent zu Buche.
Die Branchenkollegen TKMS , Renk
Hensoldt und der Spezialchemiekonzern Alzchem
aus der zweiten und dritten deutschen Börsenreihe
stießen am Donnerstag ebenfalls auf großes Kaufinteresse. Hier
standen Gewinne von bis zu 7,5 Prozent zu Buche. Sie haben sich seit
Jahresbeginn allesamt besser als Rheinmetall geschlagen.
Der Halbleiterkonzern Infineon erzielte ein Kursplus
von 2,4 Prozent auf 78,56 Euro. Die seit Wochen starken Aktien
blieben nur knapp unter ihrem am Vortag erreichten Hoch seit dem
Jahr 2000, bevor Gewinnmitnahmen eingesetzt hatten. Nun schraubten
sowohl Deutsche Bank Research als auch die US-Bank Morgan Stanley
ihre Kursziele mit 90 beziehungsweise 91 Euro deutlich nach oben.
Dagegen ging es für Bayer um 2,2 Prozent bergab. Hier
belastete ein Bericht über eine Klage des US-Saatgutunternehmens
Latham. Es wirft dem Agrarchemie- und Pharmariesen demnach vor,
wettbewerbswidrige Praktiken angewendet zu haben, um den US-Markt
für gentechnisch verändertes Maissaatgut zu monopolisieren.
Zu den größten Verlierern im MDax zählte Delivery Hero
. Die Aktien des Essenslieferdienstes büßten 3,3
Prozent ein, obwohl der US-Fahrdienstvermittler Uber
seine Beteiligung deutlich aufgestockt hat. Der direkte Anteil ist
demnach von 19,5 auf 24,99 Prozent gestiegen. Weitere fast 12
Prozent hält Uber indirekt über Finanzinstrumente.
Vor diesem Hintergrund sei es unklar, ob und wann Uber durch die
Erhöhung der Stimmrechte zu einem offiziellen Übernahmeangebot
verpflichtet werde, schrieb Citigroup-Analystin Monique Pollard.
Nach deutschem Recht wäre dies eigentlich beim Erreichen der
30-Prozent-Schwelle der Fall. Dass die Nachrichten die Aktien nicht
weiter antreiben würden, hatte Pollard angesichts der
Kursverdoppelung seit ersten Berichten über die Uber-Absichten vor
knapp drei Wochen schon erwartet./gl/jha/