ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Angriffe in Straße von Hormus bremsen kaum
Die sich wieder verschärfende
Auseinandersetzung im Nahen Osten hat den Dax am
Donnerstag wenig beeindruckt. Trotz wieder anziehender Ölpreise
verlor der vorbörslich noch schwächere deutsche Leitindex eine
Stunde nach Handelsbeginn lediglich 0,03 Prozent auf 25.172 Punkte.
Damit bleibt das Rekordhoch bei 25.507 Punkten, dem er sich zuletzt
genähert hatte, in Sichtweite.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen trat
mit 33.011 Punkten auf der Stelle. Dem Nebenwerte-Index SDax
reichte ein moderates Plus für die Fortsetzung seiner
Rekordjagd. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um 0,3 Prozent nach unten.
Dass das US-Militär nahe der Straße von Hormus eine iranische
Stellung angegriffen hat, von der aus Drohnen gesteuert wurden,
konnte die Anleger nicht von ihren Hoffnungen auf eine
Verhandlungslösung abbringen. Zudem seien vier Drohnen abgeschossen
worden, die eine Bedrohung für die USA darstellten, erklärte ein
US-Beamter. "Diese Maßnahmen waren zurückhaltend, rein defensiv und
darauf ausgerichtet, die Waffenruhe aufrechtzuerhalten", hieß es
weiter.
"Bomben statt weißer Rauch", titelten indes die Commerzbank-Experten
in einem Marktkommentar. "Am Ende der vergangenen Woche sah es noch
so aus, als könnte ein Deal mit dem Iran gar nicht schnell genug
kommen. In den letzten Tagen hat sich (wie so oft) aber wieder
einmal die Stimmung gedreht", schrieb Analyst Michael Pfister. Die
Unsicherheit wirkte sich auch an den Börsen in Asien aus, wo am
Donnerstag vor allem die Kurse in Hongkong und Sydney litten.
Im Dax schaffte der Halbleiterkonzern Infineon ein
Kursplus von 2,2 Prozent auf 78,43 Euro. Die Aktien blieben nur
knapp unter ihrem vortags erreichten Hoch seit dem Jahr 2000, bevor
Gewinnmitnahmen eingesetzt hatten. Nun schraubten sowohl Deutsche
Bank Research als auch die US-Bank Morgan Stanley ihre Kursziele mit
90 beziehungsweise 91 Euro deutlich nach oben.
Auch Rüstungstitel waren wieder gefragt: Im Leitindex ging es für
Spitzenreiter Rheinmetall um 4 Prozent hoch, während
die Branchenkollegen TKMS , Renk und
Hensoldt aus dem MDax Kursgewinne von bis zu 8,7
Prozent erzielten.
Dagegen ging es für Bayer um 1,9 Prozent bergab. Hier
belastete eine Klage des US-Saatgutunternehmens Latham. Es wirft dem
Agrarchemie- und Pharmariesen vor, wettbewerbswidrige Praktiken
angewendet zu haben, um den US-Markt für gentechnisch verändertes
Maissaatgut zu monopolisieren.
Zu den größten Verlierern im MDax zählte Delivery Hero
. Die Aktien des Essenslieferdienstes büßten 4,1
Prozent auf 37,73 Euro ein, obwohl der US-Fahrdienstvermittler Uber
seine Beteiligung deutlich aufgestockt hat. Der
direkte Anteil ist demnach von 19,5 auf 24,99 Prozent gestiegen.
Weitere fast 12 Prozent hält Uber indirekt über Finanzinstrumente.
Vor diesem Hintergrund sei es unklar, ob und wann Uber durch die
Erhöhung der Stimmrechte zu einem offiziellen Übernahmeangebot
verpflichtet werde, schrieb Citigroup-Analystin Monique Pollard.
Nach deutschem Recht wäre dies eigentlich beim Erreichen der
30-Prozent-Schwelle der Fall. Dass die neuen Nachrichten die Aktien
nicht weiter antreiben würden, hatte Pollard angesichts der
Kursverdoppelung seit ersten Berichten über die Uber-Absichten vor
knapp drei Wochen schon erwartet.
Die Titel des Softwarekonzerns SAP gewannen nach
Branchennachrichten aus den USA 1,2 Prozent. Am Mittwoch nach
Börsenschluss in New York hatte Konkurrent Salesforce
mit seinem Umsatzausblick auf das laufende Quartal enttäuscht.
Dagegen stieß die angehobene Jahresumsatzprognose von Snowflake
bei den Anlegern auf Begeisterung. Der
Clouddienste-Anbieter unterschrieb zudem eine sechs Milliarden
US-Dollar schwere Vereinbarung mit Amazon zur Nutzung
von dessen Cloud-Plattform AWS./gl/stk