Berichte über "Alibi-Zulassungen" bei KTM-Enduro-Motorrädern / In der Szene ein offenes Geheimnis - KTM: Im Einklang mit europäischen Vorschriften
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Internationale und heimische Medien berichten über "Alibi-Zulassungen" bei KTM-Enduro-Motorrädern. In der Szene gilt das Vorgehen als offenes Geheimnis. Es geht um PS und Abgaswerte. Der kriselnde österreichische Motorradbauer verkaufe Bikes mit einer Zulassung, die nicht für den eigentlichen Einsatz gedacht sei, so ORF und "Der Standard". Händler vermarkteten dabei einen Umbau, mit dem das Motorrad nicht zugelassen werden dürfe. KTM sehe die Verantwortung bei den Käufern.
Ein großer Teil der Tausenden zugelassenen KTM-Enduro-Motorräder dürfe nicht straßentauglich und dennoch dort unterwegs sein, so Medien wie auch ZDF, "Le Monde", "Der Spiegel" und "El Pais". Die Kunden der Oberösterreicher gingen ein großes finanzielles und rechtliches Risiko ein. Für das Pickerl wird die Drosselung von den Nutzern meist zurückgebaut, zeigen Einträge in Onlineforen laut Berichten.
KTM: Missverständnis
KTM wies in einer Presseaussendung Mittwochfrüh "die in aktuellen Medienberichten erhobenen Vorwürfe, KTM würde illegale Motorräder in Verkehr bringen, entschieden zurück". Die KTM-Gruppe verkaufe ihre Motorräder ausschließlich im Einklang mit den geltenden europäischen Vorschriften. Die Berichterstattung beruhe auf einem fundamentalen Missverständnis: Enduro-Modelle seien im Kern Sportgeräte, die aber in einem straßenzulassungsfähigen, homologierten Zustand ausgeliefert werden, sodass sie auch auf öffentlichen Straßen gefahren werden dürften. Das sei auch nach den Regularien des Motorrad-Weltverbands FIM Voraussetzung, damit die Maschinen an offiziellen Wettbewerben teilnehmen können.
Auf Kundenwunsch könnten die straßentauglich beim Händler erworbenen Motorräder für den Wettbewerbs- und Geländeeinsatz konfiguriert werden. "Käufer unserer Enduro-Maschinen werden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Straßenzulassung mit dem Umbau für den Wettbewerb erlischt und das Fahrzeug nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr verwendet werden darf", schrieb KTM.
"Gedrosselt zerreißt es sie"
"Wenn ich die gedrosselt fahre, dann zerreißt es sie nach 20 Kilometern. Die ist nicht darauf ausgelegt", sagt ein Verkäufer des KTM-Händlers im Osten Österreichs laut ORF. Offiziell kaufe man dem Bericht zufolge ein Motorrad, das so niemand fahren wolle. Der Händler biete an, es umzubauen, der Hersteller KTM liefere den Umbausatz gleich mit. Auf dem Papier handle es sich um eine gedrosselte Maschine, tatsächlich habe sie volle Kraft. Sie so anzumelden sei illegal, gemacht werde es dennoch.
Eine "Alibi-Straßenzulassung" bei der aus 15 PS 50 werden nennt das der Verkäufer. Das für die Szene offene Geheimnis aus Österreich bestätigten auch Händler in sieben anderen europäischen Ländern. Sie alle belegten: KTM-Händler in ganz Europa verkauften umgebaute Offroad-Motorräder, die die Kunden in illegalem Zustand mit nach Hause nehmen würden - inklusive dann falscher Zulassungspapiere. Die Recherche wurde von Medien in zehn Ländern durchgeführt, darunter, koordiniert von der Whistleblowerschutz-Organisation Climate Whistleblowers.
Die Fahrer dieser Maschinen riskieren dennoch viel, wenn sie auffliegen. Es drohen hohe Verwaltungsstrafen, der Führerscheinentzug und sogar strafrechtliche Verurteilungen. Ermittlungen wegen Versicherungsbetrugs seien etwa möglich, meinte der Chefjurist des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), Armin Kaltenegger, dem ORF. Auch der Händler könnte strafrechtlich belangt werden, wenn er nicht deutlich darauf hinweist, dass eine umgebaute Enduro nicht zugelassen werden darf.
Wettbewerbsrechtliche Konsequenzen für KTM?
Für KTM könnten wettbewerbsrechtliche Konsequenzen drohen. "Ich habe dadurch natürlich Wettbewerbsvorteile, wenn ich etwas anbiete, das andere, die legal handeln, nicht anbieten", so KFV-Jurist Kaltenegger. Laut KTM handle es sich bei den Auslieferungsusancen "weder um eine KTM-Besonderheit, noch um einen Vorgang der KTM gegenüber dem Wettbewerb einen unzulässigen Vorteil verschaffen würde".
In Österreich waren 2025 laut Statistik Austria rund 11.000 Enduros von KTM und den Schwestermarken Gasgas und Husqvarna zugelassen. Wie viele davon nicht gedrosselt sind, lasse sich laut ORF zwar nicht genau sagen, die Recherchen legten aber nahe, dass es "sehr viele" seien. Die Grünen forderten in einer Aussendung am Dienstagabend eine lückenlose Aufklärung des "Abgasskandals auf zwei Rädern".
KTM erklärte, dass die in Europa vertriebenen Enduro-Modelle rund 3 Prozent des weltweiten KTM-Absatzes entsprächen. Zur Einordnung der Emissionsfragen zog KTM Deutschland heran, dort würden Motorräder laut Umweltbundesamt rund 0,3 Prozent der CO2-Gesamtemissionen verursachen und Enduro-Wettbewerbsmodelle nur einen geringen Bruchteil davon darstellen. Sie würden nur wenige Stunden im Jahr im Sport- und Trainingsbetrieb eingesetzt.
phs/inn
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