ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax knickt ein - Nahost-Lage fragil
Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag
seiner jüngsten Kursrally Tribut gezollt. Angesichts der wieder
angespannteren Lage im Iran-Krieg hielten sich die Gewinnmitnahmen
aber in Grenzen. Allerdings "wachsen schon wieder die Zweifel, ob es
tatsächlich zeitnah zu einer schnellen und reibungslosen Einigung
zwischen den Kriegsparteien kommen kann", warnte Andreas Lipkow,
Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Und für die Experten von
Index-Radar "bleibt der fundamentale Nährboden dieser Rally fragil".
Der Dax schloss 0,80 Prozent tiefer bei 25.184,89
Punkten. Am Pfingstmontag hatte der Leitindex dank der anhaltenden
Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs wieder die
25.000-Punkte-Marke geknackt und war zeitweise bis auf 25.438 Punkte
und damit nahe an das Rekordhoch vom Januar bei 25.507 Punkten
geklettert. Für den MDax , der die mittelgroßen
Börsenunternehmen enthält, ging es am Dienstag letztlich um 0,33
Prozent auf 32.698,65 Punkte bergab.
Belastung kam von den gestiegenen Ölpreisen, die am Dienstag einen
Teil der jüngsten Verluste wieder wettmachten. US-Militärschläge
gegen iranische Raketenstellungen und Boote trotz der Waffenruhe
dämpften Hoffnungen auf ein Abkommen zum Ende des Iran-Kriegs sowie
zur Öffnung der Straße von Hormus und sorgten für Preisauftrieb am
Ölmarkt.
Beim Dax-Konzern Merck mussten die Anleger nach der
jüngsten Erholung einen Rückgang von 1,3 Prozent auf 128,35 Euro
verkraften. In der Einordnung des Bewertungsniveaus herrscht
Unstimmigkeit zwischen Experten. Während James Vane-Tempest von der
Investmentbank Jefferies die Aktien jetzt beim Kursziel von 129 Euro
neu mit "Hold" einstuft, hält sie JPMorgan-Analyst-Richard Vosser
immer noch für unterbewertet.
Für Wacker Chemie bedeutete ein Kursrückgang von 2,1
Prozent auf 98,55 Euro einen der hinteren MDax-Plätze. Die Schweizer
Großbank UBS erhöhte zwar das Kursziel von 84 auf 104 Euro, stufte
die zuletzt stark erholten Aktien aber von "Buy" auf "Neutral" ab.
Der weitere Spielraum sei begrenzt, begründete Christian Bell seine
Neubewertung. Die Berechenbarkeit des Timings und Ausmaßes einer
weiteren Gewinnerholung sei schwierig und die Aktien seien vor
diesem Hintergrund zunächst fair bewertet.
Dass Jefferies das Kursziel für Grand City Properties
deutlich senkte und die bisherige Kaufempfehlung strich, brockte den
Aktien des Immobilienunternehmens ein Minus von 1,8 Prozent ein.
Branchenexperte Pierre-Emmanuel Clouard sieht bei einigen
europäischen Immobilienwerten attraktive Einstiegschancen. Bei Grand
City monierte er aber die geringe Aktienliquidität nach der
Anteilsaufstockung durch Großaktionär Aroundtown
sowie einen anhaltenden Ergebnisdruck./edh/jha/