Wiener Börse (Mittag) - ATX kokettiert wieder mit 6.000-Punkte-Marke / Gute Asienvorgaben und Iran-Hoffnungen stützen - AT&S ziehen in Rekordrally an
Am Wiener Aktienmarkt haben die Anleger vor dem Wochenende noch einmal zugegriffen. Insbesondere AT&S fielen einmal mehr mit deutlichen Kurszuwächsen auf. Der ATX stieg am Freitag bis zu Mittag um 1,42 Prozent auf 5.994,53 Punkte. Er bewegte sich damit wieder in Griffweite der runden Marke von 6.000 Punkten, die er vor gut zwei Wochen erstmals kurz überwunden hatte. Auf Wochensicht deutet sich für den Leitindex ein Gewinn von 2,3 Prozent an.
Für den ATX Prime ging es um 1,35 Prozent auf 2.962,91 Zähler hinauf. Auch das europäische Börsenumfeld startete nach guten Asien-Vorgaben mit Zuwächsen in den Wochenausklang.
Die Ölpreise als Gradmesser für die Inflations- und Zinssorgen am Markt legten am Vormittag zu, blieben aber unter dem Niveau aus der ersten Wochenhälfte. Zwischen dem Iran und den USA gibt es einem hochrangigen Insider zufolge bisher keine Einigung, berichtete Reuters. Jedoch hätten sich die Differenzen verringert.
Konjunkturseitig brachte das ifo-Geschäftsklima für Deutschland mit einer überraschenden Stimmungsaufhellung gute Nachrichten. Ökonom Marc Schattenberg von der Deutschen Bank sprach von einer willkommenen Stabilisierung auf niedrigem Niveau.
Mit Blick auf die erholten europäischen Aktienmärkte hätten die nachlassenden Sorgen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt geholfen, schrieb Marktstratege Matthew Gilman von der UBS. Jedoch würde die Entwicklung über eine geopolitisch bedingte Erholungsrally hinausgehen: "Wichtiger ist, dass sich das Gewinnumfeld aufhellt, da die strukturellen Wachstumstreiber robust bleiben und unserer Einschätzung nach zunehmend durch eine zyklische Verbesserung zusätzlich gestützt werden." Der Experte bevorzugt dabei unter anderem zyklische Werte, die sich mit säkularen Wachstumstreibern überschneiden. Dazu zählen etwa IT-Aktien mit Exposure zu KI-Investitionen und auch Aktien die von deutschen Fiskalpaketen profitieren könnten.
Mit Blick auf die heimischen Einzelwerte blieb die Meldungslage vor dem Wochenende dünn, wobei Analystenstudien Akzente setzen konnten. An die ATX-Spitze kletterten einmal mehr die AT&S-Aktien, die mit einem Aufschlag von gut zehn Prozent auf 129,00 Euro ihre Rekordrally fortsetzten. Neben einer allgemein guten Branchenstimmung in Halbleiterwerten sorgten auch Kurszielanhebungen für neue Zuversicht.
So hob Deutsche Bank Research ihr Ziel für die AT&S-Aktien weiter von 100 auf 120 Euro an. Analyst George Brown bewertete den Ausblick der Steirer trotz angehobener Margenziele als "konservativ" und blieb bei seiner Kaufempfehlung. Ferner hob Oddo BHF ihr Kursziel für die Titel von 40 auf 75 Euro kräftig an, stufte die Titel jedoch auf "Underperform" ein.
Weit oben im ATX tendierten auch Strabag mit plus 2,6 Prozent auf 89,70 Euro. Die Erste Group stufte ihre Empfehlung von "Accumulate" auf "Buy" hoch. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des ersten Quartals 2026 erhöhten die Experten auch das Kursziel von 108,90 auf 109,50 Euro. Analyst Michael Marschallinger sieht im rekordhohen Auftragsbestand des Baukonzerns das wichtigste "Highlight".
Gesucht waren zudem die zyklischen Bank- und Industrieaktien, wobei voestalpine und RBI zwei respektive 2,8 Prozent gewannen. Klare Kursverluste verzeichneten lediglich Verbund mit minus 1,9 Prozent.
spa/rst
ISIN AT0000999982