Österreichische Staatsanleihen im Späthandel mit Verlusten / Hohe Ölpreise heizen Inflationserwartungen an - EZB will bis zur Zinsentscheidung im Juni noch abwarten
Österreichische Bundesanleihen haben am Montag im Späthandel nachgegeben. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen österreichischen Benchmark-Anleihe stieg im Gegenzug zuletzt um 3 Basispunkte auf 3,28 Prozent. Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Anleihe betrug 25 Basispunkte. Auch deutsche Staatsanleihen gaben nach. Der Euro-Bund-Future fiel um 0,29 Prozent auf 125,36 Punkte.
Die Anleihen werden von den hohen Ölpreisen belastet, da sie die Inflationserwartungen anheizen. Der Anstieg der Ölpreise resultiert aus den ausbleibenden Fortschritten bei den Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs. Über das Wochenende haben Iran und USA sogar ihre jüngsten Vorschläge gegenseitig zurückgewiesen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die jüngste Antwort des Iran als "völlig inakzeptabel" und sprach weitere Drohungen gegen die Islamische Republik aus. Der Iran zeigte sich davon unbeeindruckt und stellte seinerseits Forderungen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will den Krieg so lange fortführen, bis wichtige Fragen zum iranischen Atomprogramm geklärt sind.
Der scheidende Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Luis de Guindos, will vor der Entscheidung über eine mögliche Zinserhöhung trotz der gestiegenen Inflationserwartungen nach dem Ölpreisschock zunächst mehr Daten abwarten. In einem Interview mit der "Financial Times" sagte er, er wolle der Zinsentscheidung im Juni nicht vorgreifen. Vielmehr sprach er sich dafür aus, die Konjunkturdaten der kommenden Wochen und die weitere Entwicklung im Iran-Krieg abzuwarten.
Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Volkswirte erwarten für das laufende Jahr noch zwei Zinserhöhungen um je einen Viertelprozentpunkt. Am ehesten werden diese Schritte für Juni und September erwartet. Die Befragung fand zwischen 4. und 7. Mai statt. Vor einem Monat lag die Erwartung noch bei lediglich einem Zinsschritt 2026. Auslöser der veränderten Einschätzung sind höhere Inflation und gedämpfte Wachstumserwartungen. Aber zuletzt hatte es auch aus der EZB entsprechende Aussagen gegeben. Österreichs Nationalbankgouverneur Martin Kocher sagte in einem Interview mit der Schweizer "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ), bei ausbleibender Entspannung der Inflation werde die EZB nicht um eine Zinserhöhung in nächster Zeit herumkommen.
Renditen ausgewählter österreichischer Benchmark-Anleihen:
Laufzeit Aktuell Vortag Veränderung Spread (in Basispunkten) 2 Jahre 2,61 2,56 0,05 -3 5 Jahre 2,85 2,81 0,04 10 10 Jahre 3,28 3,25 0,03 25 30 Jahre 3,82 3,81 0,01 26
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