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ROUNDUP/Vor Trump-Besuch: Chinas Exporte überraschen trotz Iran-Lage

Chinas Außenhandel hat im April trotz des laufenden Iran-Konflikts und der Belastungen für die Weltwirtschaft mit deutlich gestiegenen Exporten und Importen überrascht. Wie die Zollbehörde in Peking mitteilte, stieg der Wert der Ausfuhren in US-Dollar berechnet um 14,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Importe legten demnach um 25,3 Prozent zu. Unterm Strich blieb ein Handelsüberschuss von 84,82 Milliarden Dollar (knapp 72 Milliarden Euro).

Analysten hatten vorab mit einem Exportwachstum von 6,5 Prozent gerechnet, nachdem im Vormonat nur ein Zuwachs von 2,5 Prozent zu Buche gestanden hatte. Für die Importe hatten die Experten ein Plus von 20,4 Prozent erwartet.

Chinas Ölgeschäfte mit Iran

Global sorgen die anhaltenden Spannungen in Nahost und die unsichere Lage in für die Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus für Verunsicherung. China gilt als Hauptkäufer iranischen Öls und wichtiger Unterstützer des mit internationalen Sanktionen belegten Landes.

Allerdings bezieht Peking Öl aus vielen Staaten und hat Reserven. Der Iran machte 2025 laut Schätzungen ungefähr 13 Prozent der chinesischen Öl-Importe aus. Der Iran-Konflikt könnte sich jedoch auf Chinas exportgetriebene Wirtschaft auswirken, wenn die Folgen des hohen Ölpreises langfristig auf die globale Nachfrage drücken.

Trump will nach Peking

Der Veröffentlichungstermin der jüngsten Handelsdaten Chinas fällt just in den Vorlauf des geplanten Peking-Besuchs von US-Präsident Donald Trump in der kommenden Woche. China bestätigte die Reise bislang nicht. Der Handel mit den USA stieg im April. China exportierte im Vorjahresvergleich 11,3 Prozent mehr in die Vereinigten Staaten und importierte 9 Prozent mehr von dort.

Noch vor einem Jahr war im April 2025 der Zollstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt eskaliert und hatte den bilateralen Handel massiv beeinträchtigt. Peking hatte sich mit Gegenzöllen auf US-Importe und Exportkontrollen auf wichtige Rohstoffe gewehrt, die US-Firmen und Unternehmen auf der ganzen Welt betrafen.

Was auf der Agenda stehen könnte

Beobachter rechnen damit, dass Trump und Chinas Präsident Xi Jinping neben dem Iran-Konflikt und Washingtons Beziehungen zur von China beanspruchten Insel Taiwan auch über den momentan bis November pausierten Handelskonflikt sprechen werden. "Die wichtigsten Themen, die zur Diskussion stehen, betreffen Exportkontrollen und gegenseitige Investitionen", sagte der Experte der Harvard Business School, Daniel Fu.

Die Chinesen könnten laut Fu anbieten, mehr US-Flüssigerdgas oder Sojabohnen zu kaufen. Peking dürfte laut Experten wiederum an US-Spitzentechnologie, wie Computerchips für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz interessiert sein, die Washington zurückhält.

Trump-Xi-Treffen wichtig für deutsche Firmen

Andere Handelspartner Chinas blicken derweil gespannt auf den Besuch. "Fakt ist: Die Mehrheit der deutschen Unternehmen in China ist vom Handelskonflikt zwischen den USA und China betroffen", sagte der Chef der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Nordchina Oliver Oehms. Sie bräuchten vor allem mehr Klarheit und Berechenbarkeit bei Zöllen und Exportkontrollen.

Laut Oehms kann der Besuch ein "wichtiges Signal der Stabilisierung" senden. "Durchbrüche erwarten wir jedoch nicht", sagte er. Chinas Exporte nach Deutschland stiegen im April verglichen mit demselben Vorjahresmonat um 7,6 Prozent, während die Importe aus der Bundesrepublik lediglich um rund 1 Prozent zulegten.

Probleme drängen Chinas Firmen ins Ausland

Die schwache Nachfrage in China belastet das Geschäft vieler Firmen schon länger. Chinas Außenhandel hatte mit seinem enormen Exportwachstum und parallel schwachen Importzahlen im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar verbucht. Der Unmut bei vielen Handelspartnern wie der EU stieg.

Die exportgetriebene Wirtschaft hatte auch wegen eines massiven Überangebots in vielen ihrer Branchen mehr Waren in andere Weltmärkte wie Südostasien, Afrika und Europa geliefert. Die Problematik in Chinas Wirtschaft ist schon länger bekannt. Der Konsum im Inland ist unter anderem schwach, weil eine Immobilienkrise Ersparnisse vieler Menschen, die ihr Geld in eine Wohnung investiert hatten, schwinden ließ.

Parallel liefern sich Firmen in vielen Branchen einen erbitterten Preiskampf, der ihre Gewinne schmälert. Ein Problem dafür war auch der lange anhaltende Deflationsdruck. Chinas Produkte bleiben dadurch aber im Export günstig. Dabei hilft laut Kritikern auch die niedrige Bewertung des chinesischen Renminbi Yuan./jon/DP/mis

AXC0022 2026-05-09/07:51

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