Wiener Börse (Nachmittag) - ATX fällt weiter von Rekordhoch ab / Nahost-Sorgen belasten - Kaum Impulse durch US-Jobdaten - Österreichische Post nach Zahlen im Minus
Der Wiener Aktienmarkt hat am Freitag die Konsolidierung vom jüngsten Rekordhoch fortgesetzt. Im Fokus bleibt die fragile Lage im Nahen Osten, wo Hoffnungen auf einen baldigen Frieden zuletzt erneut der Ernüchterung gewichen sind. Vor diesem Hintergrund war die Kauflaune vor dem Wochenende gebremst.
Der ATX stand am frühen Nachmittag um 0,38 Prozent tiefer auf 5.918,76 Punkten. Am Donnerstag war der Leitindex erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 6.000 Punkten geklettert, bevor die Gewinne im Verlauf wieder abschmolzen. Auf Wochensicht deutet sich dennoch ein Gewinn von rund 2,1 Prozent an. Für den ATX Prime ging es am Freitag um 0,38 Prozent auf 2.927,21 Zähler hinab. Klare Verluste wurden auch im europäischen Umfeld verzeichnet.
Die Ölpreise gaben anfängliche Gewinne zuletzt wieder ab, bleiben aber auf einem hohen Niveau. Im Fokus bleibt die brüchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Nach iranischen Attacken auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormuz griff das US-Militär als Vergeltung Ziele in der Islamischen Republik an. Trotz dieser Rückschläge würden die Marktakteure darauf hoffen, dass die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien fortgesetzt werden, hieß es. Washington wartet derzeit auf eine Antwort Teherans auf einen US-Vorschlag zur formellen Beendigung des Krieges.
Kaum eine Reaktion zeigte der hiesige Aktienmarkt auf gut ausgefallene Daten vom US-Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote blieb in der größten Volkswirtschaft wie erwartet stabil, während überraschend viele Stellen geschaffen wurden. Das Wachstum der Stundenlöhne stieg inzwischen weniger als erwartet, was Sorgen vor einem wachsenden Inflationsdruck etwas dämpfen dürfte.
Noch zeige sich die US-Wirtschaft unbeeindruckt von den hohen Energiepreisen, die der Krieg der USA und Israels gegen den Iran zur Folge hat, kommentierten die Ökonomen der Helaba. Damit einhergehend würden die Zinserwartungen wohl verstärkt in Richtung Erhöhung tendieren, da sich die Risikobalance der Fed mehr und mehr der Inflation zuneige.
Die Entwicklung der Einzelwerte spiegelte in etwa die hohen Energiepreise und die damit einhergehenden Konjunktursorgen wider, wobei die Kursveränderungen weitgehend moderat ausfielen. Unter den größten ATX-Gewinnern waren die Titel des Ölfeldausrüsters SBO, die 0,6 Prozent zulegten. Schwächer tendierten hingegen einige Papiere aus der Baubranche und der Industrie. Klares Schlusslicht waren die Anteile von CA Immo, wobei der Abschlag von 6,3 Prozent zu einem guten Teil durch eine Dividendenausschüttung bedingt wurde.
Aktien der Österreichischen Post büßten ein Prozent ein. Der Logistiker hatte im ersten Quartal den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht gesteigert, aber deutliche Gewinneinbußen hinnehmen müssen. Der Ausblick blieb unverändert. Da das Unternehmen bereits ein schwaches Erstquartal angedeutet habe, sollten die heutigen Ergebnisse nicht übermäßig überraschen, so Erste-Analyst Christoph Schultes.
Lenzing stiegen um 0,6 Prozent auf 24,20 Euro. Sowohl die Deutsche Bank als auch Berenberg blieben nach den am Donnerstag vorgelegten Quartalszahlen bei ihren Halte-Empfehlungen. Während erstere auch ihr Kursziel bei 21,00 Euro beließen, hob Berenberg dieses von 22,50 auf 24,00 Euro an. Die Analysten beider Banken sehen die weiterhin schwache Fasernachfrage sowie die hohe Verschuldung als bremsende Faktoren bei der Erholung des Faserherstellers.
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