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Hessen verliert mehr EU-Arbeitskräfte als neu zuziehen

Angesichts einer gesunkenen Zahl von Arbeitskräften aus anderen EU-Ländern warnt Hessens Integrationsministerin Heike Hofmann vor einem unfreundlichen Umgang mit Ausländern. Entsprechende Äußerungen seien auch ein wirtschaftlicher "Standortnachteil", sagte die SPD-Politikerin laut Mitteilung anlässlich der Vorstellung der achten Auflage des Hessischen Integrationsmonitors in Wiesbaden. Dieser basiert auf einer Auswertung von Statistiken, Umfragen und ähnlichen Zahlenwerken.

Hessen ist laut Hofmanns Ministerium angesichts des Fach- und Arbeitskräftemangels auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen. "Schon seit 2020 ist der Beschäftigungszuwachs am hessischen Arbeitsmarkt allein auf ausländische Beschäftigte zurückzuführen - gleichzeitig aber ziehen mehr Menschen aus klassischen Ländern der Arbeitsmigration wie Polen, Bulgarien oder Rumänien von hier weg, als neu hinzukommen", hieß es.

Polnische Arbeitskräfte zieht es wieder in die Heimat

Polnische Bürger in Hessen etwa kehrten teils zurück in ihre Heimat, wo die Wirtschaft heute besser floriere als vor mehreren Jahren. Auch in anderen Herkunftsländern habe sich die ökonomische Perspektive verbessert, ergänzte das Integrationsministerium.

Weiter erklärte es: "2024 sind aus Rumänien, Polen und Bulgarien weniger Menschen nach Hessen gekommen als in ihr Heimatland zurückgingen - damit hat Hessen erstmalig einen negativen EU-Zuwanderungssaldo."

Ein weiterer Grund für weniger Zuzüge ist laut Hofmann, dass Menschen von einer abnehmenden Willkommenskultur und von Ausgrenzungserfahrungen in Deutschland berichteten. "Das muss uns wirklich große Sorgen bereiten." Eine Prognose gehe von 240.000 fehlenden Fachkräften in Hessen bis 2030 aus.

Hofmanns Ministerium verwies auf Zahlen des Integrationsmonitors, wonach der Beschäftigtenzuwachs in Hessen allein auf sozialversicherungspflichtige Ausländer zurückzuführen sei: "Von Januar 2020 bis Juni 2025 stieg deren Zahl um 28 Prozent von knapp 440.000 auf jetzt rund 560.000 Beschäftigte. Die Zahl der deutschen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank im selben Zeitraum hingegen minimal um 6.000 auf rund 2,2 Millionen."

Mehr Lesen üben?

Hinsichtlich der Bildung deckt der Integrationsmonitor ein weiteres Defizit auf: 46 Prozent der Neuntklässler mit ausländischen Wurzeln erreichen demnach beim Lesen nicht die schulischen Mindeststandards - mit steigender Tendenz. Hofmann betonte: "Das ist ein klarer Auftrag an uns: Wir müssen weiter intensiv an der Sprachbildung arbeiten."

Bei Asylsuchenden, die meist erst mit Verzögerung in Deutschland arbeiten dürfen, sind die Zahlen in Hessen laut Integrationsmonitor deutlich gesunken: "2025 kamen demnach knapp 8.000 Asylbewerberinnen und -bewerber nach Hessen - der abgesehen vom Corona-Jahr 2020 niedrigste Wert seit 2012."

Ein Krieg endet, ein neuer beginnt

Hofmann erklärte dies vor allem mit einer "veränderten Situation in Herkunfts- und Transitländern". Als Beispiel nannte sie unter anderem Syrien - dort war vor eineinhalb Jahren ein lange andauernder Bürgerkrieg zu Ende gegangen. Der aktuelle Iran-Krieg hat dagegen laut Hofmann "bislang noch keinen Einfluss auf die Zahl der Geflüchteten in Hessen"./jaa/DP/zb

AXC0194 2026-05-06/11:13

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