Wiener Börse (Nachmittag) - Erste-Aktie hält ATX im Zaum / Erste-Aktien verlieren 3,8 Prozent - OMV nach Ergebnissen leicht im Plus - EZB-Zinsentscheid im Fokus
Schwach aufgenommene Quartalszahlen der Erste Group haben den ATX am Donnerstag in Schach gehalten. Das Börsenbarometer hielt sich am Nachmittag bei 5.733 Punkten praktisch auf der Vortageslinie. Andere Börsen in Europa lagen im Verlauf dagegen klar in der Gewinnzone und auch in Wien wiesen die meisten Aktien positive Vorzeichen auf. Dem entgegen standen die Titel des größten ATX-Schwergewichts, die 3,8 Prozent einbüßten.
Für die verkürzte Handelswoche deutet sich für den heimischen Leitindex dagegen ein Zuwachs von 1,4 Prozent an. Der ATX Prime lag am Donnerstagnachmittag 0,05 Prozent höher bei 2.883 Punkten. Im Frühhandel hatte ein neuerlicher Höhenflug der Ölpreise die Märkte noch deutlich unter Druck gesetzt, mittlerweile kamen die Notierungen am Ölmarkt wieder etwas zurück.
Kaum Impulse brachte die erwartungsgemäße Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Schlüsselzinssätze unverändert zu lassen. Die Währungshüter sehen sich zwar mit einer ölpreisbedingt höheren Inflation konfrontiert, jedoch hatten Ökonomen bereits damit gerechnet, dass die EZB erst weitere Datenveröffentlichungen abwarten würde. Mit Spannung wird nun die Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde verfolgt.
Am Vorabend hatte auch die US-Notenbank ihre Zinsspanne nicht angepasst, begleitende Aussagen wurden am Markt jedoch als restriktiv aufgefasst. Folglich schraubten die Marktakteure ihre Zinssenkungserwartungen für das weitere Jahr weiter zurück.
Die Erste Group hat nach der erstmaligen Konsolidierung der Erste Bank Polska einen höheren Gewinn geschrieben. Der Nettogewinn stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um gut 18 Prozent auf 879 Mio. Euro und übertraf damit die Konsensschätzungen. Die Analysten von Barclays monierten jedoch das schwächer als erwartet ausgefallene Zinsergebnis. Der bestätigte Ausblick lasse zudem begrenzten Spielraum für eine Aufwärtskorrektur gegenüber dem Konsens, hieß es von der UBS.
Inzwischen gewannen OMV nach gemischten Zahlen 0,7 Prozent und folgten so dem breiteren Sektortrend. Der Ölkonzern hatte für das erste Quartal Einbußen im operativen Geschäft gemeldet. So sank das um Lagereffekte bereinigte Operative Ergebnis (Clean CCS) vor Sondereffekten im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 1,025 Mrd. Euro. Maßgeblich dafür war ein schwächeres Marktumfeld im Bereich Energy, während die Chemiesparte Zuwächse verzeichnete.
Die Analysten von Barclays schrieben in einer ersten Reaktion von durchwachsenen Zahlen und erwarten eine neutrale Marktreaktion. Die Experten der Erste Group stufen die Zahlen unterm Strich auch neutral ein. Im Rahmen einer Sektorstudie hat die Erste aber gleichzeitig ihre Empfehlung für die OMV von "hold" auf "accumulate" verbessert.
An der Spitze im ATX lagen am Vormittag AT&S mit einem Plus von 3,1 Prozent. Auch an anderen Börsen in Europa fanden sich Halbleiterwerte unter den größeren Gewinnern. Aktien der Post legten nach guten Zahlen des deutschen Branchenkollegen DHL 1,3 Prozent zu.
Unter den Nebenwerten kamen AMAG trotz einer klaren Gewinnsteigerung im ersten Quartal nicht vom Fleck. Erste-Analyst Michael Marschallinger verwies auf Bewertungseffekte im Bereich Sparte für Walzprodukte, dank derer das EBITDA die Konsensschätzungen übertroffen habe. Der Ausblick sei dagegen erwartungsgemäß ausgefallen.
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