An den europäischen Aktienmärkten
war am Mittwoch einmal mehr Zurückhaltung angesagt. Vor der
Zinsentscheidung der US-Notenbank und den Zahlen mehrerer großer
US-Technologieunternehmen hielten sich Anleger zurück.
Am Mittag gab der EuroStoxx 50 0,58 Prozent auf
5.802,36 Punkten nach. Außerhalb des Währungsraums verlor der
britischen FTSE 100 0,7 Prozent auf 10.260,02 Punkte.
Der Schweizer SMI büßte 0,56 Prozent auf 13.076,62
Punkte ein.
Marktteilnehmer sprachen von einer ambivalenten Lage. "Einerseits
übt der Konflikt im Nahen Osten über die Energiepreise einen hohen
Druck auf die Wirtschaft und über die Inflationsentwicklungen und
die Geldpolitik der großen Notenbanken aus", so Andreas Lipkow,
Marktanalyst beim Broker CMC Markets. "Andererseits können viele
Unternehmensdaten positiv überraschen und den trüben
Konjunkturaussichten trotzen."
Stärkster Sektor waren die Telekomwerte. Deutsche Telekom
profitierten von Quartalszahlen der Mobilfunk-Tochter
T-Mobile US und legten um 1,6 Prozent zu. Hinzu kam
die anhaltende Rekordjagd von Nokia . Barclays hatte
das Kursziel massiv von 5,20 auf 8,00 Euro angehoben.
Finanzdienstleister wurden von den Gewinnen der UBS-Aktie
gestützt, die um 4,5 Prozent anzog. Das Institut habe
starke Ergebnisse vorgelegt, die von einer regen Kundenaktivität in
verschiedenen Geschäftsbereichen profitiert habe, hieß es von der
kanadischen RBC.
Ölwerte waren weiterhin gefragt. Neben anhaltend hohen Ölpreisen
stützten die Zahlen von Totalenergies . Das
Unternehmen hatte im ersten Quartal deutlich mehr verdient als ein
Jahr zuvor. Deshalb wollen die Franzosen das Tempo ihrer
Aktienrückkäufe wieder erhöhen und eine höhere Dividende für das
erste Quartal ausschütten.
Verluste gab es dagegen erneut bei den Pharmawerten. Astrazeneca
sanken um 1,4 Prozent. Analyst Darren Nathan von der
Investmentplattform Hargreaves Lansdown sprach zwar von soliden
Quartalszahlen. Allerdings sei das Zahlenwerk zu unspektakulär, um
der Aktie, die derzeit in einer Seitwärtsbewegung feststecke, neue
Impulse zu geben.
Ähnlich sah es bei GSK aus, die um 1,8 Prozent
fielen. Dass der Pharmakonzern die Erwartungen übertroffen habe,
scheine vor allem auf die aufgestockten US-Lagerbestände des
Gürtelrose-Impfstoffs Shingrix sowie einmalige Einsparungen bei den
Rechtskosten zurückzuführen zu sein, schrieb Analyst Zain Ebrahim
von JPMorgan. Daher werte er den Zwischenbericht nur als moderat
positiv.
Unter den ebenfalls schwächelnden Autowerten sanken Volvo Cars
um 2,2 Prozent. Der Autobauer hadert weiter mit einer
schwachen Nachfrage./mf/jha/