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Österreichische Staatsanleihen im Späthandel mit Verlusten / Man wartet auf Zinsentscheidungen - Österreichs Unternehmen spüren Nahost-Krise deutlicher

Die Kurse österreichischer Bundesanleihen haben sich am Dienstagnachmittag mit Kursverlusten gezeigt. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen österreichischen Benchmark-Anleihe ist um 5 Basispunkte auf 3,34 Prozent gestiegen. Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Anleihe betrug 27 Basispunkte. Der Euro-Bund-Future fiel um 0,26 Prozent auf 124,99 Punkte.

Im Zentrum des internationalen Interesses stehen neben dem Dauerthema USA gegen den Iran um die Straße von Hormuz die Zinsentscheidungen in Japan, Europa und den USA in dieser Woche. In Japan blieb der Leitzins unverändert, wie die Bank of Japan am Dienstag mitteilte. Am Mittwoch folgt die US-Notenbank (Fed). Für Donnerstag sind dann die Sitzungen der EZB und der Bank of England anberaumt.

In den Euro-Ländern sind im März die Inflationserwartungen der Verbraucher wegen der stark gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Krieges nach oben geschnellt. Im Mittel rechnen sie in den kommenden zwölf Monaten mit einer Teuerungsrate von 4,0 Prozent, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag zu der von ihr in Auftrag gegebenen Umfrage mitteilte. Im Februar lag dieser Wert noch bei 2,5 Prozent. "Zinssenkungen dürften vorerst vom Tisch sein. Allgemein werden nun für dieses Jahr ein bis zwei Zinserhöhungen erwartet. Möglich ist ein Zinsschritt bereits im Juni und ein weiterer im Herbst", schreibt Christian Henke, Marktanalyst beim Broker IG Markets, in einer Markteinschätzung.

Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs haben weiter keine Fortschritte gemacht. US-Präsident Donald Trump sieht Teherans jüngsten Vorschlag für ein Ende des militärischen Konflikts übereinstimmenden Medienberichten zufolge skeptisch. Er habe den Vorschlag zwar nicht direkt abgelehnt, aber er hege Zweifel an der Aufrichtigkeit der iranischen Führung, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Entwurf sieht Medienberichten zufolge eine Öffnung der Straße von Hormuz und ein Ende des Kriegs vor - über das umstrittene iranische Atomprogramm soll dann erst im Anschluss verhandelt werden.

Eine Öffnung der Straße von Hormuz ist weiterhin nicht in Sicht. Wegen der Lage im Nahen Osten droht der Welt nach Ansicht des Präsidenten der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis, eine historische Notlage. "Wenn die Straße von Hormuz nicht rasch wieder vollständig geöffnet wird, hat diese Krise das Potenzial, die größte Energiekrise überhaupt zu werden", sagte Pierrakakis.

Österreichs Unternehmen bekommen die geopolitischen Spannungen mittlerweile stärker zu spüren. Angesichts des Iran-Kriegs und der Störungen auf der wichtigen Straße von Hormuz fühlen sich aktuell zwei Drittel der Exportbetriebe "sehr stark" oder "eher stark" von höheren Energiepreisen betroffen, wie aus einer Online-Umfrage vom März im Auftrag der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) hervorgeht. Zu Jahresbeginn 2024 war es lediglich jedes zweite Unternehmen.

Renditen ausgewählter österreichischer Benchmark-Anleihen:

Laufzeit Aktuell Vortag Veränderung Spread (in Basispunkten)
2 Jahre     2,64   2,51        0,13                        0
5 Jahre     2,91   2,85        0,06                       14
10 Jahre    3,34   3,30        0,04                       27
30 Jahre    3,90   3,88        0,02                       33

moe/spa

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