ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: EuroStoxx beendet Verlust-Woche etwas tiefer
Die europäischen Aktienmärkte haben
am Freitag an ihre jüngste Schwäche angeknüpft. Angesichts der
unsicheren Lage am persischen Golf mieden die Anleger hierzulande
weiter das Risiko, das sie zu Wochenschluss eher bei
Technologiewerten aus den USA eingingen.
Zeitweise wurden Hoffnungen auf neue Verhandlungen zwischen den USA
und dem Iran von Meldungen genährt, der iranische Außenminister
befinde sich auf dem Weg nach Pakistan. Das Vertrauen der Anleger
blieb aber gedämpft. Kurz nach Börsenschluss berichtete dann der
US-Sender CNN, dass der US-Sonderbeauftragte Steve Witkoff und sein
Schwiegersohn Jared Kushner für Gespräche nach Pakistan reisen.
Der EuroStoxx 50 verlor 0,19 Prozent auf 5.883,48
Punkte. Der Eurozonen-Leitindex hatte im Laufe der Woche keinen
einzigen Gewinntag vorzuweisen. Nach einer zuvor gewinnträchtigen
Zeit beträgt sein Wochenminus 2,9 Prozent. Am vergangenen Freitag
hatte er noch den höchsten Stand seit Anfang März erreicht, als
kurzzeitig wegen einer vom Iran verkündeten Öffnung der Straße von
Hormus Euphorie herrschte, die aber nicht lange anhielt.
Außerhalb des Euroraums fielen die Verluste an diesem Freitag etwas
größer aus. Der schweizerische SMI sank um 0,59
Prozent auf 13.169,70 Zähler. Der britische FTSE 100
büßte 0,75 Prozent auf 10.379,08 Punkte ein.
Von den Auswirkungen der Ölpreise, die vom Krieg nach oben
getriebenen wurden, zeugte am Freitag ein Stimmungsbarometer der
deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Index hat den tiefsten Stand seit der
Corona-Krise erreicht. "Die befragten Unternehmen blicken deutlich
pessimistischer nach vorn als noch im März", stellte daraufhin
Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank fest.
Die Tech-Rally, die in den USA mit gefeierten Zahlen von Intel
einher ging, kam reduziert auch hierzulande an. Im
Endeffekt war der Sektor der Tech-Werte mit einem Anstieg um 1,5
Prozent auch in Europa führend, was außerdem an dem Softwareriesen
SAP und dem Zahlungsabwickler Adyen
lag, die beide mit ihren Quartalsberichten überzeugten.
Die Öl- und Gaswerte wurden letztlich in der Branchenwertung auf den
zweiten Platz verdrängt. Aktien von Eni waren mit 1,1
Prozent ins Minus gedreht nach Zahlen zum ersten Quartal. Der
Ölkonzern habe zwar durchwachsen abgeschnitten, doch die
fundamentale Entwicklung sei auf einem guten Weg, schrieb Analyst
Matthew Lofting von JPMorgan.
Ansonsten dominierten jedoch die Verluste. Am schwächsten tendierten
die Autowerte. Ausnahme waren hier die Aktien des Lkw-Bauers Volvo
, die im 1,5 Prozent stiegen. Trotz gesunkener
Auslieferungen hatte das Unternehmen im ersten Quartal im
Tagesgeschäft mehr verdient als erwartet. Dank gestiegener
Auftragseingänge zeigte sich der Nutzfahrzeugbauer für das laufende
Jahr optimistischer.
In der Gesamttendenz stärker unter Druck gerieten Rüstungskonzerne,
was Rheinmetall mit mehr als 6 Prozent Minus zum
Schlusslicht im EuroStoxx machte. Unter den Verlierern waren auch
Baustoffwerte, die unter den hohen Energiepreisen litten. Zahlen
einiger Branchenunternehmen konnten deren Sektorindex nicht positiv
den Stempel aufdrücken.
Saint-Gobain gaben um 0,6 Prozent nach, obwohl das
Unternehmen im ersten Quartal nach Ansicht von Goldman Sachs besser
als erwartet abgeschnitten hatte. Bei Holcim stand
zum Schluss ein Plus von 1,3 Prozent auf der Tafel. Das Analysehaus
Jefferies hatte das operative Ergebnis und die robuste Nachfrage
gelobt./tih/nas