Aktien Europa: Kurse bröckeln ab - Furcht vor erneuter Eskalation im Nahen Osten
Die europäischen Aktienmärkte haben
am Freitag erneut leicht nachgegeben. Damit bröckelten die Kurse
angesichts der unsicheren Lage am persischen Golf und der hohen
Ölpreise weiter ab. "Die geopolitische Architektur im Nahen Osten
gleicht einem instabilen Kartenhaus: Berichte über interne
Machtkämpfe im Iran und die massive Aufstockung der
US-Militärpräsenz lassen das Risiko einer erneuten Eskalation am
Wochenende steigen", hieß es einem Kommentar des Analysedienstes
Index Radar.
Der EuroStoxx 50 , der Leitindex der Euroregion, sank
am späten Vormittag um 0,7 Prozent auf 5.853,23 Punkte. Außerhalb
des Euroraums fiel der Schweizer SMI um ein Prozent
auf 13.117,21 Zähler. Der britische FTSE 100 lag 0,8
Prozent im Minus bei 10.373,56 Punkten.
Von den Auswirkungen der hohen Ölpreise zeugte der deutsche ifo
Index. "Die befragten Unternehmen blicken deutlich pessimistischer
nach vorn als noch im März", stellte Volkswirt Thomas Gitzel von der
VP Bank angesichts der gefallenen Geschäftserwartungen fest.
In dem schwächelnden Markt verzeichneten lediglich die Ölwerte
stärkere Gewinne. Aktien von Eni gewannen nach Zahlen
zum ersten Quartal 1,1 Prozent. Der Ölkonzern habe zwar durchwachsen
abgeschnitten, doch die fundamentale Entwicklung sei auf einem guten
Weg, schrieb Analyst Matthew Lofting von JPMorgan.
Zu den wenigen Gewinnern gehörten auch Technologiewerte. Das
Schwergewicht SAP stützte den Sektor dank
überraschend guter Quartalszahlen mit einem Kurssprung von fünf
Prozent. Zudem gab es Nachrichten zu Adyen . Der
niederländische Zahlungsdienstleister hatte im ersten Quartal den
Umsatz um 20 Prozent gesteigert und bewegt sich damit im
Zielkorridor für die Jahresprognose. Außerdem will Adyen die
deutsche Software-Plattform Talon.One für 750 Millionen Euro
übernehmen. Die Analysten von Jefferies lobten diesen Schritt. Adyen
kletterten um 2,1 Prozent.
Ansonsten dominierten jedoch die Verluste. Am schwächsten tendierten
die Autowerte. Ausnahme waren die Aktien des Lkw-Bauers Volvo
. Trotz gesunkener Auslieferungen hatte das
Unternehmen im ersten Quartal im Tagesgeschäft mehr verdient als
erwartet. Dank eines um 14 Prozent gestiegenen Auftragseingangs zum
Jahresauftakt zeigte sich der Konzern zudem für das laufende Jahr
optimistischer. Volvo gewannen 0,7 Prozent.
Baustoffwerte litten unter den hohen Energiepreisen. Zahlen von
Saint- Gobain und Holcim stützten den
Sektor dabei nicht. Erstere fielen um ein Prozent, obwohl das
Unternehmen im ersten Quartal nach Ansicht von Goldman Sachs besser
als erwartet abgeschnitten hatte. Ähnlich sah es bei Holcim aus. Die
Aktie lag leicht im Minus, obwohl das Analysehaus Jefferies das
operative Ergebnis und die robuste Nachfrage gelobt hatte./mf/stk