Aktien New York: Kurse geraten unter Druck - Bericht über Machtkämpfe im Iran
Nach den jüngsten Rekordmarken einiger Indizes
ist die Luft an den US-Aktienmärkten am Donnerstag raus. Die
Waffenruhe im Iran-Krieg steht zunehmend auf der Kippe und die
Ölpreise steigen wieder. In Verbindung steht dies mit einem Bericht
über eine sehr tiefe Krise in der Teheraner Führung. Bei
US-Einzelwerten stand die Berichtssaison mit Licht und Schatten im
Mittelpunkt.
Der Dow Jones Industrial weitete sein Minus zwei
Stunden vor Schluss mit 49.106 Punkten auf 0,8 Prozent aus. Er ist
der einzige Index, der wie schon in den vergangenen Tagen keinen
Rekord aufstellen konnte. Nach zuvor erreichten Bestmarken sackten
aber auch die beiden anderen US-Leitindizes klar ins Minus: Der
marktbreite S&P 500 gab zuletzt um 0,8 Prozent auf
7.081 Punkte nach. Der Nasdaq 100 verlor 0,9 Prozent
auf 26.695 Punkte.
Eine zweite Gesprächsrunde zwischen den Kriegsparteien USA und Iran
bleibt nicht absehbar. Belastend wirkten weitere Angriffe und
Drohungen gegen Schiffe in der Straße von Hormus, aber auch ein
Bericht des israelischen Nachrichtensenders N12 über weitreichende
Machtkämpfe im Iran. Im Zentrum dessen stehe Mohammad Baqer Qalibaf,
der Sprecher des iranischen Parlaments, der bisher ein Koordinator
der Kontakte mit den USA und dem Vermittlerland Pakistan gewesen
ist. Laut dem Bericht ist dieser einer Intervention der
Revolutionären Garden zurückgetreten.
Im US-Technologiesektor, der an der Nasdaq großes Gewicht hat, stand
abrutschenden Software- und IT-Aktien eine Rally im Chipsektor
gegenüber. Im Softwarebereich kochten alte Bedenken um die
Auswirkungen Künstlicher Intelligenz wieder hoch, gepaart mit der
Befürchtung einer bremsenden Wirkung des Iran-Krieges.
Die Titel von ServiceNow prägten das schlechte
Software-Bild mit einem Kurseinbruch um 18 Prozent, nachdem das
Unternehmen mit seinen Quartalszahlen enttäuscht hatte und dabei
wegen des Nahost-Konflikts von Nachfrage-Verzögerungen berichtet
hatte. Dies belastete sektorweit die Kurse: Auch die Titel von
Microsoft , Salesforce , Oracle
und Adobe sackten im Größenbereich von
vier bis neun Prozent ab.
Schlechte Nachrichten kamen im Technologiebereich auch von dem
IT-Riesen IBM , dessen Titel unter den größten
Dow-Verlierern um etwa neun Prozent abrutschten. Hier galten erneute
Sorgen vor dem störenden Einfluss der Künstlichen Intelligenz für
die Anleger als schwere Belastung. Im ersten Quartal hatte IBM zwar
starke Umsätze gemeldet, aber die Jahresziele nicht höher gesteckt.
Positiv gegenüber standen im Tech-Sektor die Chipwerte, angetrieben
von Texas Instruments mit einem Kurssprung um 17
Prozent. Der Halbleiterhersteller profitierte in Zeiten des KI-Booms
von den Ausgaben für Rechenzentren und meldete nicht nur ein starkes
Quartal, sondern erfreute auch mit einem starken Jahresausblick. Die
Bank of America sprach den Titeln daraufhin eine Kaufempfehlung aus.
Neben Microsoft der zweitgrößte Verlierer unter den "Magnificent 7"
war Tesla. Nach der Ankündigung des Elektroautobauers, dass die
Investitionen nochmals massiv erhöht werden, um sich neue
Geschäftspotenziale im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu
erschließen, büßte der Kurs 3,6 Prozent ein.
Im Dow wurden auch Honeywell und American Express
zur Belastung, indem beide Aktien nach den
vorgelegten Zahlen um 2,4 respektive 4,7 Prozent fielen. Am breiten
Markt wurde bei Fluggesellschaften eine anfängliche Erholung
gebremst, die noch mit den Resultaten von American Airlines
begründet worden war. Zuletzt ging der Rückenwind aber wegen der
wieder anziehenden Ölpreise verloren.
Gut da standen die Comcast -Titel nach der Bekanntgabe
von Quartalszahlen, die über den Erwartungen lagen. Freundlich
zeigten sich Werte aus dem Telekom-Sektor, der am Vortag stark unter
Druck gestanden hatte. Die Titel von T-Mobile US
erholten sich um fast drei Prozent von den jüngsten Verlusten, die
von einem Bericht über eine potenzielle Kombination mit der
Deutschen Telekom ausgelöst worden waren./tih/he