ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Verluste nach erneuten Spannungen in Nahost
Wegen der erneuten Eskalation in Nahost hat
der Dax am Montag einen Teil seiner kräftigen
Freitagsgewinne wieder abgegeben. Die Situation in der Straße von
Hormus ist weiterhin unübersichtlich und stark angespannt. Nachdem
der Iran am Freitag die Öffnung der Meerenge bis zur restlichen
Dauer der Waffenruhe am Mittwoch angekündigt hatte, wurde dies nach
nur einem Tag wieder zurückgenommen.
Als Grund nannte die Armeeführung die fortdauernde Blockade
iranischer Häfen durch die USA. Zudem lehnt die iranische Führung
laut einem Bericht der Staatsagentur Irna ein zweites Treffen mit
US-Vertretern ab und verwies neben der Blockade auf übertriebene
Forderungen und einen ständigen Kurswechsel der USA. Die Ölpreise
stiegen wieder deutlich und die Anleger am Aktienmarkt meiden erneut
Risiken.
Im frühen Handel büßte der Leitindex 1,5 Prozent auf 24.341 Punkte
ein, hielt sich damit aber weiter über der viel beachteten
200-Tage-Durchschnittslinie. Diese gleitende Linie ist für
charttechnisch interessierte Anleger ein wichtiger Indikator für den
längerfristigen Trend. Der MDax mit den mittelgroßen
Werten verlor 1,6 Prozent auf 31.430 Zähler. Für den
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx ging um 1,4 Prozent
abwärts.
"Die wiederholten Störungen einer der wichtigsten
Energiehandelsrouten unterstreichen die Fragilität der Lage und
dämpfen die Hoffnung auf ein zeitnahes, tragfähiges Friedensabkommen
zwischen den Konfliktparteien", sagte Marktexperte Timo Emden unter
Verweis auf die Lage in der Straße von Hormus. "Das wiederkehrende
Wechselspiel aus Öffnung und Eskalation nimmt Züge eines
geopolitischen Katz-und-Maus-Spiels an." Portfolio-Manager Thomas
Altmann von QC-Partners verwies angesichts des Ölpreisanstiegs auf
erneute Inflationssorgen, die an den Börsen mit steigenden Zinsen
assoziiert werden.
Größter Verlierer war wieder einmal der Reise- und Freizeitsektor,
gefolgt von der Autobranche. Tui und Lufthansa
gaben im MDax jeweils um 3,8 Prozent nach.
Beim Autobauer VW , dessen Papiere im Dax 2,7 Prozent
verloren, kam zum allgemeinen Druck noch eine für den Konzern
negative Nachricht hinzu. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies
hat sich dafür ausgesprochen, den Bau von chinesischen Autos in den
deutschen VW-Werken zu prüfen, da der Wolfsburger Autohersteller
weiterhin mit Entlassungen und Überkapazitäten an seinen Standorten
zu kämpfen hat. "Eine Art Offenbarungseid" nannte dies ein Händler.
Die Aktie von Wacker Chemie legte nach angehobenen
Jahresumsatzzielen im MDax um 1,0 Prozent zu. Infolge des
Iran-Kriegs verdiente der Chemiekonzern im ersten Quartal
vorläufigen Zahlen zufolge operativ mehr als erwartet. Kunden hätten
Bestellungen wegen des Kriegs vorgezogen, hieß es. Lanxess
als Spitzenwert stiegen um 3,1 Prozent. Für diese
Aktie hob Barclays-Analyst Anil Shenoy seine
Schätzungen wegen der Probleme der asiatischen Konkurrenz durch den
Nahost-Krieg an und sprach von einem nachlassenden hohen
Importdruck.
Gewinne verbuchten zudem Aktien aus der Energiebranche. So erholten
sich etwa Verbio , die bislang stark vom Iran-Krieg
profitiert und am Freitag dann einen Rückschlag erlitten hatten, an
der Spitze des Kleinwerte-Index SDax um 3,0 Prozent.
Seit Beginn des Iran-Kriegs hatte die Aktie des Herstellers von
Biokraftstoffen in der Spitze um mehr als 70 Prozent zugelegt. Im
Dax gewannen RWE als Favorit 2,1 Prozent und Eon
legten um 0,9 Prozent zu./ck/stk