Aktien Frankfurt: Dax zieht an - Weitere Gewinne in USA erwartet nach Rekorden
Die jüngsten US-Börsenrekorde haben den
vortags wenig bewegten Dax am Donnerstag gestützt.
Mit den sich aktuell abzeichnenden Kursgewinnen in New York nahm der
deutsche Leitindex etwas Fahrt auf. Am frühen Nachmittag stand trotz
der anhaltenden Unsicherheit wegen der Entwicklung des Iran-Kriegs
ein Plus von 0,75 Prozent auf 24.248 Punkte zu Buche. Damit notierte
der Dax klar über der für den langfristigen Trend wichtigen
200-Tage-Linie, die er zur Wochenmitte nur vorübergehend überwunden
hatte.
Für den MDax , den Index der mittelgroßen
Börsenunternehmen, ging es um 1,05 Prozent auf 31.210 Punkte hoch.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 , der am Mittwoch
deutlich geschwächelt hatte, gewann rund 0,5 Prozent.
"Die Hoffnung auf eine Verlängerung des Waffenstillstandes (zwischen
dem Iran und den USA) treibt Anlegerinnen und Anleger in Aktien",
kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter
QC Partners. Die Bestmarke des marktbreiten S&P 500
vom Vortag wertet er als Beleg, dass "der US-Aktienmarkt den
Iran-Krieg hinter sich gelassen hat, bevor er wirklich vorbei ist".
Auch das Tech-Barometer Nasdaq 100 stellte einen
Rekord auf, ebenso am Donnerstag der japanische Nikkei 225
.
Die aktuellen Bewertungen in New York beinhalteten allerdings "eine
gehörige Portion Optimismus", was die negativen wirtschaftlichen
Auswirkungen des Iran-Kriegs angehe, gab Altmann zu bedenken. Denn
ein Friedensschluss wäre erst der "Startschuss für einen langen und
steinigen Weg zurück zu geordneten und kalkulierbaren
Energiemärkten".
Zudem bestätigte Vermittler Pakistan Spekulationen über schnelle
weitere Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA bislang nicht.
Das Land habe "offene Gesprächskanäle mit den betroffenen Parteien
aufrechterhalten", sagte ein Außenamtssprecher in Islamabad. Aus
Diplomatenkreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, ein neuer
Gesprächstermin zwischen den Kriegsparteien werde erst nach der
Rückkehr des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif von
einer Reise zu mehreren anderen muslimischen Vermittlerstaaten am
Samstag festgelegt.
Bei MDax-Schlusslicht Aixtron standen nach dem
gestrigen, 20-prozentigen Kurssprung Gewinnmitnahmen von 4,6 Prozent
zu Buche. Der Chipindustrie-Ausrüster, der die Anleger zur
Wochenmitte mit einer Prognoseanhebung euphorisiert hatte,
beschaffte sich mit Wandelschuldverschreibungen frisches Geld. Das
Volumen liege wie zuvor angekündigt bei 450 Millionen Euro, teilte
das Unternehmen mit. Zudem trennten sich einige Käufer der
Wandelanleihe im Rahmen einer Platzierung von Aixtron-Aktien.
Im Nebenwerte-Index SDax fielen die Titel von
Heidelberger Druck nach einer zweitägigen, von
Rüstungsfantasie getriebenen Rally um 7,3 Prozent zurück. Der
Druckmaschinenhersteller blieb laut vorläufigen Zahlen im
abgelaufenen Geschäftsjahr mit der bereinigten operativen Marge
hinter der eigenen Zielsetzung zurück. Die Margenschwäche ohne
nennenswerte Umsatzeinbußen spreche für ein negativeres Preisumfeld,
kommentierte Warburg-Analyst Stefan Augustin.
Derweil gaben klare Kursgewinne von DocMorris nach
einem starken Umsatzwachstum der Schweizer Online-Apotheke im ersten
Quartal auch deren deutscher Konkurrentin Redcare Pharmacy
Auftrieb: Die Aktien gewannen an der MDax-Spitze 10,6
Prozent.
Die Aktionäre von Gerresheimer freuten sich über eine
Kurserholung von knapp 21 Prozent. Die Kreditgeber des
Verpackungsspezialisten stimmten einer Fristverlängerung zur Vorlage
des testierten Jahres- und Konzernabschlusses 2025 zu - dessen
wiederholte Verschiebung hatte das Unternehmen jüngst gezwungen, den
SDax zu verlassen. Außerdem berichtete Gerresheimer, der
Verkaufsprozess für die US-Tochter Centor habe planmäßig begonnen
und es gebe eine zweistellige Zahl von Interessenten./gl/stk