ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Hoffnung auf Frieden in Nahost treibt an
Die Hoffnung auf Frieden in Nahost hat dem
deutschen Aktienmarkt am Dienstag neue Aufwärtsimpulse gegeben. Die
hohen Ölpreise gaben spürbar nach.
Der deutsche Leitindex Dax überwand wieder die
24.000-Punkte-Marke und schloss mit plus 1,27 Prozent auf 24.044,22
Zähler. Der MDax , der Index der mittelgroßen
Börsenunternehmen, gewann 0,94 Prozent auf 30.534,94 Punkte.
Europaweit und in den USA sah es ähnlich aus.
Nachdem sich tags zuvor, inmitten der Waffenruhe und nach erfolglos
verlaufenen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran am Wochenende,
beide Parteien weiter drohten, war in neuen Gesprächen von "großen
Fortschritten" die Rede. Von diesen hatte US-Vizepräsident JD Vance
gesprochen und ergänzt, dass nun Teheran am Zug sei, bei dem für die
USA wichtigsten Punkt, dem iranischen Atomprogramm, Zugeständnisse
zu machen.
Die Chance auf ein Ende der militärischen Auseinandersetzungen ist
folglich noch nicht vom Tisch. Ein Friedensabkommen würde zugleich
die Straße von Hormus öffnen, einen für die Weltwirtschaft wichtigen
Schifffahrtsweg, wie Portfoliomanager Thomas Altmann vom
Vermögensverwalter QC Partners sagte. Für die globale Wirtschaft
könnte dadurch wieder eine langsame Normalisierung in Gang kommen.
Zudem wollen die libanesische Regierung und Israel erstmals seit
Jahrzehnten direkte Gespräche beginnen. Israel strebt laut
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein dauerhaftes
Friedensabkommen an und fordert eine Entwaffnung der libanesischen
Hisbollah-Miliz, die mit dem Iran verbündet ist.
In Europa ging es für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
um 1,35 Prozent auf 5.984,51 Punkte nach oben und
auch in London und Zürich wurden Gewinne verzeichnet. In den USA
legten die wichtigsten Indizes zum europäischen Börsenschluss
ebenfalls zu. Der Preis für ein Fass der Rohöl-Sorte Brent sank noch
etwas weiter unter 100 US-Dollar.
Im Dax waren die Aktien der Deutschen Bank mit plus
3,8 Prozent Spitzenreiter. Commerzbank stiegen um 2,5
Prozent. Die US-Banken JPMorgan , Citigroup
und Wells Fargo hatten im ersten
Quartal mit ihren Gewinnen besser als erwartet abgeschnitten.
Die Aktie von Nordex litt nach Auftragszahlen und
einer Abstufung durch MWB Research aus Bewertungsgründen unter
Gewinnmitnahmen. Das Papier des Windturbinenherstellers gab um 0,9
Prozent nach, hatte aber erst in der vergangenen Woche ein
Rekordhoch erklommen.
Für Aixtron ging es um weitere 4,2 Prozent bergab,
nachdem die Investmentbank Oddo BHF ihre positive Anlageempfehlung
gestrichen hatte. Inzwischen sei bereits ein sehr guter
Geschäftsverlauf bis 2027 eingepreist, schrieb Analyst Martin
Marandon-Carlhian.
Nemetschek büßten 3,4 Prozent ein. Der auf die
Bauindustrie spezialisierte Softwareanbieter hatte die Übernahme des
US-Unternehmens Heavy Construction Systems Specialists (HCSS)
angekündigt. Auch wenn die Transaktion strategisch sinnvoll sei,
gehe sie zu Lasten der Bewertung und einer höheren Komplexität,
urteilte Experte Charles Brennan von Jefferies.
Heidelberger Druck stachen im Nebenwerte-Index SDax
mit einem Kurssprung von knapp 19 Prozent heraus. Die
schon einmal im März spürbare Fantasie für den Einstieg in das
Rüstungsgeschäft wurde am Dienstag wieder belebt durch einen Bericht
in der "Wirtschaftswoche" und einen Besuch des brandenburgischen
Ministerpräsidenten am Standort Brandenburg an der Havel. Der
Druckmaschinenhersteller baut wie bekannt neben seinem Kerngeschäft
und den mittlerweile angebotenen Auto-Ladeboxen ein weiteres
Standbein im Bereich der Drohnenabwehr auf. Händler verwiesen
angesichts der zunehmenden Kursdynamik im Tagesverlauf auch auf
Eindeckungen von Leerverkäufern. Diese geraten im Fall steigender
Kurse unter Druck, ihre Positionen durch Käufe aufzulösen, und
verstärken damit den Anstieg noch.
Stahlwerte profitierten davon, dass die EU zum Schutz der
europäischen Industrie ihre Einfuhrregeln verschärft. Salzgitter
und Thyssenkrupp verzeichneten
Kursgewinne von 5,2 beziehungsweise 3,3 Prozent. Damit setzten die
Aktien ihre Ende März begonnene Erholungsrally fort./ck/he