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Hoffnung auf Ende des Iran-Kriegs beschert Börsen Kurssprung / Euro-Stoxx-50 legt 2,8 Prozent zu, ATX gewinnt 2,7 Prozent - Aktien von Banken, Airlines, Bergbaukonzernen stark gesucht - Auch Euro und Anleihen legen zu - Öl- und Gaspreise fallen

Die Hoffnungen auf ein nahendes Ende des Iran-Kriegs haben den Börsen zum Monatsbeginn einen Kurssprung beschert, die Öl- und Gaspreise kamen gleichzeitig von ihrem Höhenflug etwas zurück. Bereits in der Früh legten einige asiatische Aktienmärkte merklich zu. Der japanische Nikkei-Index stieg um 5,2 Prozent. Auch in Europa ging es in Folge stark nach oben. Der Euro-Stoxx-50 der wichtigsten Unternehmen der Eurozone stieg am Nachmittag um 2,8 Prozent auf 5.726,48 Punkte.

Die Börsenindizes in Frankfurt, Paris und London legten zwischen 2 und 3 Prozent zu. Der österreichische Aktienindex ATX gewann zuletzt 2,69 Prozent auf 5.487,24 Punkte. Gleichwohl notieren die Börsenbarometer noch deutlich unter den Kursniveaus von vor dem Krieg.

"Die Stimmung der Investoren hellt sich zwar etwas auf, dennoch zeigt sich noch keine Euphorie an den europäischen Handelsplätzen", beschrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst vom Broker CMC Markets, die Lage. Die fehlende Euphorie hatte unterdessen ihre Gründe. "Der Konflikt ist nicht gelöst und der Zeitplan bleibt unsicher", gab Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Broker eToro, zu bedenken. "Gleichzeitig bleibt eine militärische Eskalation jederzeit möglich."

Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump und des iranischen Präsidenten Massoud Pezeshkian hatten am Vorabend schon an den US-Börsen für Zuversicht und etwas Entlastung bei den Ölpreisen gesorgt. Medienberichten zufolge forderte Pezeshkian "Garantien" für ein Kriegsende. Irans Außenminister Abbas Araqchi sagte, er stehe im Kontakt mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff. US-Präsident Trump rechnet unterdessen mit einem Ende der Angriffe seines Landes auf den Iran in zwei bis drei Wochen und kündigte eine "wichtige" Rede zum Stand des Krieges in der Nacht auf Donnerstag an.

Aktien von Airlines, Banken und Bergbaukonzernen gut gesucht

Stark gesucht waren an Europas Börsen in Folge vor allem die Aktien jener Branchen, die den Iran-Krieg besonders stark zu spüren bekommen. So fanden sich am Mittwoch die Titel von Reise- und Luftfahrtunternehmen, denen zuletzt hohe Treibstoffpreise Sorgen gemacht hatten, wie TUI, Ryanair oder Air France-KLM mit Gewinnen zwischen 4 und 7 Prozent unter den größten Gewinnern.

Gute Nachfrage gab es auch in vielen Bankwerten. Im Euro-Stoxx-50 zählten UniCredit, Banco Santander und BNP Paribas mit Kursgewinnen um die 5 Prozent zu den größten Gewinnern. In Wien stiegen RBI-Aktien um 4,9 Prozent. Bankwerte hatten zuletzt besonders stark unter den Ängsten vor den ökonomischen Folgen des Iran-Kriegs gelitten. In London zählten neben Banken die Aktien von Bergbaukonzernen wie Anglo American (plus 6,4 Prozent) oder Antofagasta (plus 5,9 Prozent) zu den Tagesgewinnern. Auch die Goldpreise profitierten von der Hoffnung auf eine Deeskalation des Kriegs und stiegen am Mittwoch.

Anleihenkurse und Euro profitieren ebenfalls von der Aussicht auf ein Kriegsende

Die Kurse von Staatsanleihen profitierten ebenfalls von der Hoffnung auf ein Kriegsende und legten zu. Die Anleihenrenditen kamen im Gegenzug zurück. Die Ängste vor hoher Inflation in Folge der Ölpreisanstiege seit dem Kriegsbeginn und damit auch vor gegensteuerenden Zinserhöhungen der Notenbanken hatten die Anleihenkurse im März deutlich belastet. Die Anleihenrenditen waren im Gegenzug teilweise auf Mehrjahreshochs gestiegen, die Rendite 30-jähriger britischer Staatsanleihen kletterte zeitweise sogar auf den höchsten Stand seit 1998.

Auch der Euro war mit der Aussicht auf ein Kriegsende wieder stärker gesucht und stieg am Mittwoch wieder über die Marke von 1,16 Dollar. Zuletzt hatte der Euro zeitweise noch unter 1,15 US-Dollar notiert. Der Dollar hatte während des Kriegs von seiner Rolle als sicherer Hafen in Krisenzeiten und Rohstoffwährung aber auch von der Erwartung steigender Zinsen profitiert, nun dürfte aber eine Gegenbewegung einsetzen.

Öl- und Gaspreise gehen zurück

Der Optimismus im Iran-Krieg machte sich auch bei den weiter gesunkenen Ölpreisen bemerkbar, die zuletzt als wichtiger Gradmesser für die Konjunktur- und Inflationssorgen der Anleger fungierten. Rohöl der wichtigen Referenzölsorte Brent zur Lieferung fiel am Terminmarkt in der Früh zeitweise unter die wichtige Marke von 100 US-Dollar je Fass (159 Liter). Zu Wochenbeginn wurde Brent noch über 110 Dollar gehandelt.

Der Preis für europäisches Erdgas ist ebenfalls weiter deutlich gefallen. An der Börse in Amsterdam sank die Notierung für den richtungsweisenden Erdgas-Terminkontrakt am Mittwoch im Tagesverlauf um etwa 6 Prozent auf 47,70 Euro je Megawattstunde (MWh). Im März hatte die Notierung in der Spitze 74 Euro erreicht.

Zu den wenigen Verlierern an den Börsen zählten damit auch die Aktien großer Öl- und Gaskonzerne. Im Euro-Stoxx-50 lagen die Aktien von ENI und TotalEnergies mit Verlusten von 3,3 bzw. 2,2 Prozent ganz unten. In London verloren die Ölriesen BP und Shell an der Börse 2,7 bzw. 1,7 Prozent. Aktien des österreichischen Ölfeldzulieferers SBO fielen um 3,0 Prozent. OMV-Aktien kamen mit einem Minus von 0,8 Prozent glimpflich davon.

mik/spa

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