ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Erholung - EuroStoxx bricht auf Monatssicht ein
Die wichtigsten europäischen Börsen
haben sich am Dienstag etwas weiter von ihren Verlusten im Zuge des
Iran-Kriegs erholt. Die Optimisten am Markt klammern sich aktuell an
die Hoffnung, dass der Krieg im Nahen Osten bald enden könnte. Laut
dem "Wall Street Journal" soll sich US-Präsident Donald Trump
gegenüber seinen Beratern bereit erklärt haben, den Krieg zu
beenden. Dies solle geschehen, selbst wenn die strategisch wichtige
Straße von Hormus weiterhin weitgehend gesperrt bleibe.
Der EuroStoxx 50 gewann 0,50 Prozent auf 5.569,73
Punkte. Auf Monatssicht ergibt dies ein Minus von 9,3 Prozent. Das
ist der größte Einbruch seit März 2020, als die Corona-Pandemie die
Märkte auf Talfahrt geschickt hatte.
In Zürich stieg der SMI am Dienstag um 0,85 Prozent
auf 12.776,79 Punkte. Für den britischen FTSE 100
(Footsie) ging es um 0,48 Prozent auf 10.176,45 Punkte nach oben.
Das Geschäft verlief mit angezogener Handbremse. "Die Stimmung der
Anleger pendelt weiter zwischen der Angst, eine Erleichterungsrally
zu verpassen, und den Befürchtungen einer erneuten Eskalation hin
und her", schrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst CMC Markets
Zur Vorsicht mahnen derzeit die möglichen Folgen eines längeren
Konflikts im Iran und anhaltend hoher Ölpreise. "Mit dem starken
Anstieg der Energiepreise wächst die Befürchtung, dass die
Weltwirtschaft in eine stagflationäre Phase geraten könnte, also in
eine Zeit schwachen Wachstums bei gleichzeitig hoher Inflation", gab
Duncan Lamont, Leiter Strategic Research bei der Fondsgesellschaft
Schroders, zu bedenken. "Für den Aktienmarkt ist das im historischen
Mittel das ungünstigste Szenario."
Aus Branchensicht waren Finanzdienstleister mit plus
1,7 Prozent stark gefragt. Hier stützten die Gewinne des
Schwergewichts UBS in Höhe von 4 Prozent. Das
Institut kann laut einem Medienbericht auf politische Unterstützung
bei den Plänen rund um schärfere Kapitalvorschriften hoffen.
Führende schweizerische Parlamentarier hätten versichert, dass sie
einen Kompromiss zu den Plänen des Bundesrats vorschlagen würden,
schrieb die "Financial Times" (FT) unter Berufung auf Insider. UBS
wollte den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP nicht
kommentieren.
Für die Anteilscheine von DocMorris ging es um fast
13 Prozent nach oben. Börsianer verwiesen vor allem auf Eindeckungen
von Leerverkäufen zum Quartalsende hin. Denn Anleger, die auf
fallende Kurse gesetzt hatten, wurden durch die jüngste Erholung der
Aktien auf dem falschen Fuß erwischt. Analyst Felix Dennl vom
Bankhaus Metzler verwies zudem auf die Reformvorschläge für das
deutsche Krankenkassen-System. Vor allem der Vorschlag, die
Zuzahlung von gesetzlich Versicherten für verschreibungspflichtige
Medikamente zu erhöhen, könnte die Verbraucher dazu veranlassen, von
Apotheken vor Ort zu den preisgünstigeren Versandapotheken zu
wechseln.
In London sackten die Anteilscheine von Unilever als
klares Schlusslicht im "Footsie" um mehr als sieben Prozent ab. Der
Konsumgüterkonzern verkauft den Großteil seines
Lebensmittelgeschäfts an den US-Gewürzhersteller McCormick & Co
. In Folge der nun vereinbarten Transaktion hält
Unilever 65 Prozent an dem fusionierten Unternehmen. Der Experte
Callum Elliott vom US-Analysehaus Bernstein Research äußerte sich
skeptisch: Das fusionierte Unternehmen dürfte hoch verschuldet sein
und die Hauptnotierung in den USA dürfte voraussichtlich erheblichen
Verkaufsdruck seitens der europäischen Unilever-Aktionäre
auslösen./la/he