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ROUNDUP: Hausärzte fordern Krankenkassen zum Sparen auf

In der Debatte um die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen stellen Hausärzte und Sozialverbände die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen infrage. Der GKV-Spitzenverband weist die Forderung zurück. Die Zahl der Kassen sei bereits stark gesunken, die Verwaltung schlank und obendrein seien die Kosten geringe als in der privaten Krankenversicherung, kontert der Verband.

"Die Krankenkassen können ja mal ihre Mitglieder fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber zahlen: Dafür, dass sie auch in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden oder dafür, 90 Kassen zu finanzieren", sagte der Bundesvorsitzende des Der Chef des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, der "Rheinischen Post". "Es wird Zeit, dass die Kassen endlich den Rotstift bei sich selbst ansetzen, statt immer nur bei der Versorgung ihrer Versicherten", argumentierte Blumenthal-Beier. Mittelfristig müssten die Kassen ihre Verwaltungskosten "dringend halbieren".

Auch Sozialverbände zweifeln an hoher Zahl der Kassen

Ähnlich sehen es große Sozialverbände. Die Präsidentin des Verbandes VdK, Verena Bentele sagte der "Rheinischen Post": "Es ist nicht mehr vermittelbar, dass wir uns in Deutschland ein System aus über 90 gesetzlichen Krankenkassen leisten." Diese Kleinteiligkeit schaffe unnötige Doppelstrukturen und binde erhebliche Beitragsmittel in der Verwaltung. Hier gehe es um Milliardenbeträge, die direkt in die Versorgung der Patientinnen und Patienten fließen sollten.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) mahnte ebenfalls, die Verwaltungsstruktur der gesetzlichen Krankenversicherung sei kritisch zu hinterfragen. Dazu gehöre die Frage, ob eine Vielzahl von Krankenkassen mit eigenen Verwaltungen noch zeitgemäß ist, erklärte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Sie sieht aber auch die Politik gefragt und forderte einen dynamisierten Bundeszuschuss, eine gerechtere Beteiligung hoher Einkommen und einem fairen Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung sowie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel auf sieben Prozent.

CSU-Politiker fordert Zusammenschlüsse

Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, riet den Kassen in der "Rheinischen Post", "von sich aus verstärkt Synergien zu suchen, Kooperationen auszubauen und Zusammenschlüsse einzuleiten - bevor der Gesetzgeber handeln muss".

Zahl der Krankenkassen sinkt seit Jahrzehnten

Nach Angaben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es derzeit 93 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Das sind deutlich weniger als noch vor einigen Jahrzehnten: Im Jahr 1970 etwa lag die Zahl noch bei 1.815. Zur Jahrtausendwende waren es noch 420 gesetzliche Krankenversicherungen.

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, betonte: "Selbstverständlich müssen auch wir immer wieder hinterfragen, wo wir besser und effizienter arbeiten können. Weil wir das machen, sind die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen insgesamt wirklich günstig." Während bei den gesetzlichen Krankenkassen von einem Euro vier Cent für Verwaltung ausgegeben werden, seien es bei der privaten Krankenversicherung rund zehn Cent.

GKV hält mit Zahlen dagegen

Während überall im Gesundheitssystem die Kosten gestiegen seien, sei der Anteil der Verwaltungskosten der GKV rückläufig, betont der Spitzenverband. "Stand heute sind die gesetzlichen Krankenkassen das gute Beispiel dafür, wie Versorgung und Verwaltung schlank organisiert werden", erklärte Blatt. Er verwies zudem darauf, dass für das Jahr 2026 mit dem Sparpaket aus dem Herbst 2025 bereits ein Verwaltungskostendeckel für die gesetzlichen Krankenkassen eingeführt, der 100 Millionen Euro einspart.

Die GKV machte zugleich deutlich, dass der Personalbestand der gesetzlichen Krankenkassen sich innerhalb von zehn Jahren um 3,1 Prozent auf 132.250 im Jahr 2024 gesunken sei. Im gleichen Zeitraum sei die Anzahl der Versicherten um 5,4 Prozent oder rund 3,8 Millionen auf rund 74,6 Millionen gestiegen. "Die Beratung unserer 75 Millionen Versicherten bleibt die Kernaufgabe der Verwaltung, ob am Telefon, vor Ort in der Geschäftsstelle oder Online. Wir sind für unsere Versicherten da und wollen das auch bleiben", unterstrich Blatt.

Ausgaben steigen stärker als Einnahmen

Die gesetzlichen Krankenkassen hatten im vergangenen Jahr nach einer Welle von Beitragserhöhungen zwar einen Überschuss verbucht. Allerdings waren auch ihre Ausgaben stark gestiegen, wie das Bundesgesundheitsministerium kürzlich mitteilte. Nach Angaben von Ministerin Nina Warken (CDU) steigen die Ausgaben seit 2024 wesentlich stärker als die Einnahmen. Kostentreiber sind demnach Klinikbehandlungen, Ausgaben für Arzneimittel und Praxisbehandlungen.

Ein von Warken eingesetztes Experten-Gremium soll bis Ende März Vorschläge zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen vorlegen. Bis zum Jahresende sollen weitergehende Reformvorschläge folgen. Hintergrund ist eine für 2027 erwartete Finanzlücke im zweistelligen Milliardenbereich./tay/DP/jha

AXC0158 2026-03-20/12:43

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