Semperit-Gewinn 2025 weggeschmolzen - Übernahmeangebot durch B&C / B&C bietet 15 Euro/Aktie - Semperit-Ergebnis nach Steuern bricht um 96 Prozent auf 0,4 Mio. Euro ein - Nullrunde bei Dividende - Operatives EBITDA aber über Prognose
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Der an der Wiener Börse notierte Gummi- und Kautschukkonzern Semperit hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Unterm Strich blieben nach Steuern nur noch 0,4 Mio. Euro übrig, was einem Minus von über 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Aktionäre sollen infolgedessen für 2025 keine Dividende erhalten, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.
Am Mittwochvormittag kam dann ein freiwilliges Übernahmeangebot des Mehrheitsaktionärs B&C Holding Österreich. Dieser möchte sämtliche ausstehende Aktien der Semperit übernehmen, die rund 41,52 Prozent des Grundkapitals der Semperit entsprechen. Der Angebotspreis beträgt 15,00 Euro je Aktie in bar, dies entspreche einer Prämie von rund 25 Prozent auf den Schlusskurs der Semperit-Aktie vom 17. März 2026, teilte B&C mit. Das Angebot unterliegt keiner Mindestannahmeschwelle, nur ein Kurseinbruch beim ATX um rund 50 Prozent vom aktuellen Wert innerhalb der Annahmefrist wird als aufschiebende Bedingung angeführt. Die Annahmefrist wird - nach der Prüfung durch die Übernahmekommission - mit der Veröffentlichung der Angebotsunterlagen beginnen und acht Wochen dauern, teilte die B&C-Gruppe mit. Die B&C-Gruppe hält derzeit rund 58,48 Prozent des Grundkapitals der Semperit.
Das Übernahmeangebot der B&C käme wohl "für alle überraschend", sagte der Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA), Florian Beckermann, am Mittwoch zur APA. Es sei aber auch ein "Beleg dafür, dass B&C an die langjährigen Sanierungsbemühungen bei Semperit glaubt". Der Markt reagierte am Mittwoch stark auf die Ankündigung von B&C, die Aktien schnalzten um knapp 24 Prozent nach oben.
Betriebsergebnis eingebrochen
Der Umsatz von Semperit ging 2025 leicht um 2,1 Prozent auf 662,4 Mio. Euro zurück. Das ausgewiesene Betriebsergebnis (EBIT) brach hingegen um knapp 27 Prozent auf 25,6 Mio. Euro ein. Belastet wurde das Ergebnis unter anderem durch Wertminderungen in Höhe von 3,3 Mio. Euro auf den Kundenstock im Bereich Flüssigsilikon (LSR). Zusätzlich drückten negative Währungseffekte von 4,5 Mio. Euro infolge eines schwächeren US-Dollars auf das Finanzergebnis.
Um die finanzielle Basis für künftige Wachstums- und Innovationsprojekte zu stärken, plant der Vorstand die Aussetzung der Dividende. Für das Jahr 2024 waren noch 0,50 Euro je Aktie ausgeschüttet worden. Einen Lichtblick gab es beim operativen Ergebnis (EBITDA) vor Projektkosten: Dieses sank zwar um 3,2 Prozent auf 83,6 Mio. Euro, übertraf damit aber die Erwartungen und die eigene Prognose. Im zweiten Halbjahr habe das Unternehmen zudem deutlich an operativer Dynamik gewonnen. "Das zweite Halbjahr hat klar gezeigt, welches operative Potenzial in Semperit steckt", sagte Semperit-CEO Manfred Stanek am Mittwoch vor Journalisten. So steigerte Semperit die EBITDA-Marge von 9,6 Prozent auf 14,3 Prozent. Positiv entwickelte sich auch die Eigenkapitalquote, die von 47,2 Prozent auf 48,5 Prozent anstieg, merkte CFO Helmut Sorger dazu an.
Wachstum geplant
Für das laufende Jahr 2026 rechnet das Management der Semperit mit einer Rückkehr auf den Wachstumskurs. Das operative EBITDA soll auf rund 95 Mio. Euro steigen und der Umsatz im höheren einstelligen Prozentbereich zulegen. Der Iran-Krieg belaste derzeit das Unternehmen nicht, da Semperit für die benötigten Rohstoffe mehrere Lieferanten aus den verschiedensten Regionen habe, merkte CIO Gerfried Eder dazu an. Nur wenn der Ölpreis für eine längere Zeit deutlich steigen würde, hätte dies einen signifikanten Einfluss auf die Materialkosten. Einen Wettbewerbsnachteil sieht Eder eher bei den Kosten für CO2-Zertifikate, die Anbieter aus China nicht einkalkulieren müssen.
Auf Grund der Kostenstruktur profitiere der Gummi- und Kautschukkonzern überproportional vom Umsatzwachstum, so Stanek, der auf die Entwicklung im Vorjahr verwies: Im ersten Quartal 2025 ging demnach der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 152 Mio. Euro zurück, das EBITDA brach hingegen um 52 Prozent auf 11 Mio. Euro ein. Im vierten Quartal hingegen sorgte ein Umsatzplus von 5 Prozent auf 179 Mio. Euro für einen Anstieg des EBITDA um 31 Prozent.
Mittelfristig - bis 2030 - peilt der Konzern ein organisches Wachstum auf 1 Mrd. Euro Umsatz an. Semperit will das Produktportfolio um den Bereich Defense erweitern, wobei es hier in erster Linie um Dual-Use-Güter gehen wird, etwa Lärmdämmung für Generatoren, merkte Stanek dazu an. Hier sei man gerade dabei, Mitarbeiter zu rekrutieren. Aber auch Zukäufe könnten kommen. An Möglichkeiten mangle es nicht, merkte der CEO an, aber es müsse auch der Preis passen.
fel/bel/ivn/stf/tsk
ISIN AT0000785555
WEB http://www.semperitgroup.com
https://bcgruppe.at/
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