ROUNDUP: Fast jedem Zweiten bringt ein Termin beim Jobcenter nichts
Fast jedem zweiten Langzeitarbeitslosen bringt ein Gang zum Jobcenter nach eigenem Empfinden nichts. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Arbeitslosen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Zwar geben laut der in Gütersloh vorgestellten Studie viele der Langzeitarbeitslosen den für sie zuständigen Mitarbeitern gute Noten: Mehr als zwei Drittel der Befragten sind mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden, knapp drei Viertel halten die Mitarbeiter für kompetent. Doch am Ende sagen 47 Prozent, dass ihnen Termine im Jobcenter nichts bringen und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht verbessert wurden.
Bundesagentur: Schwachen Arbeitsmarkt berücksichtigen
Die Bundesagentur für Arbeit als Mitbetreiberin der meisten Jobcenter relativierte dieses Bild. Die Studie blende womöglich die gegenwärtig schlechte wirtschaftliche Lage und die damit historisch niedrige Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarkts aus, sagte ein Sprecher. Die Zahl der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen könne derzeit gar nicht hoch sein. Zumal viele Bürgergeldempfänger nach Helferjobs suchten - 4 von 5 ausgeschriebenen Stellen richteten sich aber an qualifizierte Kräfte.
Trotz eines derzeit schwierigen Arbeitsmarkts hätten innerhalb von zwölf Monaten rund 725.000 Bürgergeldempfänger eine Beschäftigung aufnehmen können. 88 Prozent der Arbeitslosen im Bürgergeld hätten mindestens ein Vermittlungshemmnis, knapp die Hälfte mindestens zwei - beispielsweise ein hohes Lebensalter oder keine Ausbildung. Die Jobcenter unterstützten intensiv beim Abbau solcher Hemmnisse - diese Arbeit der Jobcenter münde nicht sofort in die Vermittlung, sei aber wichtig.
Vermittlungshemmnisse abbauen
"Beratung und Vermittlung sind Kernaufgabe der Jobcenter. Vermittlungshemmnisse müssen abgebaut werden. Doch gerade bei Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt kommen diese Aufgaben häufig zu kurz", sagt dagegen Tobias Ortmann, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.
Laut der Studie haben 46 Prozent der Bürgergeldempfänger mehrere Vermittlungshemmnisse, wie etwa Krankheiten oder fehlende Qualifikationen. Die Studienautoren fordern deshalb, das bisherige Konzept zu ändern. Hier spricht sich die Bertelsmann Stiftung für mehr Coaching, Qualifikation und konkrete Stellenangebote aus. Das führe zu einem deutlich positiveren Urteil bei der Bewertung der Jobcenter.
Zufriedenheit kein Gradmesser für Erfolg
Allerdings sei die Zufriedenheit allein kein Gradmesser. Bei den Langzeitarbeitslosen ohne Vermittlungshemmnissen müsse stärker eine eigenständige Jobaufnahme gefordert werden. Zwar leide darunter die Zufriedenheit bei der Betreuung. Dennoch müsse, so die Autoren, die Vermittlung in Arbeit bei dieser Gruppe intensiviert werden. Die dann frei werdenden Kapazitäten der Jobcenter-Mitarbeiter könnten dann in die Betreuung der Arbeitslosen mit Vermittlungshemmnissen gesteckt werden, argumentieren die Autoren.
Reform ab 1. Juli 2026
Befragt wurden vom 15. April bis 18. Juni 2025 über 1.000 Arbeitslose im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Anfang März hat der Bundestag beschlossen, dass ab dem 1. Juli aus dem Bürgergeld für rund 5,5 Millionen Bezieher eine neue Grundsicherung mit strengeren Regeln wird. Wer nicht mitwirkt, soll empfindliche Kürzungen bei den Sozialleistungen hinnehmen müssen./lic/DP/nas
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