Wiener Börse (Nachmittag) - ATX dämmt Verluste ein / Hohe Ölpreise belasten - Wochenminus von 1,6 Prozent in Aussicht - UNIQA nach Zahlen unter Druck
Der Krieg der USA und Israel gegen den Iran hat den Wiener Aktienmarkt auch am Freitag weiter belastet. Immerhin konnte der ATX noch größere Verluste aus dem frühen Handel bis zum Nachmittag etwas eindämmen, wobei ihm eine leichte Entspannung bei den Ölpreisen zugute kam.
Zuletzt lag der Leitindex noch 0,56 Prozent im Minus auf 5.319,71 Punkten. Damit dürfte er die zweite vom Irankrieg geprägte Handelswoche mit einem kumulierten Verlust von rund 1,6 Prozent abschließen. Für den ATX Prime ging es am Freitag um 0,56 Prozent auf 2.782,71 Zähler hinab.
Andere europäische Börsenbarometer drehten hingegen moderat in die Gewinnzone, während die Wall Street positiv ins Geschäft startete. Insgesamt dürfte die Risikobereitschaft vor dem Wochenende wegen möglicher weiterer Ereignisse im Nahen Osten aber gedämpft bleiben. Unterm Strich enttäuschende Konjunkturdaten von beiden Seiten des Atlantiks wirkten sich kaum auf die Märkte aus.
Vom fast drei Wochen alten Rekordhoch bei knapp 5.867 Punkten ist der ATX bereits um gut neun Prozent zurückgefallen. Damit nähert sich der Leitindex wieder der charttechnischen Korrekturzone, die üblicherweise ab einem Rückgang von rund zehn Prozent von der vorherigen Kursspitze definiert wird. Diese Schwelle hatte das Börsenbarometer im früheren Verlauf der Woche bereits vorübergehend unterschritten.
Der Brent-Ölpreis hielt sich am Freitag nahe der Marke von 100 US-Dollar. Irans neuer Führer Mojtaba Khamenei hatte am Donnerstag bekräftigt, dass die Straße von Hormuz geschlossen bleiben soll. Zudem droht der Iran mit weiteren Angriffen auf die Öl- und Gas-Infrastruktur der Region. Die erhöhten Energiepreise schlagen sich durch wachsende Sorgen über die Auswirkungen auf Inflation und Konjunktur wiederum auf die Aktienkurse nieder.
Fraglich bleibt, wie die Europäische Zentralbank (EZB) auf einen Inflationsanstieg reagieren würde. Einer Bloomberg-Umfrage zufolge rechnet die große Mehrheit der vor wenigen Tagen befragten Ökonomen damit, dass die EZB ihre Schlüsselzinssätze in diesem Jahr noch nicht anheben wird. An den Terminmärkten werden hingegen bereits bis zu zwei kleine Zinsanhebungen bis Jahresende eingepreist. Knackpunkt ist dabei, ob die EZB ölpreisbedingte Inflationsanstiege als vorübergehend ansehen kann, was insbesondere auf die Auswirkungen auf die Inflationserwartungen im Euroraum ankommen dürfte.
UNIQA rutschten in Wien nach Zahlen um 3,7 Prozent ans ATX-Ende ab. Der Aktienkurs hatte sich seit Beginn des Vorjahres jedoch schon mehr als verdoppelt. Der Versicherer hatte 2025 unter anderem wegen ausbleibender Naturkatastrophen deutlich besser verdient und hob daher die Dividende deutlich an. Erste-Analyst Thomas Unger stufte Zahlen und Ausblick des Versicherers als erwartungsgemäß ein. Der höher als erwartet ausgefallene Dividendenvorschlag sei eine positive Überraschung.
Unter den wenigen Gewinnern im ATX befanden sich die Ölwerte. Angesichts der starken Ölpreisanstiege reagierten mehrere Analysten mit Kurszielanhebungen für europäische Branchenvertreter. OMV stiegen um 1,8 Prozent. Klare Abgaben gab es jedoch bei den konjunktursensiblen Industriewerten und Banken.
Außerhalb des Leitindex fielen Mayr-Melnhof um ein Prozent auf 93,5 Euro. Analyst Michael Marschallinger von der Erste Group hob sein Kursziel von 82,2 auf 95,5 Euro an, beließ das Papier jedoch auf "Hold". Der europäische Kartonsektor befinde sich weiterhin in einer anhaltenden Phase struktureller Ungleichgewichte, die durch Überangebot, gedrückte Auslastungsraten und eine schwache Nachfrage gekennzeichnet sei, schrieb der Analyst.
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