Aktien Frankfurt: Dax trotz hoher Ölpreise nur knapp im Minus
Der Dax hat am Donnerstag in
einem Umfeld wieder erhöhter Ölpreise und positiver Reaktionen auf
Unternehmensberichte nur leicht nachgegeben. Ein Fass der
Nordsee-Ölsorte Brent kostete am Morgen zeitweise wieder mehr als
100 US-Dollar. Eine Panik, wie es sie am Montag mit einer
Ölpreisspitze bei fast 120 Dollar und einem Dax-Tief von 22.927
Punkten gegeben hatte, blieb nun jedoch aus.
Der deutsche Leitindex sank gegen Mittag nur noch leicht um 0,1
Prozent auf 23.622 Zähler. Die Verluste wurden stetig kleiner,
nachdem sich in Indikationen am frühen Morgen noch eine deutlichere
Annäherung an das Montagstief abgezeichnet hatte. Der MDax
schaffte es zuletzt mit 0,1 Prozent ins Plus auf
29.433 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx
jedoch sank noch um 0,4 Prozent.
Maßgeblich für Anleger bleibt die Entwicklung der Öl- und Gaspreise,
weil der von den USA und Israel angegriffene Iran immer stärker die
Energiewirtschaft in der Golfregion ins Visier nimmt. US-Präsident
Donald Trump stellt zwar seit Tagen ein baldiges Ende des Krieges in
Aussicht. Noch scheinen die Kapazitäten des Regimes in Teheran aber
ausreichend für zumindest schmerzhafte Schläge.
Die Reaktion auf einige Unternehmensberichte half dem Dax beim
Begrenzen seiner Verluste. Spitzenreiter im Leitindex waren die
Zalando -Aktien. Sie sprangen um 12 Prozent nach oben.
Verwiesen wurde auf Zahlen über den Erwartungen, ein angekündigtes
Aktienrückkaufprogramm und erfreuliche Zielsetzungen. Für 2026
bleibt der Online-Händler optimistisch, indem er weiter wachsen und
dabei auch auf die Anwendung von KI setzen will.
Gewinne gab es auch bei Daimler Truck . Auch wenn der
Anstieg mit zuletzt 2,3 Prozent wieder etwas kleiner wurde,
überraschte dies doch nach vorbörslich schwachen Indikationen. Der
Ausblick des Nutzfahrzeugbauers enttäuschte zwar auf den ersten
Blick, doch dem standen ein solides viertes Quartal und positive
Aussagen zur Auftragsentwicklung gegenüber.
Nach Zahlenvorlagen gab es außerdem Gewinne zwischen 2,1 und 3,4
Prozent bei Brenntag , RWE und Hannover
Rück . Der Rückversicherer aus Hannover überzeugte die
Anleger mit einer höher als gedachten Dividende, während beim
Energiekonzern RWE der langfristige Ausblick gut ankam. Der
Chemikalienhändler Brenntag will seinen Sparkurs wegen anhaltendem
Gegenwind noch einmal verschärfen.
Auch anziehende Kurse im Rüstungssektor verhinderten, dass sich der
Leitindex seinem jüngsten Tief deutlicher näherte. Rheinmetall
erholten sich um 2,5 Prozent von ihrem Jahrestief,
wozu das italienische Branchenunternehmen Leonardo
mit einem starken Ausblick einen bedeutenden Impuls gab.
Nach der Zahlenvorlage verblieb BMW nach zeitweise
deutlicheren Verlusten zuletzt noch leicht mit 0,3 Prozent im Minus.
Die Aktien des Autobauers dämmten ihre Verluste ein in der
Erwartung, dass sich die im vierten Quartal enttäuschende Marge im
Automobilgeschäft 2026 wieder bessert. Den Ausblick für den freien
Mittelzufluss bezeichnete der JPMorgan-Experte Jose Asumendi als
stark.
Hinten im Dax versammelten sich Finanzwerte, die europaweit stark
unter Druck standen - wie schon länger im Iran-Krieg. Die Branche
gilt als besonders abhängig von den Konjunkturerwartungen, die
maßgeblich von den Energiepreisen abhängen. Das Schlagwort
Stagflation geht um - also stagnierendes Wachstum bei gleichzeitiger
Inflation. Zudem nehmen die Kreditrisiken zu. Titel der Deutschen
Bank sackten am Donnerstag um 3,7 Prozent ab.
In den hinteren Börsenreihen entwickelte sich K+S mit
einem Kurssprung um acht Prozent zum auffälligsten Wert. Die Aktien
setzten damit ihre Überlegenheit in Zeiten des Iran-Kriegs fort,
weil beachtliche Kapazitäten am Kalimarkt aus Nahost stammen.
Experten lobten die Jahresziele des Düngemittelkonzerns, die leicht
über den Erwartungen lägen. Der Kurs näherte sich mit knapp 17 Euro
dem Vorjahreshoch./tih/jha/