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Neue US-Zölle bremsen Österreichs Wirtschaft leicht / Bruttoinlandsprodukt könnte um 0,11 Prozent zurückgehen - in der EU um 0,26 Prozent - Außenhandel braucht Diversifizierung

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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Untertitel, 3., 6. und letzter Absatz mit Ergänzungen aus einer wiiw-Analyse zum Außenhandel.
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Während US-Präsident Donald Trump bereits mit neuen Zöllen droht, zeichnen sich die Auswirkungen der im Februar neu verhängten pauschalen US-Zölle von 10 Prozent auf Waren aus der EU ab. In Österreich könnten die Zölle zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,11 Prozent führen, in der EU drohe im Schnitt ein Rückgang des BIP um 0,26 Prozent, so das Ergebnis einer Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO.

Dabei sei Österreichs Wirtschaft von den Exporten in die USA kaum direkt betroffen. Schwerwiegender sind die indirekten Effekte über europäische Produktionsnetzwerke. "Wenn große EU-Volkswirtschaften ihre Produktion drosseln, trifft das österreichische Zulieferbetriebe unmittelbar", erklärt Asjad Naqvi, Forscher am ASCII und Senior Economist am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO). Mit Auswirkungen ist in drei bis sechs Monaten zu rechnen. Eventuelle Maßnahmen wie eine Neuausrichtung der Lieferketten sind jedoch nicht berücksichtigt.

Wobei Österreichs Außenhandel einseitig an exportorientierten Großunternehmen hängt und vor allem durch die Intensivierung bestehender Handelsbeziehungen wächst, geht aus einer ebenfalls am Montag veröffentlichten Studie des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hervor. "Die Analyse macht deutlich, dass nur ein kleiner Teil der österreichischen Unternehmen permanent im Außenhandel tätig ist, nämlich in erster Linie die größeren und produktiveren Firmen, die mit hochwertigen Produkten auf den Weltmärkten aktiv sind", sagt Robert Stehrer, Studienautor und wissenschaftlicher Direktor des wiiw. Die größten zehn Prozent der heimischen Unternehmen generieren rund 90 Prozent des Handelsvolumens. Daher sollte die Politik Programme zur Produktivitätssteigerung und Internationalisierung kleinerer Betriebe forcieren, so eine Empfehlung des wiiw.

Bergbau und Rohstoffgewinnung stark betroffen

Vor allem vorleistungsintensive und international eng verflochtene Industrien sind in Österreich laut der Studie von ASCII und Wifo betroffen. Mit minus 0,58 Prozent sind die größten Rückgänge im Bergbau und der Rohstoffgewinnung zu erwarten. Aber auch bei der Herstellung von chemischen Erzeugnissen (-0,51 Prozent), der Metallerzeugung und -bearbeitung (-0,30 Prozent) sowie der Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (-0,21 Prozent). In der Textilindustrie und bei nicht-metallischen Mineralerzeugnissen könnte es zu einem Rückgang um 0,21 bzw. 0,20 Prozent kommen. Moderat betroffen sein werden den Angaben zufolge die sonstigen Warenherstellungen sowie der Transportsektor mit einem Rückgang um je 0,14 Prozent. Der Maschinenbau sollte mit einem Minus von 0,01 Prozent hingegen glimpflich davonkommen.

Länder mit einer starken industriellen Basis könnten spürbare Einbußen verzeichnen. Für Deutschland und Italien rechnen die Ökonomen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,13 Prozent, für Frankreich mit 0,14 Prozent. Vor allem Deutschland und Italien sind für Österreichs Zulieferer wichtige Exportmärkte. "Gerade in stark verflochtenen Industrien wirken sich selbst kleine Nachfragerückgänge in großen EU-Ländern überproportional auf österreichische Zulieferer aus", sagte der stellvertretender ASCII-Direktor Klaus Friesenbichler.

Diversifizierung bei Exportmärkten und Rohstoffen

Die Ökonomen von Wifo, ASCII und wiiw empfehlen, auf mehrere Exportmärkte zu setzen. Stehrer verweist zudem auf einseitige Abhängigkeiten Österreichs bei strategischen Rohstoffen, etwa bei Erdgas oder Seltenen Erden. Daher sollten auch die Bezugsquellen diversifiziert werden. Aber auch neue Handelsabkommen, mehr Recycling, Importsubstitution und die strategische Bevorratung kritischer Produkte und Rohstoffe werden empfohlen.

Besonders betroffene Industriesegmente müssten nach Ansicht von ASCII und Wifo unterstützt werden, etwa durch Innovationsförderung, Investitionen in technologische Modernisierung und eine strategische Standortpolitik. Im Binnenmarkt ist laut den Ökonomen eine koordinierte europäische Industrie- und Handelspolitik notwendig. So sollten die entsprechenden Lieferketten über eine bessere europäische Koordination abgesichert und diversifiziert werden, empfiehlt das wiiw.

fel/ivn

 ISIN   
 WEB   https://www.wifo.ac.at/
       http://www.wiiw.ac.at/
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