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GESAMT-ROUNDUP: Chamenei-Sohn oberster Führer Irans - Rauch über Teheran

Gut eine Woche nach dem Beginn des Iran-Kriegs und dem Tod des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei hat das zuständige Gremium dessen Sohn zum Nachfolger berufen.

Der 56-jährige Modschtaba Chamenei wird in dem Amt, das die oberste geistliche Autorität und die Rolle des Staatsoberhaupts vereint, künftig das letzte Wort in allen politischen und militärischen Belangen haben. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst bereits deutlich gemacht, dass er den Chamenei-Sohn als neues staatliches Oberhaupt ablehne.

Die Entscheidung wurde erst nach Mitternacht Ortszeit verkündet, nach einem Tag, der mit der Bombardierung eines Öllagers in Teheran begonnen hatte. Dichte Rauchschwaden hatten den Himmel über der Hauptstadt bedeckt. Aufnahmen nach dem Angriff am Samstagabend zeigten einen gewaltigen Feuerball.

Schon jetzt Drohungen gegen den Nachfolger

Ajatollah Ali Chamenei war bei einem israelischen Luftangriff am 28. Februar in Teheran getötet worden. Das israelische Militär drohte, dass auch der Nachfolger nicht sicher sei. "Die Hand des Staates Israel wird weiterhin jeden Nachfolger verfolgen, und jeden, der einen Nachfolger zu ernennen versucht", hieß es in einem Post auf Farsi auf der Plattform X. Ähnlich hatte sich auch US-Präsident Donald Trump geäußert.

Deutsches Botschaftspersonal in Sicherheit gebracht

Angesichts der schweren Angriffe der USA und Israels brachte die Bundesregierung das Personal der deutschen Botschaft in Teheran vorübergehend im Ausland in Sicherheit. Die Erreichbarkeit der Botschaft sei aber gewährleistet, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. In Deutschland demonstrierten in mehreren Städten Menschen für die Freiheit des Irans.

Die iranische Nachrichtenagentur Isna veröffentlichte Warnungen an die Bewohner Teherans, die in der Nähe des angegriffenen Öldepots leben. Sie wurden aufgefordert, bei Regen ihre Häuser nicht zu verlassen. Auch das Tragen von Atemschutzmasken wurde empfohlen.

Bahrain: Iran greift willkürlich zivile Ziele an

Der Iran antwortet auf die amerikanisch-israelischen Militärschläge seit Samstag vergangener Woche mit Angriffen auf Israel und die Golfstaaten. In Israel wurden am Sonntag neue Raketenangriffe gemeldet. In Kuwait wurde das Gebäude der Behörde für Sozialversicherungen bei einem mutmaßlich iranischen Angriff getroffen. Die Luftabwehr fing drei ballistische Raketen ab und zerstörte sie, wie die kuwaitische Armee auf X mitteilte.

Erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs ist es in Saudi-Arabien infolge eines mutmaßlich iranischen Angriffs zu Todesfällen gekommen. Zwei Menschen seien beim Einschlag eines Geschosses in ein Wohngebäude im Gouvernement al-Chardsch südöstlich der Hauptstadt Riad getötet worden, hieß es vom Zivilschutz. In Bahrain wurde eine wichtige Anlage für die Aufbereitung von Trinkwasser getroffen. Es handle sich um "iranische Aggression, die sich willkürlich gegen zivile Ziele" richte, teilte Bahrains Innenministerium mit.

Ähnlich wie andere Golfstaaten ist das kleine Land Bahrain für seine Wasserversorgung stark auf die Entsalzung von Meerwasser angewiesen. Die rund 400 Anlagen in den Golfstaaten, die vor allem mit Öl und Gas betrieben werden, produzieren etwa 40 Prozent des weltweit entsalzten Wassers.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte den USA am Samstag vorgeworfen, eine Entsalzungsanlage auf der in der Straße von Hormus gelegenen Insel Qeschm angegriffen zu haben. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Trump erweist gefallenen US-Soldaten letzte Ehre

Trump und US-Finanzminister Scott Bessent hatten am Wochenende schwerste Angriffe auf den Iran angekündigt. Die "New York Times" berichtete mit Verweis auf einen hochrangigen Militär, die Angriffe auf das Korps der iranischen Revolutionsgarden, Flugabwehrsysteme sowie Raketen seien verstärkt worden. Angaben zu Todesopfern gab es zunächst nicht.

Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) rief Zivilisten im Iran am Sonntag auf X dazu auf, zu Hause zu bleiben.

Trump nahm am Samstag an der Überführung der sechs im Iran-Krieg getöteten US-Soldaten teil. Er reiste dafür zum Luftwaffenstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware, wo er auch auf die Familien der Gefallenen traf. Die Soldaten waren nach US-Angaben in den ersten Kriegstagen bei einem Drohnenangriff in Kuwait getötet worden. Inmitten zumeist schwarz gekleideter Gäste stach Trump auch deshalb hervor, weil er eine weiße Baseball-Kappe mit der Aufschrift "USA" trug.

Israel greift auch weiter im Libanon an

Israel führte neben neuen Angriffen auf den Iran nach eigenen Angaben weitere Attacken auf die Hisbollah im Libanon durch. In der Hauptstadt Beirut seien Kommandeure der Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden das Ziel gewesen. Nach libanesischen Angaben griff die israelische Armee dabei ein Zimmer eines Luxushotels an.

Israel habe auch südlich des Litani-Flusses nahe der gemeinsamen Grenze angegriffen, teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit. Dort sei in einem Dorf ein Wohngebäude getroffen worden, mindestens 15 Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Örtlichen Medienberichten zufolge waren auch Frauen und Kinder unter den Opfern. Rettungskräfte suchten unter Trümmer nach Opfern.

Die Armee begründete die Angriffe mit terroristischen Aktivitäten der Hisbollah. Anwohner wurden aufgerufen, sich nördlich des Litani-Flusses in Sicherheit zu begeben. Teil des aktuellen Militäreinsatzes im Libanon ist nach israelischen Angaben auch eine begrenzte Bodenoffensive mit dem Ziel, eine Sicherheitszone entlang der Grenze einzurichten, vermutlich um Hisbollah-Kämpfer weiter nach Norden zu drängen und das Risiko von Angriffen zu verringern./mj/DP/zb

AXC0117 2026-03-08/23:35

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