Kleriker im Iran fordert Geduld bei Wahl von Religionsführer
Ein einflussreicher Geistlicher im Iran hat mit Blick auf die Wahl eines neuen Religionsführers um Geduld gebeten. Der Prediger Ahmad Chatami sagte in einem Interview mit dem Staatsfernsehen, dass nach der Tötung von Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei keine Probleme bei der Führung des Landes herrschten. Bis zur Wahl eines neuen Religionsoberhauptes benötige das Land aber Zeit. "Jetzt herrscht Krieg, aber wir alle sind bemüht", sagte er.
Gemäß der iranischen Verfassung bestimmt der Expertenrat, ein Gremium aus 88 Geistlichen, das neue Staatsoberhaupt. Der 65-jährige Chatami, Prediger in der Hauptstadt Teheran, gehört diesem Rat an. Den Staat lenkt bis dahin ein Trio, bestehend aus Präsident Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie Aliresa Arafi, einem Mitglied des Wächterrats.
Israels Verteidigungsminister drohte am Mittwoch, sein Land werde auch den Nachfolger Chameneis töten. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Chameneis Sohn Modschtaba.
Geistliches und weltliches Oberhaupt mit großer Macht
Der oberste Führer im Iran ist die unangefochtene Autorität. Er vereint politische Macht und religiöse Legitimation und bestimmt letztlich die strategische Ausrichtung des Staates. Seine Macht beruht gemäß der Staatsideologie auf der sogenannten "Velajat-e Faghih", der Herrschaft eines islamischen Rechtsgelehrten.
Als Staatsoberhaupt legt er die politischen Leitlinien fest. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, besetzt Schlüsselpositionen in Justiz und Militär und kontrolliert mächtige Gremien. Eine feste Amtszeit gibt es nicht./arb/DP/mis
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