Österreichische Staatsanleihen im Späthandel mit Verlusten / Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe stieg um 4 Basispunkte auf 3,00 Prozent - Eskalation im Nahen Osten stützte Anleihen nicht
Die Kurse österreichischer Bundesanleihen haben sich am Montagnachmittag mit Kursverlusten gezeigt. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen österreichischen Benchmark-Anleihe ist um 4 Basispunkte auf 3,00 Prozent gestiegen. Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Anleihe betrug 29 Basispunkte. Der Euro-Bund-Future fiel um 0,54 Prozent auf 129,60 Punkte.
Entgegen den Erwartungen verliehen die Eskalation im Nahen Osten und teilweise deutliche Kursverluste an den Aktienmärkten den Kursen der heimischen Bundesanleihen keinen Auftrieb, obwohl diese als vergleichsweise sicher gelten. Der am Wochenende mit Angriffen der USA und Israels gestartete Iran-Krieg weitet sich nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ayatollah Ali Khamenei immer weiter aus. Die libanesische Hisbollah-Miliz feuerte in der Nacht Raketen auf Israel ab und griff damit an der Seite Teherans in den Kampf gegen den Erzfeind ein. Die USA und Israel setzten ihre Angriffe im Iran fort - auch die Gegenangriffe Teherans auf Israel und die Golfstaaten rissen nicht ab.
Ins Blickfeld geriet auch die Lage am heimischen Arbeitsmarkt. Diese verbesserte sich im Februar nicht, der Anstieg der Arbeitslosenzahlen fiel aber etwas geringer als zuletzt aus. Ende des Monats waren 436.160 Personen arbeitslos oder befanden sich in Schulung, um 1,4 Prozent bzw. 6.220 Personen mehr als im Vorjahresmonat, teilte das Arbeitsmarktservice (AMS) am Vormittag mit. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Februar um 0,2 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent. In mehreren Bundesländern sind die Zahlen bereits rückläufig, AMS-Chef Johannes Kopf ortet Signale der Entspannung.
Wegen der erhöhten Unsicherheit rund um die Lage im Nahen Osten sollte sich die EZB laut OeNB-Chef Martin Kocher auch für Zinsänderungen bereithalten. Je nach Lage könne es erforderlich sein, dass die Zinszügel gelockert oder auch gestrafft werden müssten, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) dem "Wall Street Journal" in einem Interview. Die erhöhten geopolitischen Spannungen könnten die Wirtschaft belasten, Störungen an den Ölmärkten die Inflation steigern.
Die Stimmung in der US-Industrie verschlechterte sich im Februar indes nicht so stark wie erwartet. Der Einkaufsmanagerindex ISM fiel nur um 0,2 Punkte auf 52,4 Punkte, wie das Institute for Supply Management (ISM) in Tempe mitteilte. Im Jänner war der Index noch deutlich gestiegen. Volkswirte hatten für Februar im Schnitt einen stärkeren Rückgang auf 51,5 Punkte erwartet.
In den Industrieunternehmen der Eurozone verbesserte sich die Stimmung im Februar hingegen weiter und deutet nun auf eine zaghafte Belebung der Branche hin. Der Indikator für die Stimmung der Einkaufsmanager stieg um 1,3 Punkte auf 50,8 Punkte, wie S&P in London nach einer zweiten Schätzung mitteilte. Eine erste Schätzung wurde damit wie von Analysten erwartet bestätigt. Der Stimmungsindikator befindet sich somit erstmals seit August wieder über der Schwelle von 50 Punkten. Dies deutet auf ein Anziehen der wirtschaftlichen Aktivität hin.
Renditen ausgewählter österreichischer Benchmark-Anleihen:
Laufzeit Aktuell Vortag Veränderung Spread (in Basispunkten) 2 Jahre 2,11 2,06 0,05 3 5 Jahre 2,47 2,43 0,04 15 10 Jahre 3,00 2,96 0,04 29 30 Jahre 3,69 3,65 0,04 33
rst/mik