ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Überwiegend moderate Verluste
Belastet von deutlichen Verlusten
der US-Technologiebörse Nasdaq und des KI-Champions Nvidia
haben Europas wichtigste Aktienmärkte am Donnerstag
am Ende mehrheitlich etwas nachgegeben. Ansonsten war das
Handelsgeschehen in Europa von Quartalszahlen und Ausblicken
zahlreicher Unternehmen geprägt.
Der EuroStoxx 50 erklomm am frühen Nachmittag ein
Rekordhoch bei 6.199,78 Punkten, drehte mit Eröffnung der US-Börsen
aber ins Minus. Letztlich büßte der Leitindex der Eurozone 0,19
Prozent auf 6.161,56 Punkte ein. Außerhalb des Euroraums fiel der
schweizerische SMI um 0,45 Prozent auf 13.913,73
Zähler. Der britische FTSE 100 erreichte ebenfalls
eine neue Bestmarke und schloss mit einem Plus von 0,37 Prozent bei
10.846,70 Punkten.
Trotz erneut beeindruckender Quartalszahlen von Nvidia und
unerwartet positiver Ziele für das neue Geschäftsjahr knickten die
Papiere des weltweit wohl bedeutendsten Halbleiterkonzerns merklich
ein. Eine schlüssige Erklärung, warum die Aktie nicht zu einem
Sprung nach oben ansetzte, sondern auf steile Talfahrt ging,
lieferte Marktstratege Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI: Für
Nvidia reiche es inzwischen nicht mehr, die Erwartungen zu
übertreffen. Der KI-Zyklus sei vielmehr bereits so weit
fortgeschritten, dass sich die Anleger zunehmend fragten, wie lange
es noch so rasant weitergehen werde.
Im EuroStoxx gehörten die Aktien von Schneider Electric
mit plus 3,0 Prozent zu den Top-Werten. Der
Technologiekonzern, der laut der kanadischen Bank RBC mit einem
überraschend starken Umsatzwachstum punktete, erwartet im neuen
Geschäftsjahr dank der hohen Nachfrage nach Rechenzentren mehr
Umsatz und Gewinn.
Eni legten um 1,7 Prozent zu. Das Papier des
italienischen Öl- und Gaskonzerns profitierte von einem starken
Jahresabschluss, wie Analysten schrieben.
Argenx gaben ihre frühen Gewinne ab und schlossen mit
einem Verlust von 8,2 Prozent am EuroStoxx-Ende. Der
Biotech-Spezialist verfehlte im Schlussquartal die Markterwartungen.
Analysten bemängelten aber vor allem den fehlenden Ausblick auf
2026.
Die anfangs stabilen Titel von Stellantis reagierten
am Nachmittag mit einem merklichen Kursanstieg auf Aussagen des
Managements bei einer Analystenkonferenz und endeten 4,2 Prozent
höher. Der Autokonzern machte im vergangenen Jahr wegen hoher
Abschreibungen auf seine Elektroautostrategie unter dem Strich einen
Verlust von mehr als 22 Milliarden Euro. Konzernchef Antonio Filosa
schürte allerdings während der Analystenkonferenz die Hoffnung, dass
es im wichtigen Absatzmarkt Nordamerika schnell wieder besser wird.
In Paris richteten sich die Blicke auf Engie . Der
Energiekonzern veröffentlichte Quartalszahlen. Der am Vorabend
bekannt gemachte Kauf von UK Power Networks, den wichtigsten
Stromverteiler im Südosten Englands, kam zudem bei den Analysten gut
an. Die Aktie stieg um 7,2 Prozent.
In London ging es für Rolls-Royce auf ein Rekordhoch.
Letztlich gewannen die Papiere 3,2 Prozent. Der britische
Triebwerkshersteller kommt schneller aus der Krise als erwartet und
hob seine Ziele für 2028 an.
Die Anteile von London Stock Exchange rückten nach
der Vorlage von Geschäftszahlen um 9,1 Prozent vor. Die für Anleger
wichtigere Debatte drehe sich jedoch um Künstliche Intelligenz (KI),
schrieb Aktienexperte Matt Britzman von Hargreaves Lansdown. Das
Management habe den Börsenbetreiber nun als KI-Profiteur in den
Mittelpunkt gestellt und nicht als KI-Opfer, wie zuletzt befürchtet
worden sei, hieß es./edh/he