Aktien Europa: Rekordlauf setzt sich mit moderatem Tempo fort
Nach den jüngsten Rekorden
zahlreicher europäischer Börsen ging es am Donnerstag mit leichtem
Schwung weiter aufwärts. Die am Vorabend mit Spannung erwarteten
Quartalszahlen des KI-Champions Nvidia aus den USA
gaben nur leichten Auftrieb. Die Anleger blieben vorsichtig. In
Europa ging der Blick außerdem noch in Richtung zahlreicher weiterer
Bilanzen und Ausblicke.
Der Leitindex der Euroregion, der EuroStoxx 50 ,
erreichte mit plus 0,3 Prozent auf 6.192 Punkte eine neue Bestmarke.
In Paris kletterte der Cac 40 mit plus 0,8 Prozent
auf ein weiteres Rekordhoch. Außerhalb der Eurozone testete der
britische Leitindex FTSE 100 ebenfalls neue
Rekordhöhen und legte zuletzt um 0,1 Prozent auf 10.821 Punkte zu.
Der Schweizer SMI stieg ebenfalls um 0,1 Prozent und
erreichte 13.994 Punkte.
Wie Marktstratege Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI Asset
Management zu Nvidia erklärte, reiche es inzwischen nicht mehr, die
Erwartungen zu übertreffen. "Das sagt alles darüber, wo wir uns
gerade im Zyklus befinden." Der Markt preise nicht mehr Wachstum
ein, sondern es gehe inzwischen um die Dauerhaftigkeit.
Im EuroStoxx nahmen die Aktien von Schneider Electric
die Spitze ein mit plus 4,2 Prozent. Der Technologiekonzern, der
laut der kanadischen Bank RBC mit einem überraschend starken
Umsatzwachstum punktete, erwartet im neuen Geschäftsjahr dank der
hohen Nachfrage nach Rechenzentren zudem mehr Umsatz und Gewinn.
Eni stiegen um 1,5 Prozent. Das Papier des
italienischen Öl- und Gasunternehmens profitierte von einem starken
Jahresabschluss, wie Analysten schrieben.
Argenx gaben ihre frühen Gewinne weitgehend ab und
legten zuletzt nur noch um 0,1 Prozent zu. Der Biotechspezialisten
gab detaillierte Quartalszahlen bekannt. Dabei bescherte der
zunehmende Erfolg des Muskelschwäche-Medikaments Vyvgart dem
Unternehmen erstmals in seiner knapp 20-jährigen
Unternehmensgeschichte im Tagesgeschäft einen Gewinn.
In Paris richteten sich die Blicke auf Engie . Der
Energiekonzern gab Quartalszahlen bekannt und zudem auch den Kauf
von UK Power Networks, den wichtigsten Stromverteiler im Südosten
Englands. Das kam gut bei den Analysten an. Pierre-Alexandre
Ramondenc von Baader Europe etwa lobte das Zahlenwerk. Den Zukauf
nannte er zudem einen strategisch sinnvollen und preislich
angemessenen Schritt, "insbesondere im Vergleich zu Iberdrolas
Transaktion im Bereich der britischen Netzwerke im Jahr 2024". Die
Aktie stieg um 7,7 Prozent.
In London ging es für Rolls-Royce auf ein Rekordhoch.
Zuletzt gewannen die Papiere 5,0 Prozent. Der britische
Triebwerkshersteller kommt schneller aus der Krise als erwartet und
hob seine Ziele für 2028 an.
Die Anteile der London Stock Exchange (LSE) rückten
nach Zahlen um 6,7 Prozent vor. Die für Anleger wichtigere Debatte
drehe sich jedoch um KI, schrieb Aktienexperte Matt Britzman von
Hargreaves Lansdown. Dabei erinnerte er daran, dass das Papier des
Börsenbetreibers inmitten der Befürchtungen, dass generative Modelle
das Daten- und Softwaregeschäft stören könnten, unter Druck geraten
war. Das Management habe an diesem Tag KI nun bewusst in den
Mittelpunkt gestellt und die LSE als Wegbereiter für die Einführung
von KI erklärt und nicht als Opfer./ck/jha/