Zunehmende Zweifel an hohen Investitionen in
Künstliche Intelligenz verunsichern am Freitag erneut die Anleger am
deutschen Aktienmarkt. Negative Nachrichten vom Autobauer Stellantis
setzten zudem den europäischen Autosektor stark unter Druck und
zogen hiesige Autowerte mit nach unten.
Dem Dax gelang es dennoch, sich bis gegen Mittag in
die Gewinnzone vorzuarbeiten. Mit einem Plus von 0,36 Prozent auf
24.579 Punkte steht der deutsche Leitindex auf Wochensicht und seit
Jahresanfang aktuell knapp im Plus.
Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte notierte am
Freitag prozentual fast unverändert bei 31.249 Punkten. Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,4 Prozent.
Mit hohen vorbörslichen Abschlägen im US-Handel für Amazon
zeigt sich, wie hartnäckig sich die KI-Sorgen der
Anleger halten. Der Handelsriese will in diesem Jahr rund 200
Milliarden US-Dollar unter anderem in KI, Chips, Robotik und
Satelliten stecken. Damit liegt Amazon noch über dem gigantischen
Investitionsvolumen der Google-Mutter Alphabet .
Amazon werde zunächst darunter leiden, dass die Anleger hohe
Investitionen ohne konkreten Umsatzerfolg sehr kritisch sehen,
kommentierten Analysten von Goldman Sachs. "Der
KI-Investitions-Kater verwandelt sich gerade in eine wilde Flucht",
schrieb Stephen Innes von SPI Asset Management. Die Anlegerstimmung
erscheine gerade wie das Negativ des Booms von 2021.
In Frankfurt gab es vor dem Wochenende im IT- und Softwaresektor
erneut hohe Verluste. Die Papiere des IT-Dienstleisters Bechtle
brachen nach Quartalszahlen um gut 7 Prozent ein. Der
Ausblick belastete. Cancom und Nemetschek
konnten sich dem Sog nicht entziehen. Auch SAP
im Dax büßten weiter ein, wenn auch gegen Mittag nur
noch moderat.
Hiobsbotschaften von Stellantis setzten dem
Autosektor zu. Der Fiat- und Chrysler-Mutterkonzern schreibt wegen
der US-Elektroauto-Kehrtwende rote Zahlen und streicht die
Dividende. Das Zurücksetzen der Strategie gehe einher mit einer
Abschreibung von fast 22 Milliarden Euro, hieß es. Stellantis
sackten in Paris um fast ein Viertel ab. Im sehr schwachen
europäischen Autosektor verloren die im Dax notierten Aktien von
Volkswagen , BMW und Mercedes
teilweise mehr als 2 Prozent.
Die Papiere von Bayer waren gefragt bei einem Plus
von 1,5 Prozent. Detaillierte Studienergebnisse zum
Medikamentenkandidaten Asundexian machen Anlegern Hoffnung auf gute
Geschäfte mit dem Blutgerinnungshemmer. Ein Aktienhändler sprach von
einem sehr positiven Ergebnis.
Eine Hochstufung für Renk gab den Papieren des
Rüstungsherstellers Auftrieb. Exane BNP votiert nun mit
"Outperform". Das Plus für Renk betrug zuletzt 7,7 Prozent./ajx/stw