ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: SAP-Verlust und Geopolitik belasten Dax schwer
Ein massiver Kursverlust des Schwergewichts
SAP hat am Donnerstag auch den Dax auf
tieferes Niveau gezogen. Der Softwarekonzern hatte mit
Quartalszahlen und Prognosen herbe enttäuscht. Als weiteren
Belastungsfaktor für den deutschen Aktienmarkt führten
Marktstrategen ins Feld, dass die Investoren den Fokus wieder
stärker auf geopolitische Spannungen richteten, vor allem auf den
sich verschärfenden Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und
dem Iran.
Angesichts dieses Gegenwinds verlor der Dax 2,07 Prozent auf
24.309,46 Punkte. Knapp die Hälfte davon ging auf das Konto der
schwachen SAP-Aktie. Nicht ganz so stark war der Druck auf die Kurse
im MDax der mittelgroßen Börsenwerte. Er verlor 1,29
Prozent auf 31.233,68 Zähler.
Am Nachmittag gerieten auch die Kurse an der Wall Street unter
Druck, belastet vor allem von einer einbrechenden Microsoft
-Aktie. Als Seismograf für die derzeitige Verfassung
der Anleger verheiße die aktuelle Entwicklung nichts Gutes, schrieb
Analystin Christine Romar von CMC Markets. Wenn etwa die USA in den
kommenden Stunden oder Tagen den Iran erneut angriffen, "dann dürfte
sich der Abwärtstrend in Frankfurt noch einmal deutlich
beschleunigen", warnte die Analystin.
SAP kann seine Anleger mit einer angepeilten Beschleunigung des
Umsatzwachstums nicht über die Enttäuschung um die aktuelle Lage
hinwegtrösten. Ende 2025 konnten die Walldorfer nicht so viele
Verträge im Wachstumsfeld Cloudsoftware abschließen wie erhofft. Um
die Investoren bei Laune zu halten, steckt das Unternehmen die
kommenden zwei Jahre bis zu 10 Milliarden Euro in Aktienrückkäufe.
Das SAP-Papier brach dennoch um gut 16 Prozent auf den tiefsten
Stand seit rund zwei Jahren ein. Einen größeren Tagesverlust gab es
zuletzt im Oktober 2020, als der Software-Entwickler wegen eines
Strategieschwenks und auch wegen der Corona-Pandemie die
Geschäftsziele drastisch zusammenstrich.
Die Deutsche Bank verzeichnete 2025 ein
Vorsteuerergebnis von 9,7 Milliarden Euro auf Rekordniveau. Damit
erreichte das Geldhaus nicht nur sein Renditeziel, sondern übertraf
auch die Erwartungen von Analysten. Die in den vergangenen Monaten
bereits stark gestiegene Aktie verlor in dem schwachen Gesamtmarkt
1,3 Prozent.
Die Deutsche-Bank-Tochter DWS übertraf 2025 ihre
Ziele und legte die Latte für die kommenden Jahre höher. Zudem
sollen die Aktionäre im Jahr 2027 eine Sonderdividende erhalten. Die
DWS-Aktien schnellten um gut 10 Prozent nach oben und erklommen ein
Rekordhoch.
Siemens gewannen an der Dax-Spitze 2 Prozent und
verpassten nur knapp ein Rekordhoch. Beobachter verwiesen auf den
starken Auftragseingang des Konkurrenten ABB , der
positive Rückschlüsse auf die Orderlage von Siemens zulasse.
Nemetschek fielen um 3,6 Prozent. Sie litten wie auch
die anderen europäischen Software-Unternehmen unter den schwachen
Vorgaben von SAP. Nemetschek vertreibt Software für Bau und
Architektur.
Die Kupferpreisrally zieht Anleger weiterhin auch in die Aktien von
Aurubis . Die Papiere der Hamburger Kupferhütte
setzten ihre Rekordjagd fort und gewannen weitere 2,6 Prozent.
Der EuroStoxx 50 fiel am Donnerstag um 0,7 Prozent.
Außerhalb der Eurozone legte der schweizerische SMI
um ein Prozent zu. Der Londoner FTSE 100 gewann 0,2
Prozent. Der US-Tech-Index Nasdaq 100 verlor zum europäischen
Handelsschluss 1,7 Prozent./bek/he