ROUNDUP/Quartal schwach: Carl Zeiss Meditec verabschiedet sich von Jahresziel
Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec
Vor allem der chinesische Markt macht dem Konzern weiter zu schaffen. Der Vorstand wolle "schnellstmöglich" ein präzisiertes Jahresziel vorstellen, spätestens aber im Rahmen der Halbjahresergebnisse am 12. Mai, hieß es weiter. Zudem solle es ein Update zu Umbau- und Sparmaßnahmen geben.
Das im Mittelwerteindex MDax
Die Gewinnwarnung signalisiere sinkende Konsensprognosen, wobei das Ausmaß unklar sei, schrieb Jack Reynolds-Clark von der kanadischen Bank RBC in einer ersten Reaktion. Analyst David Adlington von der US-Bank JPMorgan gab bereits eine konkretere Einschätzung ab: Angesichts des unerwartet schwachen ersten Quartals müssten die Schätzungen für das operative Jahresergebnis nun um rund zehn Prozent sinken, glaubt er.
Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende Dezember) sank vorläufigen Berechnungen des Unternehmens zufolge der Umsatz auf 467 Millionen Euro, nach 490 Millionen ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) sackte von 35 auf 8 Millionen Euro.
Für die verhaltene Entwicklung machte der Hersteller von Intraokularlinsen, Operationsmikroskopen und Diagnosegeräten für die Augenheilkunde erhebliche negative Währungseffekte verantwortlich. Obendrein sei das Vorquartal durch außergewöhnlich starke Auslieferungen von Geräten geprägt gewesen.
Belastend hinzu kamen den Angaben zufolge Umsatzeinbußen bei einer bifokalen Intraokularlinse in China und zeitliche Verschiebungen der Nachfrage nach refraktiven Augenbehandlungen rund um das chinesische Neujahrsfest. Auch verwies der Konzern auf ein zunehmend schwächeres Investitionsumfeld in der Region Americas aufgrund zunehmender geopolitischer Unsicherheiten. Den endgültigen Quartalsbericht will das Unternehmen am 12. Februar präsentieren.
Für das Gesamtjahr 2025/26 hatte das Management zuletzt im Dezember einen Umsatzanstieg auf Basis damaliger Wechselkurse im mittleren einstelligen Prozentbereich prognostiziert - entsprechend einem Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro. Auch die operativen Kennziffern Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) und Ebita sollten weiter ansteigen: Für die Ebita-Marge waren 12,5 Prozent eingeplant, nach 11,6 Prozent ein Jahr zuvor. Im Auftaktquartal lag der Wert rechnerisch aber gerade einmal bei 1,7 Prozent.
China gilt mit rund einem Viertel des Gesamtumsatzes als einer der wichtigsten Märkte für Zeiss Meditec, doch die Probleme dort bestehen schon länger. Peking hat für wichtige Gesundheitsbereiche ein volumenbasiertes Beschaffungssystem eingeführt, wodurch es zu zunehmendem Preisdruck im Markt kommt. Das hat auch deutliche Auswirkungen auf das ostdeutsche MDax-Unternehmen. Auch bei der letzten Zahlenvorlage im Dezember hatte das Management auf verschärfte Bedingungen in China und in den USA hingewiesen. In der Volksrepublik werde die Zulassung neuer Produkte durch staatliche Vorgaben immer schwieriger, hatte etwa Finanzvorstand Justus Felix Wehmer seinerzeit erklärt.
Mit Blick auf die Überprüfung der Prognose erläuterte der Konzern nun, dass noch einige wichtige Ergebnisse aus China fehlten, etwa bei einer neu zugelassenen Linse. Zudem sei unter anderem noch nicht klar, wie der Konzern bei dem landesweiten Tenderverfahren abgeschnitten habe.
Die Probleme treffen Carl Zeiss Meditec ausgerechnet in einer Zeit des personellen Übergangs: Seit Jahresbeginn hat Aufsichtsratschef Andreas Pecher übergangsweise die Führung übernommen, nachdem der bisherige Vorstandschef Maximilian Foerst nach nur wenigen Monaten im Amt ausgeschieden war. Der Manager hatte einen Verstoß gegen den internen Verhaltenskodex der Zeiss-Gruppe eingeräumt. Foerst hatte den Chefposten erst im Juni 2025 übernommen, nachdem sein Vorgänger Markus Weber das Unternehmen überraschend verlassen hat./tav/err/jha/
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