Aktien Frankfurt: Dax steigt über 25.000 Punkte - 'Weltwirtschaft wird umgebaut'
Die imposante Aufwärtsbewegung im Dax
ist am Mittwoch mit dem Sprung über die Marke von
25.000 Punkten weitergegangen. In der Spitze kletterte der deutsche
Leitindex mit 25.086 Punkten so hoch wie nie zuvor. Gegen Mittag
gewann er 0,70 Prozent auf 25.066 Punkte. Die Börsenstimmung
weltweit ist zu Beginn des Börsenjahres 2026 trotz gravierender
geopolitischer Spannungen von Zuversicht geprägt.
Es mute angesichts der Entwicklung der Weltwirtschaft paradox an,
dass die Aktienmärkte aufblühen, kommentierte Ulrich Kater,
Chefvolkswirt der Dekabank, die Lage. "Aber man darf nicht
vergessen, dass der gegenwärtige Umbau der Weltwirtschaft enorme
Investitionen in Gang setzt. Das reicht von den staatlichen
Infrastrukturprogrammen bis hin zum neuen weltweiten
Technologiewettlauf um die beste KI. Die Weltwirtschaft wird nicht
zertrümmert, sie wird umgebaut", analysierte der Ökonom.
Der jüngste Angriff der USA auf Venezuela und die Gefangennahme des
venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch US-Elitetruppen
sorgte im noch frühen Jahr 2026 nicht für Verunsicherung, eher für
Hoffnung auf sinkende Ölpreise, die sich auch schon ein Stück weit
bewahrheitet hat. Billigeres Öl ist gut für die Weltwirtschaft,
könnte den Inflationsdruck mindern und weitere Zinssenkungen durch
Notenbanken bedeuten.
Kater mahnte zugleich, dass neue geopolitische Rivalitäten auch
schnell zu Stolpersteinen für die Weltwirtschaft werden könnten. Die
Liste der Risiken reiche gegenwärtig von weiteren militärischen
Konflikten bis hin zu einer ausufernden Kreditvergabe an
Technologiefirmen.
Neben dem Dax befindet sich am deutschen Aktienmarkt auch der MDax
im Aufwind und setzt seinen im November gestarteten
Höhenflug fort. Der Index der mittelgroßen Börsenwerte erreichte am
Mittwoch den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2022 und gewann
zuletzt 0,74 Prozent auf 31.903 Punkte. Der EuroStoxx 50
als Leitindex der Eurozone sank derweil um 0,1
Prozent.
Im Blick stehen am Mittwoch Wirtschaftsdaten aus den USA und Europa,
darunter der ADP-Jobbericht und Inflationsdaten aus der Eurozone.
Die Teuerung in der Euroregion schwächte sich im Dezember dank
gefallener Energiekosten wie erwartet ab. Mit 2 Prozent sank die
Inflationsrate wieder auf die Zielmarke der Europäischen Zentralbank
(EZB), bei der sie die Preisstabilität als gewährleistet ansieht.
Für den Aktienmarkt sind das gute Nachrichten, denn Zinserhöhungen
werden damit unwahrscheinlicher.
Das weltweite Boom-Thema Künstliche Intelligenz befeuert am Mittwoch
im Dax die Siemens-Aktien . Der Industriekonzern und
der US-Chipriese Nvidia weiten ihre Zusammenarbeit in
diesem Bereich deutlich aus, wie zur Eröffnung der Technikmesse CES
Siemens-Vorstandschef Roland Busch und Nvidia-Chef Jensen Huang
bekanntgaben. Die im Dax schwer gewichteten Siemens-Papiere stiegen
auf ein Rekordhoch und gewannen zuletzt 2 Prozent.
Auf einen Höchststand kletterten auch Heidelberg Materials
, zuletzt ging es um 2,8 Prozent hinauf. Der
Baustoffkonzern gilt als Profiteur steigender Investitionen für
Infrastruktur in Deutschland sowie eines möglichen Wiederaufbaus der
Ukraine im Fall einer Friedenslösung.
Hinten im Dax verloren Scout24 4,5 Prozent. Der
Internetportal-Betreiber bekommt mit Martin Mildner einen neuen
Finanzchef. Dies sorgte am Markt zunächst für etwas Unruhe.
Die Internet-Apotheke Redcare Pharmacy sowie der
Leasing-Anbieter Grenke zogen mit Geschäftszahlen die
Aufmerksamkeit auf sich. Redcare profitierte 2025 vom Wachstum mit
elektronischen Rezepten in Deutschland. Allerdings verfehlte das
Wachstum etwas die mittlere Analystenerwartung. Die Papiere sackten
um 5,7 Prozent ab. Grenke schloss trotz eines mauen Schlussquartals
das Jahr 2025 mit mehr Neugeschäft ab. Die Aktien legten um 2,5
Prozent zu.
Thyssenkrupp gewannen 5,7 Prozent. Anleger setzen
weiterhin auf eine Lösung für das europäische Stahlgeschäft. Ein
Pressebericht zu Details des möglichen Verkaufs der Stahlsparte an
den indischen Jindal-Konzern gab Aufrieb. Stahlwerte waren am
Mittwoch generell gefragt.
Die Papiere des Chemiekonzerns Evonik wurden von der
Privatbank Berenberg abgestuft und verloren 1,4 Prozent. Für den
Reisekonzern Tui senkte Peel Hunt den Daumen, die
Anteile gaben um 2,5 Prozent nach. Lufthansa
reagierten mit einem Zuwachs von 2 Prozent auf eine
"Overweight"-Einstufung durch Morgan Stanley und Bayer
mit einem Plus von 1,1 Prozent auf eine Hochstufung
auf "Overweight" durch Barclays./ajx/mis