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'Wir wissen, dass wir zwei anspruchsvolle Jahre vor uns haben'

Börse Express: Sie haben letztes Jahr begonnen, in den Kapazitätsausbau des Standortes Waidhofen/Ybbs zu investieren. Was erhoffen Sie sich von diesem Ausbau, und kommt es durch die Krise zu Verzögerungen?

Frank Wiegmann: Unsere Bautätigkeiten sind voll im Gange. Das neue Bene Forschungs- und Innovationszentrum in Waidhofen/Ybbs wird im späten Frühjahr 2009 fertig gestellt und bezogen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 8 Mio. Euro. Unsere Investitionen am Standort Waidhofen/Ybbs sind in unterschiedlichen Ausbaustufen geplant. Die Umsetzung weiterer Stufen ist auch von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung abhängig. Unsere Kapazitäten der Produktion sind zur Zeit ausreichend: Wir produzieren heute auf einer Fläche von 42.000 m2. Die Rentabilität dieser Fläche haben wir laufend gesteigert. Sollten wir an unsere Grenzen stossen, könnten wir mit dem Ausbau unseres Werkes starten.

BE: Als Büromöbelausstatter sind Sie eher im spätzyklischen Bereich angesiedelt. Folglich könnten die schlimmsten Auswirkungen der Krise noch vor Ihnen liegen. In welchen Bereichen macht sich die Krise bereits bei Ihnen bemerkbar?

Wiegmann: Im letzten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres spürten wir bei den Büromöbeln leichte Rückgänge, die sich im laufenden Quartal verschärfen. Wir rechnen entsprechend aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Zyklizität unseres Geschäfts im Jahr 2009/10 mit einem Rückgang - dafür haben wir entsprechende Massnahmenpakete entwickelt und handeln gegebenenfalls entsprechend. Am 14. Mai präsentieren wir unsere Zahlen für das Geschäftsjahr 2008/09.

BE: Laut dem Bericht für das dritte Quartal war Grossbritannien Ihr schwächster Markt. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Wiegmann: Wir haben umgehend Kapazitätsanpassungen zur Kostenreduktion vorgenommen, um die Rentabilität unseres Segmentes "UK" positiv zu unterstützen.

BE: Bemerken Sie in der Finanzierung Probleme?

Wiegmann: Bene verfügt über eine solide Finanzstruktur, daher bemerken wir aufgrund der überaus komfortablen Liquiditäts- und Eigenkapitalposition keinerlei Probleme in der Finanzierung.

BE: Inwiefern leiden Sie unter schwachen Währungen?

Wiegmann: Wir haben als exportorientierte Unternehmen ein grosses Fremdwährungs-Exposure. Dieses haben wir bei "grossen" Währungen, wie z.B. dem britischen Pfund, abgesichert.

BE: Wie wollen Sie erwartete Umsatzrückgänge kompensieren? Welche Einsparungsmassnahmen werden Sie treffen?

Wiegmann: Einsparungen sind in allen Unternehmensbereichen ein Thema. Wir prüfen und analysieren laufend sämtliche Möglichkeiten, beziehen diese in unsere integrierte Szenario- Unternehmensplanung ein und setzen sie, wenn notwendig, auch sofort um.

BE: Sie haben 2008 Ihren Personalstand in Österreich erhöht. Wie schaut es 2009 aus? Werden sie gezwungen sein, Personal abzubauen, und ist Kurzarbeit ein Thema für Sie?

Wiegmann: Wir beobachten ganz genau die Entwicklungen und ergreifen punktuell Massnahmen, indem wir Möglichkeiten ausschöpfen, zum Beispiel Abbau unserer Leiharbeiter, Reduktion von Urlaubs- und Überstundenständen und keine automatische Nachbesetzung von Positionen, die aufgrund von Pensionierungen oder sonstigen Gründen frei werden. Kurzarbeit ist für uns wirtschaftlich gesehen nicht zielführend und deshalb kein Thema.

BE: Welche (internationalen) Grossprojekte sind gerade in Arbeit?

Wiegmann: Zu unseren aktuellen Grossprojekten zählen zum Beispiel Aeroflot in Moskau, Sparkassenversicherungen in Frankfurt, Waburg in London, Chamber of Commerce in Dubai und das Landeskrankenhaus in Klagenfurt.

BE: Welche Prognosen haben Sie für dieses Jahr? Werden Sie operativ im Plus bleiben?

Wiegmann: Die wirtschaftliche Situation bestimmt auch unsere Rahmenbedingungen - deshalb ist eine weiter in die Zukunft gerichtete Prognose/Einschätzung der weiteren Entwicklungen nicht möglich. Wir wissen, dass wir zwei anspruchsvolle Jahre vor uns haben.

BE: Wie wird sich das Ergebnis auf die Dividende auswirken?

Wiegmann: Der Vorstand behält sich seine Entscheidung bis Ende April vor und wird dann entsprechend der gesamtwirtschaftlichen Situation und daraus abgeleiteten Zukunftseinschätzung dem Aufsichtsrat einen verantwortungsvollen Vorschlag unterbreiten.

BE: Sind nach der Übernahme der deutschen TILL Gruppe 2006 und des Fachhandelspartners in Belgien 2007 derzeit weitere Übernahmen geplant?

Wiegmann: Die Preise für Übernahme-Targets werden sich im Laufe der nächsten Monate für einen potenziellen Käufer noch verbessern. Wir halten immer Ausschau, gehen aber davon aus, dass es noch bessere Zeitpunkte in der nächsten Zukunft geben wird.

BE: Haben Sie für dieses Jahr Expansionspläne? Wo wollen sie Ihre Marktposition besonders ausbauen?

Wiegmann: Die weitere Expansion ist derzeit kein Thema, weil inzwischen alle Regionen von der Krise betroffen sind. Es geht jetzt darum, dass wir uns in unseren bestehenden Märkten absichern, verstärkt engagieren und mit noch mehr Fokus und Einsatz agieren.

BE: Überlegen Sie, die Produktion aus Österreich auszulagern?

Wiegmann: Nein.

BE: Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Wiegmann: Bene verfügt über eine hochmoderne Just- In-Time-Produktion und Logistik in Waidhofen/ Ybbs: Ein durchgängiges, integriertes Datenmodell ermöglicht uns "Rainbow Mass Customization". Das heisst, dass wir für jeden Kunden seine spezifischen Masse, Ausstattung und Ausführung individuell fertigen können. Weiters garantiert Bene Termintreue, hohe Qualitätsstandards und liefert alle Produkte auftragsbezogen komplett ausgestattet an die Kunden. All das ist nur mit qualifiziertem Fachpersonal, verlässlichen Lieferanten und Partnern und kurzen Wegen möglich.

BE: Welche bekannten Designer arbeiten bei Bene?

Wiegmann: Kai Stania, Christian Horner und Johannes Scherr sind die drei Bene-Designer. Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren für Bene und stehen für die Durchgängigkeit unseres Portfolios. Alle sind zudem in ihren eigenen Studios auch für andere Hersteller erfolgreich tätig. Projektbezogen arbeitet Bene auch mit anderen, ausgesuchten Designern, wie zum Beispiel aktuell mit dem international erfolgreichen Büros EOOS aus Wien und PearsonLoyd aus London. Die RF Flurwand von Bene wurde jüngst mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2009 in Silber ausgezeichnet. Es handelt sich dabei um den renommiertesten Award im Design-Bereich.

Interview: Katharina Spiegl

Relevante Links: Bene AG