ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Zoll-Eskalation treibt Anleger aus Aktienmärkten
PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Eine neuerliche Eskalation der
weltweiten Handelskonflikte hat Europas Börsen am Freitag weiter
einbrechen lassen. China kündigte Gegenzölle auf US-Importe in Höhe
von 34 Prozent an - sie sollen am 10. April in Kraft treten. Der
EuroStoxx 50 sackte daraufhin um 4,60 Prozent auf
4.878,31 Zähler ab und erreichte den tiefsten Stand seit Ende
vergangenen Jahres. Damit sind die bisherigen Kursgewinne des
Börsenjahres 2025 wieder dahin. Von der runden 5.000er-Marke hat
sich der Index zunächst nach unten abgesetzt.
Der eskalierende Handelskonflikt brockte dem EuroStoxx 50 die
schwärzeste Börsenwoche seit mehr als drei Jahren ein: Der Index
sackte um 8,5 Prozent nach unten. "Panik macht sich breit",
konstatierte Analyst Sören Hettler von der DZ Bank. Nach den
Maßnahmen Chinas sei nun davon auszugehen, dass die US-Regierung
ihrerseits weitere Importzölle androht oder gar zeitnah umsetzt. Die
Konsequenz dieser Befürchtungen sei an den Finanzmärkten eine Flucht
in Sicherheit. Aktien als risikoreiches Investment würden hingegen
verkauft.
Dies war auch außerhalb des Euroraums zu beobachten: Der Schweizer
SMI fiel um 5,14 Prozent auf 11.648,83 Punkte. Für
den britischen FTSE 100 ging es um 4,95 Prozent auf
8.054,98 Punkte nach unten.
Die Entwicklung der Sektoren ähnelte der am Vortag. Die Aktien von
Banken standen erneut unter Druck und folgten damit
den internationalen Vorgaben. Die Aussichten auf eine konjunkturelle
Delle ließen die Kurse von Werten wie BNP Paribas und
Societe Generale einknicken, nachdem sie seit
Jahresbeginn kräftig gestiegen waren.
Auch die konjunktursensiblen Rohstoff- und Ölwerte gehörten zu den
Verlierern. BP verloren 7,4 Prozent. Der
Verwaltungsratschef des britischen Mineralölkonzerns, Helge Lund,
hatte seinen Rücktritt angekündigt. Es bleibe abzuwarten, ob Lunds
noch zu findender Nachfolger größere Veränderungen bei der Strategie
und auch im Management bringen werde, hieß es dazu von den Experten
der kanadischen Bank RBC. Im Versicherungssektor büßten Generali
überdurchschnittliche 6,3 Prozent ein. Die Aktie
reagierte damit auf eine Abstufung durch Morgan Stanley.
Geringere Verluste verbuchten defensive Sektoren wie
Nahrungsmittelproduzenten und Konsumgüterhersteller. Danone
gaben lediglich um 0,9 Prozent nach, nachdem sie
zuvor ein Fünfjahreshoch erreicht hatten. Eine Hochstufung durch
Morgan Stanley stützte den Wert. Nestle verloren mit
3,6 Prozent stärker, nachdem Morgan Stanley die Aktie abgestuft
hatte.
Pharmawerte gerieten unterdessen ebenfalls unter
Druck, der Sektor fiel auf den tiefsten Stand seit Ende 2023. Die
Pharma- und die Halbleiterindustrie muss sich nach den Worten von
US-Präsident Donald Trump bald ebenfalls auf happige Zölle gefasst
machen. Diese würden bald eingeführt, sagte Trump vor
Journalisten./bek/stw