Wiener Börse (Nachmittag) - ATX weitet Verluste nach China-Zöllen aus / China verhängt Gegenzölle - ATX verliert 6 Prozent, nun auf Korrekturniveau - Banken verlieren massiv
Der Wiener Aktienmarkt hat seine Talfahrt vom Vortag am Freitag noch einmal beschleunigt fortgesetzt. Die umfangreichen Zollankündigungen des US-Präsidenten Donald Trump sorgen zum Wochenausklang unverändert für eine düstere Stimmung an den Börsen weltweit. Nach der Ankündigung von Vergeltungszöllen der chinesischen Regierung wurden die bereits massiven Kursverluste noch einmal ausgeweitet.
Im Vergleich zum schwachen europäischen Umfeld fielen die Abschläge in Wien aufgrund der hohen Gewichtung der Bankaktien zudem noch einmal deutlich stärker aus. Der ATX sank bis kurz nach 14.40 Uhr um 6,01 Prozent auf 3.760,72 Punkte. Im bisherigen Tagestief war es sogar mehr als sieben Prozent hinabgegangen.
Mit einem Rückgang von mittlerweile mehr als 13 Prozent vom Mehrjahreshoch von Mitte März sehen Charttechniker den Leitindex nun im Korrekturbereich. Ein Großteil der bisherigen Kursgewinne des laufenden Jahres ist bereits weggeschmolzen. Für den ATX Prime ging es am Freitag um 6,09 Prozent auf 1.887,85 Zähler hinab.
Chinas Gegenzölle auf US-Importe in Höhe von 34 Prozent seien ein "deutlichen Zeichen, dass wir mittendrin sind in der Eskalationsspirale", kommentierte Carsten Brzeski von der Bank ING. Damit nehme die Gefahr zu, dass andere Länder, oder auch die EU, dem Beispiel folgen werden.
Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG sprach inzwischen von einem "Schwarzen Freitag" an den Märkten: "Die Ankündigung neuer Zölle durch Präsident Trump hat das Marktvertrauen massiv erschüttert."
Die monatlichen Arbeitsmarktdaten fielen tendenziell robuster aus als erwartet, gerieten angesichts der an den Finanzmärkten vorherrschenden Zollsorgen eher in den Hintergrund. Die Kursreaktionen fielen dementsprechend verhalten aus.
Im Bankensektor sackten Erste Group und BAWAG jeweils rund acht Prozent ab. Den Geldhäusern droht eine Melange aus schwächerem Wachstum, höheren Risikoprämien und sinkenden Zinsmargen, wenn Zentralbanken mit Zinssenkungen bei einer schwächelnden Weltwirtschaft mit Zinssenkungen gegensteuern müssen.
In Wien gerieten ansonsten zyklische Aktien deutlich unter die Räder und gaben einen großen Teil der Gewinne von Februar und März wieder ab. Porr und Strabag fielen jeweils über neun Prozent, die beiden Bauaktien waren im ersten Quartal die unangefochtenen Spitzenreiter am heimischen Markt. Aktien des Automobilzulieferers Polytec rasselten 15 Prozent hinab.
Vergleichsweise geringe Verluste verbuchten lediglich einige defensive Werte. Telekom Austria verloren sehr moderate 0,3 Prozent. Austriacard gewannen sogar 0,8 Prozent.
Pierer Mobility brachen zunächst um rund 40 Prozent ein, berappelten sich nach und nach aber wieder. Zuletzt standen sie mit minus 8,9 Prozent bei 16,40 Euro. Der Verlust des halben Grundkapitals der Motorrad-Holding macht eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. April notwendig. Im Raum steht eine Barkapitalerhöhung mit einem Ausgabepreis von 7,50 Euro pro Aktie.
spa/kat
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