Wiener Börse (Mittag) - ATX beschleunigt Talfahrt, nun -4,2% / ATX auf Korrekturniveau - Banken verlieren massiv - Pierer Mobility brechen ein, Kapitalerhöhung droht
Der Wiener Aktienmarkt hat seine Talfahrt vom Vortag am Freitag noch einmal beschleunigt fortgesetzt. Die umfangreichen Zollankündigungen des US-Präsidenten Donald Trump sorgen zum Wochenausklang unverändert für eine düstere Stimmung an den Börsen weltweit. Im Vergleich zum schwachen europäischen Umfeld fielen die Verluste in Wien aufgrund der hohen Gewichtung der Bankaktien zudem noch einmal deutlich stärker aus.
Der ATX fiel bis 11.45 Uhr um 4,16 Prozent auf 3.834,71 Punkte. Damit steuert er auf den höchsten Tagesverlust seit den Bankenturbulenzen in den USA und der Credit Suisse im März 2023 zu. Auf Wochensicht deutet sich ein herber Verlust von gut acht Prozent an.
Mit einem Rückgang von mehr als zehn Prozent vom Mehrjahreshoch von Mitte März sehen Charttechniker den Leitindex nun im Korrekturbereich. Es riss auch die 100-Tage-Durchschnittslinie bei 3.856 Einheiten. Für den ATX Prime ging es am Freitagvormittag um 4,28 Prozent auf 1.924,25 Zähler hinab.
Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG sprach von einem schwarzen Freitag an den Märkten: "Die Ankündigung neuer Zölle durch Präsident Trump hat das Marktvertrauen massiv erschüttert."
Am Nachmittag kommen aus den USA dann die Arbeitsmarktdaten für den Monat März. Diese dürften von den politischen Geschehnissen in den USA überlagert werden, schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. "Anleger werden zumindest aber darauf achten, wie viele Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst gestrichen wurden und welche Auswirkungen das auf die Arbeitslosenquote haben wird. Alle zukünftigen Daten werden nun nach Hinweisen auf eine Rezession untersucht."
In Wien gerieten zyklische Aktien deutlich unter die Räder und gaben einen großen Teil der Gewinne von Februar und März wieder ab. Im Baubereich verloren Porr und Strabag jeweils über sechs Prozent. Semperit und Polytec sackten um 10 beziehungsweise 8,4 Prozent ab. AT&S rasselten um über 6,6 Prozent hinab.
Im Bankensektor sackten Erste Group und BAWAG jeweils über sechs Prozent ab. Hier belasteten fallende Marktzinsen, da Marktteilnehmer damit rechnen, dass die Notenbanken bei einer schwächelnden Weltwirtschaft mit Zinssenkungen gegensteuern müssen.
Vergleichsweise stabil blieben lediglich einige defensive Werte. Verbund und Telekom Austria etwa gaben mit minus 0,7 Prozent nur moderat nach. Auch Andritz zeigten sich mit minus 0,6 Prozent nur milde beeindruckt.
Pierer Mobility brachen um fast 30 Prozent auf 12,90 Euro ein. Der Verlust des halben Grundkapitals der Motorrad-Holding macht eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. April notwendig. Im Raum steht eine Barkapitalerhöhung mit einem Ausgabepreis von 7,50 Euro pro Aktie.
spa/mik
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