Wiener Börse - ATX nach US-Zollankündigungen sehr schwach / ATX verteidigt 4.000-Punktemarke knapp, sinkt auf tiefsten Stand seit Mitte Februar - Anleger schichten in sichere Häfen um - Bankwerte von fallenden Zinsen belastet
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Die weitreichenden Zollankündigungen des US-Präsidenten Donald Trump haben den Wiener Aktienmarkt am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar gedrückt. Der ATX verlor im Handelsverlauf sukzessive an Boden und kratzte zwischenzeitlich an der 4.000-Punktemarke. Letztlich schloss er mit einem Abschlag von 3,05 Prozent auf 4.001,00 Punkten knapp darüber.
Damit fiel der Leitindex auch wieder unter die 50-Tage-Linie für den mittelfristigen Trend und verbuchte den größten Tagesverlust seit Anfang August. Der ATX Prime verlor am Donnerstag 2,97 Prozent auf 2.010,35 Zähler.
Trump hatte am Mittwochabend Zölle von pauschal 10 Prozent auf alle US-Importe angekündigt. Auf Länder, die große Handelsüberschüsse mit den USA erzielen, sollen noch höhere Einfuhrsteuern erhoben werden. So gab Trump etwa Zölle in Höhe von 20 Prozent auf Importe aus der EU bekannt. Die EU bereitet inzwischen Gegenmaßnahmen vor.
Angesichts der starken Unsicherheiten zog es die Anleger in sichere Häfen. So markierte der Goldpreis in der Nacht ein weiteres Rekordhoch und die Anleihekurse legten kräftig zu. Letztere profitierten auch von den gestiegenen Erwartungen, dass die Notenbanken mit Leitzinssenkungen auf die konjunkturellen Folgen der Zölle reagieren könnten.
Die Renditen an den Anleihemärkten kamen dementsprechend zurück. Dies belastete die europäischen Bankaktien, die zuletzt vom normalisierten Zinsniveau in der Eurozone profitiert hatten. In Wien sackten BAWAG um 4,6 Prozent ab, RBI-Titel verloren 6,7 Prozent und Erste Group verbilligten sich um drei Prozent.
Schwäche zeigten auch Industrie- und Grundstoffwerte. voestalpine, Wienerberger und Lenzing verloren zwischen 3,4 und 6,4 Prozent. AT&S rasselten um 7,7 Prozent hinab. Die Steirer betonten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, nicht unmittelbar von den US-Zöllen betroffen zu sein. Indirekte Auswirkungen seien jedoch möglich, etwa wenn Autos mit AT&S-Leiterplatten mit den Zöllen belegt werden.
OMV verloren vor dem Hintergrund sinkender Ölnotierungen vier Prozent. Die Ölpreise wurden einerseits von den Sorgen einer zurückgehenden Nachfrage belastet. Hinzu kam, dass die Staaten der OPEC+ sich darauf einigten, die Fördermenge erneut auszuweiten.
Unter den wenigen Gewinnern fanden sich inzwischen Werte aus der Versorger- und Immobilienbranche. Diese gelten wegen des kapitalintensiven Geschäftsmodells als Profiteure niedriger Zinsen und sind zudem kaum exportabhängig. An der ATX-Spitze stiegen Verbund und CA Immo um 1,5 respektive 4,4 Prozent.
Unter den weiteren Einzelwerten fielen Porr um 1,9 Prozent auf 26,05 Euro. Berenberg-Analystin Jenna Xu bekräftigte ihre Kaufempfehlung für die Aktie und bestätigte das Kursziel von 37,50 Euro. Die Porr-Aktie werde in einem Branchenvergleich weiterhin mit einem Bewertungsabschlag in Höhe von 30 Prozent gehandelt, erklärte Xu.
spa/sto
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