Wiener Börse (Nachmittag) - ATX nach US-Zollankündigungen unter Druck / ATX sinkt auf tiefsten Stand seit Mitte Februar - Bankwerte von fallender Marktzinsen belastet - Anleger schichten in sichere Häfen um
Nach der weitreichenden Zollankündigung des US-Präsidenten Donald Trump hat der Wiener Aktienmarkt am Donnerstag kräftig nachgegeben. Der ATX büßte bis gegen 14.10 Uhr 2,60 Prozent auf 4.019,75 Punkte ein.
Damit fiel der Leitindex auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar und auch wieder unter die 50-Tage-Linie für den mittelfristigen Trend. Ihm droht zudem der höchste Tagesverlust seit vergangenem August. Der ATX Prime verlor am Donnerstagnachmittag 2,50 Prozent auf 2.020,08 Zähler.
Trump hatte am Mittwochabend Zölle von pauschal 10 Prozent auf alle US-Importe angekündigt. Auf Länder, die große Handelsüberschüsse mit den USA erzielen, sollen noch höhere Einfuhrsteuern erhoben werden. So gab Trump etwa Zölle in Höhe von 20 Prozent auf Importe aus der EU und zusätzliche 34 Prozent auf Importe aus China bekannt. Die EU bereitet inzwischen Gegenmaßnahmen vor, auch viele andere US-Handelspartner dürften Experten zufolge auf die neuen Zölle reagieren.
"Sorgen vor einer Eskalation des Handelskonflikts nehmen zu und entsprechend herrscht große Unsicherheit an den Finanzmärkten vor", schrieben die Experten der Helaba in ihrem Tagesausblick. Die Anleger zog es dementsprechend in sichere Häfen, so markierte der Goldpreis in der Nacht ein weiteres Rekordhoch und die Anleihekurse legten kräftig zu. Letztere profitierten auch von den gestiegenen Erwartungen, dass die Notenbanken mit Leitzinssenkungen auf die konjunkturellen Folgen der Zölle reagieren könnten.
Die Renditen an den Anleihemärkten kamen dementsprechend zurück. Dies belastete die europäischen Bankaktien, die zuletzt vom normalisierten Zinsniveau in der Eurozone profitiert hatten. In Wien sackten BAWAG um 4,3 Prozent ab, RBI-Titel verloren 5,9 Prozent und Erste Group verbilligten sich um 2,9 Prozent.
Schwäche zeigten auch Industrie- und Grundstoffwerte. voestalpine, Wienerberger und Lenzing verloren zwischen 2,9 und 4,8 Prozent. AT&S rasselten über sieben Prozent hinab. Die Steirer betonten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, nicht unmittelbar von den US-Zöllen betroffen zu sein. Indirekte Auswirkungen seien jedoch möglich, etwa wenn Autos mit AT&S-Leiterplatten mit den Zöllen belegt werden.
OMV verloren vor dem Hintergrund sinkender Ölnotierungen 4,8 Prozent. Die Ölpreise wurden einerseits von den Sorgen einer zurückgehenden Nachfrage belastet. Hinzu kam, dass die Staaten der OPEC+ sich darauf einigten, die Fördermenge erneut auszuweiten.
Unter den größten Gewinnern fanden sich inzwischen Werte aus der Versorger- und Immobilienbranche. Diese gelten wegen des kapitalintensiven Geschäftsmodells als Profiteure niedriger Zinsen und sind zudem kaum exportabhängig. An der ATX-Spitze stiegen Verbund und CA Immo um zwei respektive vier Prozent.
Unter den weiteren Einzelwerten fielen Porr um 1,1 Prozent auf 26,25 Euro. Berenberg-Analystin Jenna Xu bekräftigte ihre Kaufempfehlung für die Aktie und bestätigte das Kursziel von 37,50 Euro. Die Porr-Aktie werde in einem Branchenvergleich weiterhin mit einem Bewertungsabschlag in Höhe von 30 Prozent gehandelt, erklärte Xu.
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