, APA

Wiener Börse (Mittag) - ATX fällt nach US-Zollankündigungen / ATX sinkt auf tiefsten Stand seit rund einem Monat - Bankwerte wegen fallender Marktzinsen unter Druck - Anleger schichten in sichere Häfen um

Nach der weitreichenden Zollankündigung des US-Präsidenten Donald Trump hat der Wiener Aktienmarkt am Donnerstag kräftig nachgegeben. Der ATX büßte bis gegen 11.45 Uhr 1,74 Prozent auf 4.055,21 Punkte ein. Damit fiel der Leitindex auf den tiefsten Stand seit Anfang März und auch wieder unter die 50-Tage-Linie für den mittelfristigen Trend. Der ATX Prime verlor 1,61 Prozent auf 2.038,42 Zähler.

Trump hatte am Mittwochabend Zölle von pauschal 10 Prozent auf alle US-Importe angekündigt. Auf Länder, die große Handelsüberschüsse mit den USA erzielen, sollen noch höhere Einfuhrsteuern erhoben werden. So gab Trump etwa Zölle in Höhe von 20 Prozent auf Importe aus der EU und zusätzliche 34 Prozent auf Importe aus China bekannt. Die EU bereitet inzwischen Gegenmaßnahmen vor, auch viele andere US-Handelspartner dürften Experten zufolge auf die neuen Zölle reagieren.

"Sorgen vor einer Eskalation des Handelskonflikts nehmen zu und entsprechend herrscht große Unsicherheit an den Finanzmärkten vor", schrieben die Experten der Helaba in ihrem Tagesausblick. Die Anleger zog es dementsprechend in sichere Häfen, so markierte der Goldpreis in der Nacht ein weiteres Rekordhoch und die Anleihekurse legten kräftig zu. Letztere profitierten auch von den gestiegenen Erwartungen, dass die Notenbanken mit Leitzinssenkungen auf die konjunkturellen Folgen der Zölle reagieren könnten.

Die Renditen an den Anleihemärkten kamen dementsprechend zurück. Dies belastete die europäischen Bankaktien, die zuletzt vom normalisierten Zinsniveau in der Eurozone profitiert hatten. In Wien sackten BAWAG um 3,9 Prozent ab, RBI-Titel verloren 4,5 Prozent und Erste Group verbilligten sich um 1,9 Prozent. Schwäche zeigten auch Industrie- und Grundstoffwerte. voestalpine, Wienerberger und Lenzing verloren zwischen 2,4 und 3,3 Prozent.

Unter den größten Gewinnern fanden sich inzwischen Werte aus der Versorger- und Immobilienbranche, die wegen des kapitalintensiven Geschäftsmodells als Profiteure niedriger Zinsen gelten. An der ATX-Spitze stiegen Verbund und CA Immo um drei respektive vier Prozent.

Unter den weiteren Einzelwerten kletterten Porr um 0,4 Prozent auf 26,65 Euro, nachdem Berenberg-Analystin Jenna Xu ihre Kaufempfehlung für die Aktie bekräftigt hatte. Die Porr-Aktie werde in einem Branchenvergleich weiterhin mit einem Bewertungsabschlag in Höhe von 30 Prozent gehandelt, so Xu. Sie bestätigte auch das Kursziel von 37,50 Euro.

spa/ste

 ISIN  AT0000999982
Copyright APA. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von APA ist nicht gestattet.